Hochschule

Der Geist- eingepfercht in ein Korsett?

Bessere Arbeitsbedingungen statt Präsenzpflicht fordern FH-Professoren. Doch selbst an Fachhochschulen werden, trotz höherer Lehrverpflichtung, der akademische Unterricht und die Betreuung der Studierenden nicht immer ernstgenommen.

Die Professoren an deutschen Fachhochschulen und Universitäten sind sauer. „Professoren hält man nicht per Rechtsverordnung an der Hochschule, sondern mit attraktiven Arbeitsmöglichkeiten“, poltert der Vizepräsident des Hochschullehrerbundes (hlb), Helmut Winkel.
Sein Ärger richtet sich gegen die Initiative der nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministerin Gabriele Behler, Hochschullehrer künftig per Rechtsverordnung zu zwingen, an vier Tagen in der Woche Präsenz an der Hochschule zu zeigen und an mindestens drei Tagen Lehrveranstaltungen abzuhalten.
Für viele Professoren und für den Hochschullehrerbund (hlb), Standesorganisation der FH-Professoren, geht diese Verordnung der sozialdemokratischen Ministerin an der Realität vorbei. Der hlb in Bonn fordert deshalb ein Präsenzrecht statt einer Präsenzpflicht – ein Recht, das es den Hochschullehrern erlaube, ihren Verpflichtungen auch nachzukommen: Sprechstunden für Studenten zu halten, in Ruhe Lehrveranstaltungen vorzubereiten und den Kontakt zu Unternehmen zu pflegen.
Katastrophale Arbeitsbedingungen kritisiert hlb-Vizepräsident Winkel, Professor an der FH Köln, einer der größten in Deutschland. „Mir sind Fälle bekannt, in denen sich fünf Professoren ein Dienstzimmer teilen.“ Dort sollen sie, lästert Winkel, künftig sitzen und auf Studenten warten, während FH-Professoren in den Unternehmen zur „unbekannten Größe“ werden.
Auch der Geschäftsführer des hlb, Hubert Mücke, beklagt die bundesweit zu beobachtenden Vernachlässigung der Ausstattung an den Fachhochschulen. „Wenn sich zwei Professoren ein Zimmer in der Hochschule teilen, ohne Fax und Computer, ist das noch komfortabel.“
Dagegen schmückten sich die zuständigen Minister gern mit der Einweihung neuer Labors, Gebäude und ganzer Hochschulstandorte, während die alltäglichen Arbeitsbedingungen unbeachtet blieben, kritisiert Mücke. Um Politiker jedoch von diesem Trugbild zu befreien, nimmt er auch sich selbst in die Pflicht: „Vielleicht sollten wir uns bei Ministerbesuchen abgewöhnen, die Hochschulen immer nur von der Schokoladenseite zu präsentieren und statt dessen auch mal die Realität zeigen.“
Katastrophal sei die Lage nicht gerade, beschwichtigt Professor Ulrich Schwellenberg, Dekan des Fachbereichs Maschinenbau und Verfahrenstechnik an der FH Düsseldorf, „aber daß sich zwei, oft sogar drei Professoren ein Arbeitszimmer teilen müssen, das ist die Regel“.
Die daraus folgenden Störungen untereinander würden Mitarbeiter in vergleichbaren Positionen in der Industrie wohl kaum tolerieren, vermutet er. So hält auch er den Präsenzvorschlag für „völlig aus der Luft gegriffen“, da die meisten Kollegen „selbst in der vorlesungsfreien Zeit sogar an fünf statt der geforderten vier Tagen der Woche anwesend sind“. Einmal mehr werde nun alles in einen Topf geworfen und auf dem Rücken der Professoren ausgetragen. Schließlich spreche das Lehrdeputat der Ingenieur-Professoren an den Fachhochschulen von 18 Semesterwochenstunden Bände, „dafür braucht man doch mindestens drei Tage“, so der Dekan weiter.
Doch auch die im Vergleich zu Universitäts-Professoren deutlich größere Lehrverpflichtung der FH-Professoren zwingt nicht jeden zur Anwesenheit in der Hochschule und zur intensiven Betreuung der Studierenden. Der Fall des Wormser Fachhochschullehrers Peter Martin Litfin fand bundesweit ein starkes Echo und verstärkte die Vorbehalte gegenüber glänzend entlohnten, jedoch unkontrollierbaren und eigennützigen deutschen Professoren.
Litfin hatte auf sich aufmerksam gemacht, als in den vergangenen fünf Jahren trotz seiner Lehrverpflichtung und fünfstelliger monatlicher Besoldung meist auf seiner Yacht an der Küste Floridas anzutreffen war. Die aktuelle Studentengeneration war ihm zu leistungsschwach geworden, was er in seinen Steuer-Prüfungen mit Durchfallquoten von nahezu 100 % eindrucksvoll zu belegen suchte. Rückschlüsse auf seine Qualität als Lehrender zog Litfin daraus jedoch nicht. Statt dessen lästerte der Professor in einem Beitrag für die Wormser FH-Zeitung über das „studentenfreundliche“ Prüfungsgebaren eines Kollegen, der zwölfmal dieselbe Klausur gestellt habe, deren Musterlösungen mittlerweile auf CD-ROM kursierten.
Auch wenn diese Art, sich der Lehrverpflichtung zu entziehen, nicht die Regel ist, klagen FH-Studenten, daß sie ihre Hochschullehrer kaum erreichen. „Sie sind nie da, wenn man sie braucht“, bemängelt Frank Felber (Name geändert). Der Mechatronik-Student an der Bochumer Fachhochschule mag gar nicht mehr zählen, wie oft er umsonst zur Hochschule fuhr, weil wieder eine Vorlesung kommentarlos und kurzfristig ausfiel. Längst hat er sich damit abgefunden, daß Sprechzeiten auf den frühen Morgen gelegt werden, am besten noch in Konkurrenz zu wichtigen Vorlesungen, damit auch bloß niemand kommt. „Man muß schon viel Glück haben, mal einen Professor zu erwischen, der auch noch Lust und Zeit hat, mit einem zu reden“, so Felber.
Die Politik sieht sich deshalb gezwungen, den Druck auf die Professoren zu verstärken. Unterstützung erhält die nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerin dabei von ihrem rheinland-pfälzischen Partei- und Amtskollegen Jürgen Zöllner, der ebenfalls fordert, seine Professoren sollten künftig mehr Zeit zur Betreuung ihrer Studenten aufwenden. Würden seine Empfehlungen ungehört bleiben, droht er, mit Anordnungen nach dem Behler-Vorbild.
An den Universitäten erntet die Debatte um die Präsenzpflicht fast nur Kopfschütteln. „In den Ingenieurwissenschaften sind die Professoren schon seit Jahren präsent“, unterstreicht York Tüchelmann, Dekan für Elektro- und Informationstechnik an der Bochumer Ruhr-Universität. Wenn ein Kollege zum Beispiel zu Hause an einem Lehrbuch arbeite, dann sei er auch dort über Telefon oder E-Mail für die Studenten erreichbar.
ANDREAS LEIMBACH
Platz gibt es nur, wenn ein Kollege Urlaub macht: An vielen Fachhochschulen, wie hier in Düsseldorf, müssen sich mehrere Professoren auf engstem Raum zusammenraufen.

Von Andreas Leimbach

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