Hochschule

Der Wirtschaftsfaktor Hochschule zahlt sich aus  

VDI nachrichten, Berlin, 5. 12. 08, ws – Kritiker meinen, statt der neuen Fachhochschulen in NRW sei der Ausbau der alten mit besserer Betreuung sinnvoller gewesen. Eine Studie verdeutlicht, dass Wissenschaft nicht nur Wissen schafft, sondern auch den Standort wirtschaftlich aufwertet. Vor allem im Ruhrgebiet, wo der Strukturwandel zu neuen Konzepten zwingt.

Jürgen Schnitzmeier ist sehr zufrieden. „Eine Hochschule in Mülheim zu haben, ist wie das Tüpfelchen auf dem i“, freut sich der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Mülheim & Business GmbH. Denn sechs Forschungsinstitute gibt es bereits in der Stadt an der Ruhr.

Vor wenigen Tagen fiel in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf die Entscheidung im Wettbewerb um neue Fachhochschulstandorte und den gezielten Ausbau bestehender. Insgesamt 10 000 Studienplätze, die meisten davon im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik), sollen auf diese Weise in NRW geschaffen werden.

Mülheim gehört in Kooperation mit Bottrop zu den drei Auserwählten für eine Neugründung. Jährlich bis zu 29 Mio. € werden in den Bau der FH Westliches Ruhrgebiet fließen. Spätestens 2011 soll der Lehrbetrieb starten.

Insgesamt 100 Mio. € ist der Landesregierung der Kampf gegen den Fachkräftemangel im Ingenieurbereich wert. Denn die FH sind es, die traditionell einen großen Teil des Nachwuchses für die Region ausbilden.

Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind für Städte und Regionen ein wertvolles Gut, um das sich zu kämpfen und zu konkurrieren lohnt. „Wissenschaft ist der wichtigste Rohstoff der Zukunft. Vor allem für Regionen, die drohen, wirtschaftlich und demografisch in die Peripherie abzurutschen“, sagt Ulf Matthiesen, Professor für Europäische Ethnologie an der Berliner Humboldt-Uni und Autor des Buches „Stadt und Wissen“.

Im Ruhrgebiet ist man sich dessen bewusst. Die Strategie der Mülheimer und Bottroper im Wettbewerb war deshalb einfach und wirkungsvoll: „Wir haben die Industrie- und Handelskammern von Essen, Duisburg und Ober-hausen und an die 100 Unternehmen der Region mit ins Boot holen können“, erläutert Schnitzmeier.

Die Unternehmen hätten bereits zugesagt, bis zu 250 duale Studienplätze an der neuen Hochschule zu tragen. Das gemeinsame Interesse – die Beseitigung des Fachkräftemangels – einte Städte und Unternehmen, verbunden mit dem Wunsch, die Region der ehemaligen Zechenstandorte insgesamt aufzuwerten.

Volkswirtschaftlich scheint die Existenz einer Hochschule auf jeden Fall ein Gewinn zu sein. Im November veröffentliche das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) eine Studie über die Technische Universität Berlin als Wirtschaftsfaktor für Berlin und Brandenburg. Ein Ergebnis: Jeder in die Uni investierte Euro bringt 1,45 € an zusätzlicher Nachfrage durch Studierende und Angestellte der Hochschule sowie 1,92 € zusätzliche Einnahmen in der Region, etwa durch Mieten, Steuern und anderes.

Die DIW-Wissenschaftler spielten verschiedene Alternativen durch: Wäre es wirtschaftlicher, die Landesmittel von jährlich 276 Mio. € statt in die TU lieber wahlweise in Bauvorhaben, Arbeitsplätze oder in außeruniversitäre Forschungseinrichtungen zu stecken?

Die klare Antwort: Nein. „Das Argument, die Universitäten verschlängen Jahr für Jahr immer mehr Geld und seien unwirtschaftlich, ist somit unhaltbar“, erklärt der Leiter Studie am DIW, Ferdinand Pavel. Im Gegenteil: Durch zahlreiche Ausgründungen – viele davon im technischen Bereich – von TU-Wissenschaftlern und Absolventen hat die Uni ein ansehnliches Wissenskapital angehäuft. Über 900 Aus- und Neugründungen finden sich in der nationalen Alumni-Datenbank der TU Berlin.

697 der Unternehmen haben ihren Sitz in Berlin und im angrenzenden Brandenburg. „Eine Universität ist eine sichere Bank mit hohen Zinserwartungen“, sagt TU-Präsident Kurt Kutzler. Der Ethologe Ulf Matthiesen meint dazu: „Hochschulen erfüllen nicht länger nur die Rolle des Traditionsbildners, sondern auch des Entwicklers einer Region.“

Wirtschaft und Politik tun also gut daran, ihre „Juwelen“ zu hegen und zu pflegen. Auch in Berlin setzen die TU und die Verwaltung für den Bezirk Charlottenburg, in dem die Technische Uni beheimatet ist, auf den intensiven Dialog und auf Zusammenarbeit.

Alle paar Monate lädt die TU zum „Think Tank der Innovation“ für Vertreter der Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Aktuell ist das Projekt „Charlottenburg Valley“ gestartet: Die TU, die Universität der Künste und Vertreter des Bezirks bereiten eine Ausstellung vor, die die „Nachhaltige Vitalisierung des kreativen Quartiers um den Campus Berlin-Charlottenburg“ (so der Titel des Vorhabens im Beamtendeutsch) anschaulich machen soll.

Im Süden der Republik verfolgt man ähnliche Strategien. Die Wirtschaftsförderung Karlsruhe verspricht sich viel vom Label „Elite-Universität“ der Uni Karlsruhe. Das vor nicht allzu langer Zeit gegründete Karlsruher Institut für Technologie (KIT) – ein Zusammenschluss von Universität und Forschungszentrum Karlsruhe – ist ein gewichtiger Global Player mit einem Jahresbudget von 700 Mio. € und rund 8000 Mitarbeitern, der die dringend benötigten MINT-Absolventen hervorbringt.

„Die Stadt hat schon vor zehn Jahren erkannt, dass Wirtschaft, Politik und die Hochschulen der Region an einem Strang ziehen müssen“, sagt Ralf Eichhorn, bei der Wirtschaftsförderung zuständig für den Bereich Innovation und Cluster. Vor elf Jahren entstand das Netzwerk „Cyber Forum“. Zu den inzwischen knapp 700 Mitgliedern zählen neben Unternehmen wie Eins & Eins, SAP und Web.de auch die Hochschulen der Region.

MAREIKE KNOKE

Berlin: Wirtschaft, Unis und Politik kooperieren eng

Von Mareike Knoke

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