Hochschule

Der Kampf um die Studierenden ist voll entbrannt  

Die Fachhochschulen in Baden-Württemberg und Westfalen preschen nach vorn. Im vorigen Jahr wurde z. B. eine „InnovationsAllianz“ aus 23 nordrhein-westfälischen Unis und Fachhochschulen gebildet. Und das war nur der Anfang.

Die im vorigen Jahr gebildete „InnovationsAllianz“ aus 23 nordrhein-westfälischen Unis und Fachhochschulen zeigt Wirkung. Aber nicht nur so, wie sich die Initiatoren das gedacht hatten. Im Kern kreist der Zusammenschluss zwar immer noch um die Idee, die hochschuleigenen Forschungskapazitäten stärker an den Belangen der Wirtschaft auszurichten.

Am Rande des Lehrbetriebs jedoch, nämlich in den Abteilungen Produktentwicklung und Marketing, geschieht Erstaunliches: Alle Hochschulen, auch die früher eher als verschlafen geltenden technikorientierten Fachhochschulen in Westfalen, kommen den Interessen ihrer „Kunden“, also den Studierenden und den Unternehmen, mehr und mehr entgegen. In rascher Folge werden die Studiengänge modernisiert, internationalisiert und werblich auf Hochglanz poliert.

Auf der einen Seite ist diese Entwicklung höchst erfreulich. Denn endlich haben die FHs erkannt, dass ihnen sonst in ein paar Jahren die Studienbewerber ausgehen könnten. Andererseits werden die Hochschulangebote immer hektischer verändert und ergänzt. Dadurch sind sie zunehmend unübersichtlich und schwer miteinander zu vergleichen.

Das Centrum für Hochschulentwicklung nimmt nur alle drei Jahre eine Neubewertung vor (siehe Kasten oben rechts). Das hilft inzwischen nur solchen Studieninteressenten, die sich just im Jahr eines aktuellen Rankings entscheiden müssen. Alle anderen sind auf Webseiten, Hochschulbroschüren und Insiderinformationen angewiesen. Dennoch können sie nicht sicher sein, dass ihr gewählter Studiengang am Ende genauso aussieht, wie sie ihn vor dem ersten Semester gebucht haben.

Ob die ihnen in Aussicht gestellte Kooperation mit der Hochschule in China auch in dem Jahr besteht, in dem sie dort ein Auslandssemester hatten absolvieren wollen, ist ungewiss. Die Studierenden können sich ebenfalls nicht sicher sein, ob ihre Alma Mater bei ihrem Examen noch den Namen hat, den sie bei der Erstimmatrikulation trug.

Auf Angebotsvielfalt setzt die kürzlich von FH Lippe und Höxter in Hochschule Ostwestfalen-Lippe umgetaufte Bildungsstätte. Zum neuen Namen kamen ein neues Logo, ein neuer Campus in Detmold, ein neues Institut am Fachbereich Elektro- und Informationstechnik. Ein der Hochschule angegliedertes Weiterbildungsinstitut (KOM) fördert fachbereichsübergreifend individuelle Schlüsselqualifikationen, wobei Ingenieure besonders angesprochen werden. Und gleich drei hochschuleigene Auslandsprogramme ermöglichen die individuelle Zusammenstellung des In- und Auslandsstudiums nach dem Cafeteria-Prinzip.

Die FH Bielefeld hingegen legt den Schwerpunkt auf das duale Studium. Verbundstudiengänge in Maschinenbau, Betriebswirtschaft und Wirtschaftsrecht sowie das „StudiumPLUS“ erlauben die parallele Berufstätigkeit, die so genannte kooperative Ingenieurausbildung kombiniert eine praktische Berufsausbildung mit der wissenschaftlichen Ausbildung zum Bachelor of Engineering. Ebenso wie die Kollegen in Ostwestfalen locken zahlreiche Kooperationsabkommen mit ausländischen Hochschulen in die Ferne.

Das Beste aus den beiden vorgenannten Fachhochschulwelten sucht die technisch ausgerichtete FH Südwestfalen miteinander zu verknüpfen. Sie hat ihren Sitz in Iserlohn, weitere Standorte in Hagen, Meschede und Soest und versteht sich als Ideenschmiede für den Wirtschaftsraum Südwestfalen. Dafür stehen zehn Institute, drei Kompetenzplattformen und gleich 21 Kompetenzschwerpunkte, darunter Zukunftsbereiche wie nanoskalierende Materialien für die Werkstoff- und Oberflächentechnik und Leichtbautechnologie, aber auch Exoten wie vergleichende Stadtmarketingforschung. Auch in Iserlohn werden Verbundstudiengänge angeboten, auch hier wurden Austauschvereinbarungen für Maschinenbauer mit Hochschulen in Russland, Ungarn und Spanien getroffen.

Die Innovationslust der Westfalen ist durchaus berechtigt. Denn im bundesweiten Vergleich hat die Konkurrenz aus Baden-Württemberg noch immer die Nase vorn. Anführer hier ist die Hochschule Esslingen. Ähnlich wie eine private Business School legt sie den Schwerpunkte in der Lehre auf ihre zwanzig Bachelor- und zehn Masterprogramme, z. B. International Industrial Management, manche davon auch in Englisch, sowie auf den interkulturellen Austausch ihrer Studierenden.

Dafür wurde sie mit Spitzenplätzen in allen Rankings belohnt. Als eine der ersten Hochschulen hat sich Esslingen überdies als „familiengerechte Hochschule“ zertifizieren lassen dies kommt nicht nur dem Lehrpersonal, sondern auch den Studierenden zugute. Die Forschungsaktivitäten wurden wie die aller baden-württembergischen FHs in das Institut für angewandte Forschung (IAF) eingebracht.

Außerordentlich rührig ist auch die Hochschule Konstanz. Fast alle Bachelor- und Masterstudiengänge wurden bereits von der Zentralen Evaluations- und Akkreditierungsagentur Hannover (ZEvA) überprüft und akkreditiert. Im Maschinenbau lobten die Gutachter die sehr gute personelle Ausstattung, die Ausstattung der Labore und die gute Einbeziehung der Studierenden in die Laborarbeit. In der Forschung setzt Konstanz künftig noch stärker auf Interdisziplinarität. Dazu werden drei neue Institute gebildet: eines für Werkstoffsystemtechnik, ein anderes für Optische Systeme und das Konstanz Institut für Corporate Governance.

Auch die Fachhochschulen scheinen verstanden zu haben, dass sie sich wachsender internationaler Konkurrenz stellen müssen. Deshalb investieren sie nicht nur kräftig in ihr Studienangebot, sondern auch in ihr Bildungsmarketing. Lars Hüning, Referent für Marketing und Fundraising an der Hochschule Konstanz, kennt seine Aufgabe sehr genau: „Die Priorität des Präsidiums liegt zunächst auf dem Bereich Studienanfängermarketing.“

CHRISTINE DEMMER

Von Christine Demmer

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