Hochschule

Der schwere Stand des „Bätschelar“

Im Bachelor spiegelt sich die Niveau-Angleichung von beruflicher und Hochschul-Bildung wieder.

Was haben Sie, den Bätschelar?“, fragt der Personalchef den Bewerber. „Na, Hauptsache, Sie stecken uns damit nicht alle an!“ So die Sprechblase zu einer Karikatur in einem physikalischen Fachblatt. Die Verwechslung des Hochschulabschlusses Bachelor mit einer Epidemie kann niemand übel nehmen. Der klassisch gebildete Personalleiter mag an die sprachgeschichtliche Verwandtschaft mit dem lateinischen „bacterium“ gedacht haben.
Die Hochschulreformer haben noch mehr begriffliche Fallen aufgestellt. Manche wollen den Absolventen des neuen sechssemestrigen Kurzstudiums lieber späthumanistisch als „Bakkalaureus“ bezeichnen und provozieren damit den Gedanken an einen reinen Schulabschluss, den International Baccalaureate (IB). Er wird beispielsweise in Düsseldorf, Bonn und Frankfurt/Main angeboten, in erster Linie Kindern global eingesetzter Firmenmitarbeiter, auch Deutschen. Es handelt sich um eine Weiterbildung von zwei Jahren, die an das angelsächsische Highschool-Diplom (im 16. Lebensjahr) anknüpft und zum Abitur führt. Die Kultusministerkonferenz macht genaue Stundenplan-Vorschriften. Erst der IB eröffnet den Zugang zu deutschen und europäischen Universitäten.
Die verwirrenden Titulaturen sind nur Indizien für eine verworrene Ausbildungssituation. Wer nach der Highschool direkt ein Studium in der angelsächsischen Welt aufnimmt, ist schon Bachelor, wenn der Abiturient oder IB-Absolvent unumgänglicherweise noch in den ersten Semestern steckt und längst noch nicht das Vordiplom hat. Der deutsche Bachelor ist sogar eine spätere und höhere Qualifikation als das Vordiplom. Der deutsche und der gleichnamige angelsächsische Grad sollen allerdings gleichermaßen zum Masterstudiengang an deutschen Hochschulen berechtigen. Das kann nur verstehen, wer Hochschulpolitik versteht!
Eine „Karriere mit Lehre“ empfehlen die Industrie- und Handelskammern, „Weiterbildung als Alternative zum Studium“. Jochen Reinecke, Referent für Technische Weiterbildung beim Deutschen Industrie- und Handelstag (DIHT), sieht im Industriemeister alsbald den „Bachelor (IHK)“ oder den „Bachelor (CIC/Chamber of Industry and Commerce)“ und in dem Technischen Betriebswirt der nächst höheren Qualifikationsstufe den „Master (IHK/CIC)“. Es ist jedenfalls kaum zu bestreiten, dass die duale Berufsausbildung zum Meister oft mindestens so anspruchsvoll ist wie die Bachelor-Ausbildung des Highschool-Absolventen. „Wir treten mit unserer Aus- und Weiterbildung selbstbewusst und titelbewusst in den globalen Wettbewerb“, erklärt DIHT-Hauptgeschäftsführer Franz Schoser.
Mit Einführung des akademischen Bachelor hat die Hochschulpolitik in ihrem Bestreben nach internationaler Nivellierung zu wenig das duale Bildungssystem in Rechnung gestellt, um das Deutschland weltweit beneidet wird. Wissenschaftsverwalter und Berufsbildner diskutieren zu oft jeweils unter sich statt miteinander. Jeder Hochschulabschluss unterhalb des Diploms überschneidet sich mit den Angeboten der beruflichen Bildung. Dabei ist klar: Im Unterschied zur Berufsausbildung kostet das Studium dem Unternehmen nichts.
Und der Discount-Akademiker wird natürlich als billigere Arbeitskraft eingestellt als der Diplom-Ingenieur (FH), der schon merklich weniger verdient als beispielsweise ein frisch gebackener Meister in der Chemie-Industrie. Andererseits ist, wie Ludwig Rottmaier als Leiter der Aus- und Fortbildung bei der Bayer AG betont, dem Arbeitgeber oft ein Aufsteiger aus dem Kreis der Facharbeiter, der von einem Abschluss zum anderen über Jahre geistige Spann- und Sprungkraft beweist, lieber als ein frustrierter Studiosus mit dem erstbesten Abschluss.
Dem Hochschul-Bachelor bleibt die Hoffnung, dass die Formalqualifikation beim Berufseintritt für die Karriere oft gar nicht bestimmend ist. H. HORSTKOTTE

Von H. Horstkotte

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