Hochschule

Das neue Sieb ist nicht erwünscht

Für Numerus Clausus-Fächer, die über die ZVS vergeben werden, gelten nicht mehr ausschließlich Leistungsquote und Wartezeiten. Hochschulen sollen größeres Mitspracherecht erhalten. Sie fühlen sich in ihren Autonomiebestrebungen aber eher behindert.

Mehr Autonomie und Eigenverantwortung fordern die Hochschulen schon seit Jahren. Die Reaktion darauf von staatlicher Seite blieb nicht aus. Seit dem Wintersemester 1999/2000 vergeben Universitäten und Fachhochschulen in Baden-Württemberg bei den örtlich zulassungsbeschränkten Studiengängen 40 % der Studienplätze nach eigener Wahl. Vom kommenden Wintersemester an steht eine weitere Änderung ins Haus. Für Numerus Clausus-Fächer, die über die ZVS vergeben werden, gelten dann nicht mehr ausschließlich Leistungsquote und Wartezeiten. Bundesweit sollen 20 % der Studienplätze von den Hochschulen direkt über ein eigenes Auswahlverfahren vergeben werden.
„Studienbewerber, die für das jeweilige Fach gut geeignet sind, aber vom Notendurchschnitt her die NC-Hürde nicht schaffen, können so herausgefiltert werden“, kommentiert Martin Neumaier vom Baden-Württembergischen Wissenschaftsministerium die neue Regelung. Die Hochschulen reagieren darauf alles andere als begeistert. Die meisten empfinden das Auswahlverfahren als verfehlt, da es ihre Autonomiebestrebungen eher untergrabe als fördere. 83 % der betroffenen Fakultäten zogen es vor, die 20 %-Quote nicht zu nutzen und statt dessen die ZVS mit der Durchführung des Auswahlverfahrens zu beauftragen.
Was die Hochschulen beklagen, ist der geringe Handlungsspielraum, der ihnen durch das im Hochschulrahmengesetz festgeschriebene Verfahren bleibt. So dürfen sie weder eigene Beurteilungskriterien aufstellen, noch die Noten entsprechend den Studienanforderungen gewichten. Abiturdurchschnitt, ein Auswahlgespräch und die Berufsausbildung oder -qualifikation gelten als Standard bei der Bewertung und müssen für alle ZVS-Fächer gleichermaßen hinzugezogen werden, egal ob es sich dabei um Architektur, Betriebswirtschaft, Biologie, Haushalts- und Ernährungswissenschaften, Lebensmittelchemie, Medizin, Pharmazie, Psychologie, Rechtswissenschaft oder Tier- und Zahnmedizin handelt.
„Unser Wunsch wäre es gewesen, abgestimmt auf das Profil des jeweiligen Studiengangs, die Studenten nach eigenen Kriterien auswählen zu können. Sie sollen sagen können, wohin sie wollen, und wir wollen sagen können, wen wir wollen“, so der Stellvertretende Generalsekretär der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) Joachim Weber. Ins Kreuzfeuer der Kritik geriet die 20 %-Quote auch deshalb, weil dabei ausschließlich Studienbewerber zum Zuge kommen, die nur knapp über dem geforderten Notendurchschnitt liegen. „De Facto können wir uns die Studenten überhaupt nicht aussuchen. Die Besten bekommen wir sowieso nicht. Wir können aber auch nicht unter den Schlechteren nach herausragenden Begabungen suchen“, erklärt Weber. Doch während der Stellvertretende Generalsekretär an der Institution „ZVS“ festhalten möchte, gehen andere Meinungsträger bereits einen Schritt weiter. So fordert Prof. Dr. Wolfgang Jäger, Rektor der Universität Freiburg und Vorsitzender der Landesrektorenkonferenz, die völlige Abschaffung der ZVS.
Bei Forderungen und kritischen Anmerkungen wollten die Hochschulen es jedoch nicht bewenden lassen. Der Fachbereich Architektur der Universität Stuttgart beispielsweise verzichtete zwar auf die 20 %-Quote, entwickelte aber ein alternatives Auswahlmodell. Bei ihren Untersuchungen kamen die Verantwortlichen zu dem Ergebnis, dass die Abiturdurchschnittsnoten in Kombination mit Fähigkeits- und Leistungstests die Aussagekraft über Erfolgsaussichten erhöhen. Auswahlgespräche eigneten sich dagegen weit weniger für solche Prognosen, stellten Prof. Dr. Johann Jessen und seine Mitstreiter fest. So hätte sich gezeigt, dass auf diesem Weg zugelassene Mediziner schlechtere Noten in den Zwischenprüfungen und längere Studienzeiten aufwiesen, als ihre aufgrund des Notendurchschnitts aufgenommenen Kommilitonen. Allerdings, so Jessen, könne das Interview als diagnostisches Instrumentarium weiter verbessert werden. Der Fachbereich Architektur schlägt deshalb ein Abitur-Test-Interview-Modell vor, wobei die Quoten innerhalb dieses Modells verschiebbar sein müssen.
Wohl aufgrund ihrer früheren Erfahrungen reagierten die Mediziner und Zahnmediziner auf die staatlich verordnete 20 %-Quote bisher am positivsten. Von den 35 medizinischen Fakultäten wollen 15, von den 29 zahnmedizinischen Fakultäten zwölf ein Aufnahmegespräch führen. Auch beim Fachbereich Architektur der Universität Karlsruhe herrscht die Meinung, dass ein Spatz in der Hand besser ist als die Taube auf dem Dach. „Ein Abiturdurchschnitt von eins sagt nichts aus über die Befähigung zu diesem Studium. Im Gespräch versuchen wir deshalb herauszufinden, inwieweit eine entsprechende Begabung vorhanden ist“, erläutert Corinna Lapp, in der Verwaltung zuständig für akademische Angelegenheiten. MONIKA ETSPÜLER

Von Monika Etspüler

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