Hochschule

Darmstadts Aufstieg in die Weltliga

Durch die Aufnahme in das weltweit tätige PACE-Netzwerk bessert die TU Darmstadt ihren Ruf als exzellente technische Hochschule auf und bringt ihre virtuelle Forschung und Lehre auf den höchstmöglichen Stand.

Simulationen und Modellentwürfe am Computer, E-Learning und „Computational Engineering“ (Maschinenbau am Computer) sind längst keine böhmischen Dörfer mehr für die Studenten an der Technischen Universität Darmstadt (TUD). Mit ihrer Aufnahme ins internationale PACE-Netzwerk – als erste Hochschule Europas – macht die TUD jedoch einen weiteren wichtigen Schritt auf dem Weg zu einer Universität, an der virtuelles Lernen und Forschen künftig einen gleichberechtigten Platz bekommen soll.
„Die Aufnahme in das PACE-Netzwerk ist ein Zeichen für Exzellenz dieser Universität und zugleich eine große Chance“, lobt Hessens Ministerpräsident Roland Koch die Vorzeige-Universität des Landes, die 2001 als „best practice Hochschule“ ausgezeichnet wurde. Das Kürzel PACE steht für „Partners for the Advancement of CAD/CAM/CAE Education“, einer Initiative hochkarätiger Unternehmen, die sich zum Ziel gesetzt hat, ausgewählte Universitäten der „ersten Liga“, derzeit 21 weltweit, durch die Softwarepakete CAD, CAM, CAE und PLM bei ihrer computersimulierten Forschung und Lehre zu unterstützen. Die Programme, die im Maschinenbau, vor allem in der Automobilindustrie, angewandt werden, ermöglichen Design und Modellierung sowie die Verwaltung von Produktdaten am Bildschirm.
„Die Entwicklung und Produktion eines Autos“, betont der Vorstandsvorsitzende der Adam Opel AG, Carl-Peter Forster, „ist heute ohne modernste Computertechnik längst nicht mehr denkbar.“ General Motors und seine Tochter Opel gehören neben dem weltweit führenden IT-Dienstleister EDS, der Softwarefirma EDS PLM Solutions und dem Netzwerkspezialisten Sun Microsystems zu den PACE-Partnern aus der Wirtschaft. „Wir leben in einer Symbiose“, sagt Forster über die Kooperation zwischen Universitäten und Unternehmen. Nach dem Motto „Frisches Denken für neue Autos“ setze Opel gezielt auf die Förderung des Ingenieurnachwuchses.
„Wir glauben, dass die Computerprobleme der Zukunft nur durch vermehrte Forschung zu kompensieren sind“, sieht auch Helmut Wilke, Geschäftsführer von Sun Microsystems in Deutschland, die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Wirtschaft. PACE ist ein Programm, von dem beide Seiten profitieren. Auf der einen Seite die Industrie, die angewiesen ist auf junge Ingenieure, die nicht nur mit dem rasanten technischen Fortschritt im Maschinenbau mithalten können, sondern schon im Studium an den Programmen ausgebildet werden, mit denen sie später arbeiten müssen. Auf der anderen Seite die Universitäten, weil sie von den beteiligten Unternehmen eine Software- und Hardwareausstattung zur Verfügung gestellt bekommen, die sie sich sonst kaum leisten könnten. „Mit PACE kann der Spagat zwischen industrienaher Entwicklung und zukunftsorientierter Lehre und Forschung in besonderer Weise Unterstützung finden“, sagt TUD-Präsident Johann-Dietrich Wörner.
CAD/CAM und CAE-Technologie gehört in Darmstadt zwar bereits zu den Curricula in den Ingenieurfächern und Berechnungsverfahren. Die materielle Unterstützung durch die PACE-Initiative jedoch ist auch für die TUD, die sich gerne als so genannte „Dual-Mode“-Universität profilieren möchte, nicht zu unterschätzen. So erhält die Hochschule von EDS eine Campus-Lizenz für die Programme CAD/CAM/CAE und PLM nebst den dazugehörigen Dienstleistungen und damit ein Softwarepaket, das General Motors und Opel für die Automobilentwicklung und -fertigung benutzen.
Opel selbst stellt der TUD nicht nur 202 Computerarbeitsplätze zur Verfügung, sondern auch einen Großrechner aus dem Design-Center in Rüsselsheim, an denen Opel-Ingenieure bereits die Modelle Zafira, Meriva und Signum entwickelt haben. Mit Hilfe dieser Anlage können Darmstädter Studenten demnächst Automodelle kreieren. Denn die eigentliche Zielgruppe von PACE, betont Maschinenbau-Professor Reiner Anderl, seien schließlich die Studenten.
Erste Erfahrungen haben die angehenden Ingenieure seines Lehrstuhls mit dem virtuellen Design von Autos im übrigen bereits gemacht und mit dem Raketenfahrzeug RAK2 ein legendäres Opelmodell rekonstruiert, das in den 20er Jahren für Schlagzeilen sorgte. Weil die Konstruktionsunterlagen verloren gegangen sind, standen den fünf Studenten nur Fotos, Zeitzeugenaussagen und ein Nachbau zur Verfügung. CAD machte es möglich: Nach nur vier Monaten war die virtuelle Rekonstruktion fertig. JUTTA WITTE

Von Jutta Witte

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