Nachwuchsförderung

Das Bafög reicht schon lange nicht mehr.

Der Anteil des Bafög am Budget deutscher Studenten ist im Schnitt auf 10 % gesunken. Die Bundesregierung hat deshalb in der vergangenen Woche angekündigt, das Bafög zu reformieren, um von den angehenden Akademikern den Druck zur Erwerbstätigkeit zu nehmen.

So richtig zufrieden wollte man sich beim Deutschen Studentenwerk (DSW) nicht zeigen, als das Bundeskabinett jetzt der 20. Novelle zum Ausbildungsförderungs-Gesetz zustimmte. Man habe eigentlich schon „einen größeren Entwurf“ erwartet, so der Generalsekretär des DSW, Dieter Schäferbarthold. Zwar werde mit der Initiative die Ausbildungsförderung stabilisiert, sie führe aber nicht zu der gewünschten Mehrzahl an Geförderten.
Immerhin, so Schäferbarthold, würden mit der Novelle „schmerzhafte Einschränkungen“ der vergangenen Jahre zurückgenommen. Das gelte insbesondere für Auslandssemester und die Gremientätigkeit der Studierenden, die künftig nicht auf die Förderungshöchstdauer angerechnet werden.
Damit wieder bedeutend mehr junge Leute in den Genuß der Ausbildungsförderung kommen, soll jetzt nach dem Willen des Studentenwerks möglichst schnell die von Bildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) und Bundeskanzler Gerhard Schröder versprochene grundlegende Strukturreform des Bafög in die Tat umgesetzt werden. „Die Abwärtsspirale der vergangenen Jahre, in der die Ausbildungsförderung irgendwann zu einem kümmerlichen Restbestand degenerieren wird, muß endlich gestoppt werden“, mahnt DSW-Präsident Professor Hans-Dieter Rinkens.
Bei Bund und Ländern fielen für das Bafög die gleichen Ausgaben wie vor 20 Jahren an, die Studentenzahlen seien allerdings im gleichen Zeitraum von 900 000 auf 1,8 Mio. gestiegen. „Hier ist die finanzielle Ausstattung des Bafög der Entwicklung der Studierendenzahlen in keiner Weise angepaßt worden“, so Rinkens. Die Folge – so die 15. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks, in der die wirtschaftliche Lage der Studierenden untersucht wird: Nur noch 10 % der studentischen Einnahmen kommt aus dem Bafög, in den 80er Jahren waren es noch 25 %.
Der Elternanteil ist im gleichen Zeitraum kaum gestiegen, er liegt heute bei 49 %. Die dadurch entstandene Lücke wird vor allem durch Erwerbstätigkeit ausgefüllt. „Hier liegt das Dilemma, das noch viel zu oft verdrängt wird“, so DSW-Generalsekretär Dieter Schäferbarthold. „Ein Dilemma zwischen dem politischen Willen, die Studienzeiten zu verkürzen und der Realität der Studienfinanzierung.“
Auch in den Reihen der Regierung wird dieses Dilemma offenbar gesehen. Der in der Sozialerhebung des DSW ausgewiesene hohe Anteil der arbeitenden Studieren den findet man im zuständigen Bildungsministerium bedenklich. Rund 65 % der Studenten arbeiten während der Vorlesungszeit, vor drei Jahren waren es 59 %. „Diese Erkenntnisse bestärken uns, die Reform der Ausbildungsförderung rasch anzugehen,“ sagt der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Wolf-Michael Catenhusen. „Es müssen wieder mehr Studierende gefördert werden, um den reibungslosen Ablauf des Studiums in einer angemessenen Zeit zu ermöglichen.“
Bleibt die Frage, ob nicht viele Studierende arbeiten, weil sie sich mittlerweile nicht mehr am „Studenten-Lebensstandard“ orientieren, also einer möglichst kurzen Ausbildungs-Periode, in der man bewußt mit einem knappen Einkommen zurechtzukommen versucht. Die 2-Zimmer-Wohnung statt des Studentenheims, das eigene Auto statt öffentlicher Verkehrsmittel – arbeiten sich immer mehr Studierende an die Einkommensverhältnisse der Arbeitnehmerhaushalte heran?
Eine These, die von Vertretern des Studentenwerks zurückgewiesen wird. „Wir können das nach unseren Erfahrungen überhaupt nicht bestätigen, daß in erster Linie gejobbt wird, um sich einen besonders hohen Lebensstandard zu sichern,“ so Dieter Schäferbarthold. Die Ergebnisse der Sozialerhebung zeigten: „Es gibt eine ganz klare Tendenz dazu, daß die Erwerbstätigkeit als notwendig zum Lebensunterhalt angegeben wird.“ Knapp 50 % der Befragten gaben dieses Motiv als Grund ihrer Erwerbstätigkeit an, 1991 waren es erst 38 %. Nur 35 % arbeiten „für höhere Ansprüche“, hier waren es im Vergleichsjahr noch rund 40 %.
Betrachtet man die tatsächliche Einkommenssituation, dann scheint die These vom „reichen Studenten“ nur für einen kleineren Teil der Studentenschaft zu gelten: Ein Viertel aller für die Sozialerhebung Befragten hat über 1800 DM im Monat zur Verfügung. Doch mehr als die Hälfte muß mit weniger als 1150 DM zurechtkommen, ein Viertel sogar mit weniger als 900 DM – das ist deutlich weniger als der Bruttobedarf der Sozialhilfeempfänger. Rechne man den Verdienst dieser untersten Gruppe einmal auf den Tag um, so Schäferbarthold, dann könne man sicherlich nicht sagen, daß diese Leute arbeiten, um sich etwas Besonderes leisten zu können: „Wenn man weniger als 30 DM pro Tag fürs Wohnen, Leben und Lernen hat, kann man bestimmt keine großen Sprünge machen“.
Die durchschnittlichen monatlichen Ausgaben der Studierenden sind mittlerweile auf 1283 DM in den alten Ländern und 1009 DM in den neuen Ländern gestiegen. Vergleicht man das mit den entsprechenden Werten von 1994, dann haben sich die Ausgaben in den alten Ländern um etwa 4 % – ein Wert leicht unter der allgemeinen Teuerungsrate – und in den neuen Ländern um fast 20 % erhöht. Diese deutliche Annäherung zwischen Ost und West liegt vor allem an stark gestiegenen Ausgaben für Miete und Lernmittel in den neuen Ländern.
Dennoch ist das Studentenleben im Osten noch deutlich billiger. Ansonsten gilt: Je größer der Hochschulort, desto teurer das Leben. Die Kosten in Städten mit mehr als 700 000 Einwohnern liegen im Schnitt bei 1425 DM, in Städten bis 100 000 Einwohnern sind es nur 1180 DM. Am meisten geben die Studierenden in Frankfurt am Main aus, am billigsten kommt man in Jena und Dresden weg.
ALEXANDER FREISBERG

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