Hochschule

Das Ende der Bescheidenheit

Sie kämpfen um das Weiterleben der ifu.

Für die Internationale Frauenuniversität (ifu) mangelte es nicht an Vorschusslorbeeren. Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn nannte sie einen „Meilenstein auf dem Weg zu einer weiblichen Wissenschaftselite“. Nach der 100-Tage-Laufzeit während der Expo in Hannover fällt die Bilanz positiver als erwartet aus. „Es ist unglaublich, wie engagiert und hoch qualifiziert die Studentinnen – allesamt mit mindestens einem Hochschulabschluss – sind“, staunt ifu-Präsidentin Aylâ Neusel. Wie sonst wäre es möglich, dass sie in drei Monaten ein fächer- und länderübergreifendes Forschungsnetzwerk zimmern, das die etablierten Clubs selbstgefälliger Professoren alt erscheinen lässt.
Die Stärke der 957 ifu-Studentinnen aus 115 Ländern: Sie verstehen Wissenschaft als Gestaltungschance. „Diesem Bedürfnis kommt die Projekt-Struktur der ifu besonders entgegen“, behauptet die 25-jährige Wirtschaftswissenschaftlerin Fatmata Lovetta Sesay aus Sierra Leone, die sich für den Projektbereich „Arbeit“ eingeschrieben hatte. „In der ifu habe ich Frauen kennen gelernt, die sich mit meinen Problemen aus ganz anderer wissenschaftlicher Sicht auseinander setzen oder zum Teil sogar in einem ähnlichen Umfeld eingebunden sind.“ Sesay arbeitet in Freetown im Rahmen einer Nicht-Regierungs-Organisation, die Bürgerkriegswitwen, meist Frauen ohne jede Ausbildung und Überlebensstrategien, Selbsthilfeprogramme bietet. „Das Wichtigste aber vielleicht ist, dass ich hier wieder Mut zum Weitermachen bekommen habe.“
Ähnlich wie Sesay, urteilen auch Elena Meshcherkina und Selina Akhtar Jahan. Die Russin Meshcherkina untersucht seit Jahren den Arbeitsalltag in Moskau. Sie brachte Fotos mit und Filme, die ungeschönt zeigen, was sie mit zwei Worten beschreibt: „Anarchie und Patriarchat.“ Unter beidem würden vor allem die russischen Frauen leiden. Doch gerade von ihnen werde erwartet, dass sie eine bessere Zukunft schaffen.
„Frauen brauchen Solidarität“, resümiert Jahan. Sie ist Professorin für Englisch und Literatur an der Open University von Bangladesh. Sie ist auch Mutter von zwei Kindern, kämpft in ihrer Heimat politisch und praktisch für die Sache der Frauen, kümmert sich um Sponsorengelder für Frauenprojekte, klärt ihre Landsfrauen über Verhütungsmittel auf, beteiligt sich an einem weltweiten Netzwerk für Frauen. „Eigentlich wollte ich in der ifu nur etwas über Sozialkonflikte in anderen Ländern erfahren, aber ich habe sehr viel mehr mitgenommen“, freut sich Jahan. Auch die Studentinnen des Projekts „Wasser“ haben mehr als geplant unternommen. Sie versuchen zur Zeit, eine NGO auf die Beine zu stellen, um alternative Wasser-Gewinnungs- und -Aufbereitungs-Technologien zu fördern. Und die Aktivistinnen im Projekt „Stadt“ bleiben virtuell in Kontakt, um die besonderen Ambivalenzen riesiger Ballungsgebiete in Chile, Israel, Deutschland und der Türkei weiter zu erforschen. Denn in den Städten werde entschieden, so die Studentinnen, welche Lebensqualität künftige Gesellschaften bieten, ob Vereinsamung vorherrscht, Kommunikation oder Anonymität.
Ifu-Präsidentin Aylâ Neusel, Ingenieurin und Professorin an der Uni Kassel, will dieses Engagement nicht ins Leere laufen lassen: „Wir wollen den Goodwill nutzen und einen internationalen Master-Studiengang etablieren.“ In dieser Wunsch-Uni sollen sich virtuelle Fernstudienphasen mit Präsenzphasen ablösen. Ein Kuratorium, das sich um Kooperationen mit anderen Hochschulen um den Forschungsaustausch und die Qualität der Wissenschaft kümmert, ist bereits gefunden.
Chang Sang ist dabei, Präsidentin der im 19. Jahrhundert gegründeten Frauenuniversität in Seoul. Auch Jadwiga Sebrechts, Präsidentin des Dachverbands der 75 amerikanischen Frauencolleges macht mit. Ihre Begeisterung für das innovative Uni-Modell überzeugte bereits einige amerikanische College-Präsidentinnen, die sich für die Zukunft der ifu einsetzen. Denn Sebrechts Urteil lässt keine Zweifel: „Die ifu markiert den nächsten Schritt in der Evolution der Frauenuniversitäten.“ Vor allem das Ende der Bescheidenheit. Bundeswissenschaftsministerin Edelgard Bulmahn signalisierte, dass sie sich an der Internet-Uni beteiligen will. „In Deutschland ist allerdings die Sponsorensuche sehr mühsam“, gesteht Neusel. „Doch der kollektive Wille der ifu-Frauen zum Weitermachen macht Mut.“ R. KUNTZ-BRUNNER

Von R. Kuntz-Brunner

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