Nachwuchsförderung

Das Reden von der „technischen Elite“ schreckt junge Menschen vom Ingenieurstudium ab  

Nur jeder zehnte Schüler kann sich vorstellen, Ingenieur zu werden. Jugendliche empfinden Technikunterricht als langweilig und zu theoretisch. So lauten zentrale Ergebnisse des „Nachwuchsbarometers Technikwissenschaften“ von acatech und VDI. Zeitgemäßer Unterricht müsse gesellschaftliche Entwicklungen stärker einbeziehen, raten die Autoren. Den Ingenieur in der Öffentlichkeit als Teil der gesellschaftlichen Elite zu preisen, schrecke viele Jugendliche ab. VDI nachrichten, Düsseldorf, 10. 7. 09, ws

Dafür gäbe es zwei Gründe, weiß Projektleiter Ortwin Renn von der Uni Stuttgart: „Zum einen weicht der Ingenieurberuf immer noch in wesentlichen Attributen vom Traumberuf ab, vor allem was die Vielseitigkeit, die Kommunikationshäufigkeit über Kontakte mit anderen und die Sicherheit des Arbeitsplatzes anbelangt. In diesen Feldern besteht eine hohe Diskrepanz zwischen dem Traumberuf und der wahrgenommenen Wirklichkeit der Ingenieurberufe durch die Schüler. Das Zweite ist das Image des Studiums es wird als schwierig und langwierig empfunden. Auch das schreckt ab.“

Unzureichend informierte Jugendliche, denen es in der Schulzeit an Einblicken in die Technikpraxis und an einem zeitlich durchgängigen technisch-naturwissenschaftlichen Unterricht mangele, sähen das Ingenieurstudium häufig aus schrägen Blickwinkeln, heißt es in der Studie. Die einen überschätzten die Anforderungen und scheuten vor einer akademischen Ausbildung, die anderen unterschätzten sie – der Studienabbruch ist vorprogrammiert.

Dabei trifft die Studie, die auf der Befragung von 3007 Schülern der achten bis 13. Klassen, 6253 Studenten und 3586 Ingenieuren und Naturwissenschaftlern basiert, keine Schuldzuweisungen. Denn „Techniksozialisation“, also das Vertrautwerden mit Technik, begnügt sich in Zeiten komplexer Prozesse nicht mehr mit dem Auseinanderlegen des Mofas. „Nutzung und Interesse haben sich entkoppelt, was angesichts der umfassenden Technisierung des Alltags und der Wirtschaft auch wenig überrascht“, schreiben die Autoren.

Die Computerisierung müsse aber nicht zwangsläufig zu einem Desinteresse an dem führen, „was dahintersteckt“: „Bereits jetzt ist der Anteil von Jugendlichen beträchtlich, die ihren Computer tunen, aufrüsten, und für spielerische Simulationen einsetzen.“

Guter Technikunterricht begnüge sich aber auch nicht damit, den PC aufzuschrauben, sondern thematisiere die Folgen von Technik für Wirtschaft, Wohlstand, Kultur und Politik. Insbesondere könnten auf diesem Wege mehr junge Frauen für ein Ingenieurstudium gewonnen werden.

Setze der Versuch, Jugendlichen Technik nahezubringen, erst in höheren Schulklassen ein, bestehe kaum noch Aussicht auf Erfolg. Während der Pubertät träten neue Interessen in Konkurrenz zur Bildung.

Constanze Kurz: „Technik stärker in gesellschaftliche Erfordernisse einbinden“

Die Studie räumt mit dem Vorurteil auf, nur herausragend gute Schüler blickten hinter die Geheimnisse der Technik. Vor diesem Hintergrund, erläutert der Techniksoziologe Ortwin Renn, „müssen die Ingenieure das Gerede von der technischen Elite einstellen: Das schreckt ab. Zum anderen ist es wichtig, dass Ingenieure, die voll im Berufsleben stecken, ihren Alltag vermitteln“. Das verdeutliche, dass nicht nur Genies am Werke sind.

Technikbildung müsse in der Schule eine deutlich größere Bedeutung zukommen. Die Inhalte sollten praxisnah aufbereitet und für Jungen und Mädchen gleichermaßen attraktiv sein.

An den Hochschulen sollte man die Wissensvermittlung überdenken. Studienanfänger würden mit hohem Leistungsdruck sowie abstrakter und mathematiklastiger Lehre verprellt. „Mehr Praxis, mehr Experimente, mehr Team- und Projektarbeit“, lauten die inhaltlichen Forderungen der Autoren. Bessere Betreuung sowie größere Passgenauigkeit und Übertragbarkeit der Anforderungen betreffen die strukturellen Herausforderungen.

„Gefragt ist ein integrierter Ansatz, der die Technik wieder stärker in den Kontext gesellschaftlicher Problemstellungen und Erfordernisse einbindet“, kommentiert Constanze Kurz die Studie. Die Soziologin an der Universität Göttingen denkt dabei vor allem an die Thematisierung junger und daher für Jugendliche spannender Technologien, wie die Produktion nachhaltiger Innovationen im Bereich von Klima-, Energie- und Umweltschutzgütern.

Die Bilanz der Umfrage fällt bei Projektleiter Renn durchwachsen aus: „Erfreulich ist, dass im Gegensatz zu unserer Befragung von 2001 die Ingenieurwissenschaften jetzt als kreativ und gestalterisch anspruchsvoll gelten und nicht mehr als nur analytisch und reproduktiv. Bedenklich ist, dass Jungen, die sich für Technik interessieren, Mädchen Technikbegabung absprechen, und sich die Mädchen bei gleichem Notendurchschnitt wie die Jungen als weniger kompetent einstufen.“

Acatech-Präsidiumsmitglied Joachim Milberg fordert als Resümee zu „weiteren Kraftanstrengungen“ auf, „um die rasanten technischen Veränderungen und Fortschritte, die Veränderungen in der Gesellschaft auch in die Klassenzimmer und Hörsäle zu transportieren“.

Als herausragende Themen nennt Milberg die Lehrerausbildung, aber auch das frühzeitige Vermitteln von realen Berufsbildern in den Medien. „Technische und naturwissenschaftliche Bildung sollten spannend und lehrreich zugleich sein. Da ist sicherlich noch einiges zu tun.“ Nachholbedarf gebe es auch in dem Bemühen, „die Perspektive der jungen Menschen stärker in unsere Überlegungen miteinzubeziehen“.

„Punktuelle Schlüsselerlebnisse“ wie der „Tag der Technik“ weckten zwar das Interesse an Technik und Naturwissenschaften, es müsse aber durch entsprechende kontinuierliche Angebote in der Schule vertieft werden, fordert VDI-Direktor Willi Fuchs. Um junge Menschen vor dem Praxisschock zu bewahren, müsste das Angebot für berufsbezogene Praktika ausgebaut werden.

„Unsere Projekte wie der VDIni-Club, das Förderprogramm VDI-ELEVATE oder die Formula Student Germany setzen an den richtigen Stellen an“, bilanziert Willi Fuchs. „Aber das reicht nicht aus. Technikunterricht muss endlich verbindlich in Schulen eingeführt werden. Ich hoffe, dass die politischen Vertreter die Ergebnisse nutzen, die Technikbildung in Deutschland zu verbessern. Wir müssen handeln, um unsere Zukunft zu sichern.“ WOLFGANG SCHMITZ

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