Hochschule

Der Bachelor ist in der Wirtschaft angekommen

Am 6. Mai lädt das Bundesbildungsministerium zur 2. Nationalen Bologna-Konferenz ein. Im Vorfeld konnte Ministerin Annette Schavan am Dienstag Erfreuliches vermelden: Der lange Zeit umstrittene Bachelorabschluss findet auch in der Wirtschaft immer mehr Anhänger. Kritikpunkte aber bleiben. Vor allem der Übergang vom Bachelor- ins Masterstudium bleibt ein heißer Diskussionspunkt.

Der Bachelor ist endgültig auf dem Arbeitsmarkt angekommen. Obwohl die Mehrheit der Unternehmen nach wie vor Nachbesserungsbedarf in der Konzeption der Bachelorstudiengänge sieht, beschäftigen mittlerweile fast 70 % der deutschen Großunternehmen und 37 % der Mittelständler Nachwuchs-Mitarbeiter mit „BA“-Abschluss.

Auch beim Gehalt müssen diese, im Vergleich zu Bewerbern mit traditionellen Abschlüssen wie dem Diplom, keine oder geringe Unterschiede befürchten. Zwei Drittel der Unternehmen geben an, Bachelorabsolventen das gleiche Gehalt zu zahlen.

Das geht aus einer Studie hervor, die der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft gemeinsam mit dem Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) und der Hochschul-Informations-System GmbH (HIS) erstellt und am Dienstag in Berlin vorgestellt hat. Rund 10 000 Studierende und Absolventen sowie 1500 Unternehmen wurden dafür im vergangenen Jahr befragt.

Demnach werden unter den Berufseinsteigern Ingenieure, die ein Bachelorstudium an einer Fachhochschule absolvierten, am besten bezahlt und können mit einem Einstiegsjahresgehalt von 38 000 € rechnen. „Die Mehrheit der Unternehmen ist mehr an den persönlichen Fähigkeiten und Erfahrungen ihrer Absolventen als an der Art des Abschlusses interessiert“, so Arend Oetker, Präsident des Stifterverbandes.

Dass sich dennoch bis zu 87 % der Uni-Absolventen und bis zu 65 % der FH-Abgänger direkt im Anschluss für einen weiterführenden Master entschieden, liege vor allem daran, „dass die Mehrheit den eigenen Arbeitsmarktchancen nicht traut“.

Das verwundert nicht, denn die öffentliche Diskussion, gepaart mit der Skepsis vieler Professoren, die ihre Studierenden vor zweitklassigen Studienabschlüssen warnen, hat sehr zur Verunsicherung vieler Jung-Akademiker beigetragen. Zahlen und Fakten dazu liefert auch eine zweite Studie: „Studien- und Berufsperspektiven von Bachelorstudierenden in Deutschland“, erstellt von der HIS.

Die Zeiten, in denen in den Ingenieurwissenschaften Bachelorabsolventen als Ingenieure zweiter Klasse abgestempelt wurden, scheinen vorbei zu sein. Oetker verwies auf die „sehr niedrige Arbeitslosenquote von 3 % direkt nach dem Studium“.

Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) erklärte: „Insgesamt macht die Studie deutlich, dass das Herumgenörgele an der Bologna-Reform völlig unbegründet war und ist.“ Trotzdem sollten die Hochschulen sich nicht auf dem offenbar positiven Trend ausruhen, schreiben die Autoren der Studie. Denn die Befragten kritisierten, dass viele Hochschulen die Reform nicht für eine grundlegende Modernisierung und Entschlackung der Studieninhalte genutzt hätten und alten Wein in neuen Schläuchen präsentieren. Noch immer fehle ein größerer Praxisbezug im Studium, vor allem an den Universitäten.

Die meisten Bachelorabsolventen, die zunächst auf einen anschließenden Master verzichten, begründen dies übrigens damit, schnell Berufserfahrungen sammeln und ihr Wissen praktisch anwenden zu wollen.

Ursprünglich war der Übergang vom Bachelor zum Master als Bruchstelle geplant, um dem Arbeitsmarkt zügig Bachelorabsolventen zur Verfügung zu stellen. Jetzt sind viele Hochschulen für das große Interesse der Studierenden am Masterstudium nicht gewappnet. 2009 hatte Annette Schavan gesagt: „Der Übergang vom Bachelor zum Master muss problemlos möglich sein. Studierende sollten selbst entscheiden können, ob sie einen Master machen wollen oder nicht. Ich bin gegen eine Quote.“ Daran wird sie sich auch weiterhin messen lassen müssen.

Beim Deutschen Studentenwerk (DSW), das sich für die sozialen Interessen von mehr als 2 Mio. Studierenden in Deutschland engagiert, sieht man die Studienergebnisse mit gedämpfter Freude. „Die Bologna-Reform scheint insgesamt auf gutem Weg“, zieht DSW-Präsident Rolf Dobischat Zwischenbilanz. Andere Studien, auch die aus eigenem Hause, bestätigten die positive Entwicklung. Dobischat aber fragt auch: „Die großen Kohorten von Studierenden und Absolventen kommen erst noch – was dann?“ Sind die Hochschulen überfordert, wenn der Doppelabiturjahrgang und die Aussetzung der Wehrpflicht einen Run auf die Hochschulen auslösen sollten? Da die Zahlen der Studienanfänger nicht exakt vorhersehbar sind, liegt den Hochschulen auch kein Masterplan zur Bewältigung des Problems vor.

Die Ergebnisse der Studie dürften nicht den Blick auf immer noch vorhandene Defizite versperren, mahnt Dobischat. „Wenn die befragten Unternehmen und die Studierenden gleichzeitig mangelnden Praxisbezug im Bachelor-Studium sowie eine Überfrachtung mit Lernstoff beklagen, zeigt das, dass weiterhin Nachbesserungsbedarf besteht.“

Wie zähflüssig der Bologna-Prozess sei, verdeutliche seine Dauer. Geplant war, die Reform 2010 abzuschließen, vollendet sei sie immer noch nicht. „Es tut sich viel, auf politischer Ebene, in den Ländern, erst recht in den Hochschulen. Aber ob und wie sich das alles konkret zugunsten der Studierenden auswirkt, bleibt abzuwarten.“ Das alles müsse bei der nationalen Bologna-Konferenz am 6. Mai auf die Agenda.

Schließlich hatte jüngst eine Firmenumfrage der Deutschen Physikalischen Gesellschaft ergeben, dass der Bachelor als „unvollständige“ Ausbildung betrachtet werde. Es gebe wenig Bedarf an Physik-Bachelors in der deutschen Wirtschaft. Grund sei das „ausgezeichnete System der beruflichen Ausbildung, das dem Arbeitsmarkt hervorragend ausgebildete Techniker und Laboranten bereitstellt“. MAREIKE KNOKE/ws

Von Mareike Knoke/Wolfgang Schmitz

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