Hochschule

Das alte Rom inspiriert junge Ingenieure

VDI nachrichten, Düsseldorf, 7. 5. 04 -Noch sind Hochschul-Seminare zur Persönlichkeitsbildung die Ausnahme. Kunst und Kultur aber werden von Ingenieuren zunehmend nicht mehr als lästige Pillen, sondern als Kreativ-Bonbons geschluckt. Das Studium generale erlebt seine Renaissance, wie Beispiele aus Hamburg, Mannheim und Gießen-Friedberg zeigen.

Die Wissenschaftswelt lässt sich bekanntlich grob in zwei Lager teilen: die Geisteswissenschaften auf der einen, die Natur- und Ingenieurwissenschaften auf der anderen Seite. Zwei Welten, die sich argwöhnig beäugen. Die haben doch nur Formeln im Kopf und sind zu weiteren Transferleistungen nicht in der Lage, sagen die einen über die anderen, während die so Gescholtenen kontern: Die da drüben sehen doch vor lauter geistiger Vernebelung die Realität nicht mehr.
Margarete Jarchow kennt beide Welten bestens. Von unüberbrückbaren Differenzen will die Kunsthistorikerin allerdings nichts wissen, im Gegenteil: Beide Seiten können und sollten sich wissenschaftlich befruchten, meint sie – und steht mit diesem Gedanken beileibe nicht allein da. Als Margarete Jarchow vor rund sechs Jahren die führenden Köpfe der Technischen Universität Hamburg-Harburg, unter ihnen den heutigen Wissenschaftssenator Jörg Dräger sowie den heute amtierenden TU-Präsidenten Christian Nedeß, nach Hause einlud, um sie von der Bedeutung des Faches „Humanities“ für eine zeitgemäße Ingenieurausbildung zu überzeugen, herrschte bei den Gästen der Jarchows zunächst mehr Skepsis denn Begeisterung. Nach gut zwei Stunden hatte sich das Blatt gewendet. Jarchow: „Ich musste sehr viel Überzeugungsarbeit leisten – mit durchschlagendem Erfolg.“ Der illustre Besuch war nicht nur von den kulturwissenschaftlichen Inhalten überzeugt, sondern auch von deren Protagonistin. „Das ist genau die Richtige, die kann begeistern“, erinnert sich Christian Nedeß an das Ende der geisteswissenschaftlichen Lehrstunde.
Was an ausländischen Hochschulen schon lange weit verbreitet ist, ist für deutsche Unis noch stark gewöhnungsbedürftig: Kunst und Kultur als kreatives Element ingenieurwissenschaftlicher Ausbildung. An der TU Hamburg-Harburg sowie an deren Eliteschmiede, dem Northern Institute of Technology (NIT), gehören Ethik, Philosophie, Architektur und Industriegeschichte inzwischen zum selbstverständlichen Bestandteil des Studiums. Überdies hoffen die Hamburger, über die Kulturschiene mehr Frauen für Ingenieurstudiengänge zu begeistern.
Startschwierigkeiten bei der Reise in humanistische Welten haben einige Teilnehmer immer noch. „Ingenieure – und seien es angehende – neigen nun einmal dazu, sehr zielorientiert zu denken“, weiß Nedeß. „Sie gehen das primär Wichtigste, die Technik, offensiv an und lassen das scheinbar Unwichtige links liegen.“ Die Globalisierung und die in diesen Prozess eingebetteten Firmen aber verlangten nach Ingenieuren, die sich auf dem weltweiten Parkett mühelos bewegen. Das Wissen über kulturelle Eigenheiten gehört ebenso zu diesen eingeforderten Softskills wie soziale und ethische Kompetenzen.
Margarete Jarchow setzt genau bei dieser Internationalisierung der Wirtschafts- und Wissensmärkte den Motivationshebel an. „Rund 25 % unserer Studenten kommen aus dem Ausland. Sie sind neugierig und offen für alle neuen Eindrücke. Dieser Wissensdurst überträgt sich auch auf unsere deutschen Studenten.“ Der Wunsch, sich in fremde oder zeitferne Kulturen hineinzudenken, muss stark ausgeprägt sein, schließlich sind die Curricula in der Regel randvoll. Für die Vorlesungen, Seminare, Workshops und Exkursionen im Fach Kulturwissenschaft müssen die Studenten einen Teil ihres Wochenendes opfern. Jarchow: „Ingenieure bringen die dazu nötige Motivation mit. Sie verfügen über ein besonders ausgeprägtes gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein. Zwangsläufig orientieren sie sich stark an der Materie und weniger an Daten, wann denn welches historische Ereignis stattgefunden hat.“ Daher holt Jarchow ihre Studenten bei den, im wahrsten Sinne des Wortes, „fassbaren“ Themen ab. Beispiel eins: Die Römer hatten einen Zement entwickelt, der völlig neue Konstruktionen wie etwa den Kuppelbau des Pantheons zuließ. Das fesselt Ingenieure und erleichtert den Transfer von der Technik zur Kultur. Beispiel zwei aus der Gegenwart: Ohne die Geistesblitze von Ingenieuren wären die reißresistenten Planen des Verhüllungskünstlers Christo undenkbar. Jarchows Urteil: „Künstler brauchen Ingenieure.“
Die Kunsthistorikerin schätzt die Zuverlässigkeit der jungen Ingenieurwissenschaftler sowie Aufgeschlossenheit, Disziplin, Praxisnähe und Ernsthaftigkeit, mit der sie an Themen herangehen, während sich ihre Bescheidenheit bisweilen an der Grenze zur Selbstunterschätzung bewege. „Ingenieure stehen oft unter dem Eindruck, sie seien weniger eloquent als Geisteswissenschaftler. Dieses Vorurteil kann ich aber keineswegs bestätigen. In unserem Humanities-Programm trainieren die Ingenieure ihr Softskill-Potenzial.“
Jarchows Traum ist es, mit ihren Studenten eine kulturhistorische Fahrt durch Rom zu unternehmen. Trotz erfolgreicher Drittmitteleinwerbung fehlt dafür das Geld. Auch TU-Präsident Nedeß hofft auf mehr finanzielle Spielräume: „Sollte es uns mit privaten Geldern gelingen, erweitern wir unser geisteswissenschaftliches Angebot.“
Mittlerweile sind auch die Wirtschaftswissenschaftler der Universität Mannheim vom Kulturvirus angesteckt. „Wir brauchen Leute, die nicht in eingefahrenen Bahnen denken. Hierbei kann die Kunst mehr helfen als alles andere“, meint Sir Simon Rattle. Der künstlerische Leiter der Berliner Philharmoniker hat die Patenschaft für das Stipendium übernommen, um die „Innovationsbereitschaft künftiger Unternehmer zu fördern“. Rattle will den Nachwuchsunternehmern während der Orchesterproben beibringen, wie hoch qualifizierte Mitarbeiter zu motivieren sind und an ihre Leistungsgrenzen geführt werden. Weitere Schwerpunkte des Mannheimer Projektes liegen auf bildender und darstellender Kunst, Literatur und Architektur.
Dem Rektor der Mannheimer Uni, Hans-Wolfgang Arndt, war die mangelnde Kreativität seiner Studenten, die neben dem Wirtschaftsteil einer Zeitung bestenfalls noch die Sportseiten aufschlagen, schon lange ein Dorn im Auge. Was Arndt bei seinen Anbefohlenen fehle, sei der „Bereich der schöpferischen Unruhe“. Mit dem Stipendien-Programm, das im Wintersemester anläuft, will er diese Lücke schließen.
WOLFGANG SCHMITZ

Von Wolfgang Schmitz

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