Hochschule

Dank Teamgeist lernte Dartscheibe sehen  

VDI nachrichten, München, 7. 10. 05 – Wenig Aussicht auf Erfolg prophezeiten Experten einem Projekt an der TU München, bei dem ein mechatronisches System eine Dartscheibe so lenkt, dass der Pfeil immer ins Ziel trifft. Die Studenten belehrten die Kritiker eines Besseren, mussten jedoch einsehen, wie mühsam Teamarbeit ist und welch große Kompromissbereitschaft sie ihnen abverlangt.

Lässig visiert Andreas Schmidt mit der Pfeilspitze die Dartscheibe an, der Student wirft, die grüne Lampe leuchtet auf. Fehlanzeige. Mit mattem Plopp landet der Pfeil irgendwo zwischen Wand und Scheibe.

Zaubern kann auch die „treffsichere Dartscheibe“ nicht, die er und sieben weitere Maschinenbau- und Informatikstudenten der TU München im Rahmen einer Teamsemesterarbeit während des letzten Sommersemesters entwickelt und gebaut haben. Die Minimalvoraussetzung, die Scheibe an irgendeinem Punkt zu treffen, muss erfüllt sein. Nur dann reagiert die in horizontaler wie vertikaler Richtung bewegliche Scheibe, da zu Beginn des Projekts der maximale Verfahrweg der Scheibe auf jeweils einen halben Scheibendurchmesser festgelegt wurde.

Der zweite Wurf klappt besser. Kaum ist der Pfeil abgeworfen, erfassen zwei an der Metallkonstruktion angebrachte Kameras seine Position in der Luft, der angeschlossene Computer errechnet blitzschnell die Koordinaten des Auftreffpunktes. Surrend bewegt sich die Scheibe ein paar Zentimeter nach oben, ruckt ein bisschen nach links und der Pfeil landet im Mittelpunkt des Boards, dem Bulls Eye.

Dabei waren die Urteile der Experten im Vorfeld wenig motivierend. Nicht realisierbar sei das vom Initiator des Projekts, der Münchner Unternehmensberatung ITQ, gesteckte Ziel, angesichts der durchschnittlichen Flugzeit eines Dartpfeils von 250 ms ein mechatronisches System so zu gestalten, dass der Pfeil im Bulls Eye landet. Rund vier Monate hatte das Team zur Verfügung, um das Gegenteil zu beweisen. Geld war so gut wie nicht vorhanden. Dafür gab es Unterstützung anderer Art: Die auf die Betreuung interdisziplinärer Entwicklungsprojekte im Bereich Steuerungs- und Automatisierungstechnik spezialisierte Unternehmensberatung ITQ coachte und beriet die angehenden Ingenieure während der gesamten Projektlaufzeit.

Das Beratungsunternehmen war dabei nicht zum ersten Mal auf dem Garchinger Campus aktiv. Bereits drei Vorläufer-Projekte wurden zusammen mit dem Institut für Informationstechnik im Maschinenbau itm durchgeführt. Der Grund für das Engagement: Eine Ausbildungslücke zu füllen, die theoretisch längst erkannt und benannt ist, in der Praxis aber noch immer brachliegt. Denn die Forderung nach Teamarbeit und der Vermittlung von Softskills während des Studiums kommt zwar Bildungspolitkern und -experten leicht von den Lippen, in den Curriculae der Hochschulen sucht man sie indes meist vergebens. „Die Industrie braucht teamfähige Mitarbeiter mit Projekterfahrung, die Universitäten aber bilden Einzelkämpfer aus“, konstatiert ITQ-Gründer Rainer Stetter.

Der Weg vom Einzelkämpfer zum Teamarbeiter fiel nicht leicht. Theoretisch wusste jeder Student, was Team- und Projektarbeit bedeutet, „aber in der Praxis geht das weit auseinander“, so Sabine Öllerer, die als „Qualitätsmanagerin“ den technischen Überblick behalten musste. „Man macht sich keine Vorstellung, wie mühsam es ist, wenn acht Menschen sich inhaltlich und organisatorisch untereinander abstimmen müssen.“

Emotionale „Reibereien“ blieben daher ebenso wenig aus wie Verständigungs- und Koordinationsprobleme innerhalb und zwischen den vier einzelnen Arbeitsgruppen, in die das Team zu Projektbeginn aufgeteilt wurde. Zweimal wöchentlich seien die „kleinen“ Runden zusammengekommen, alle zwei Wochen das gesamte Team einschließlich aller Betreuer aus den involvierten Fachbereichen.

Einen festen Zeitplan erstellen und einhalten, Zuständigkeiten klären, Vorgehensweisen definieren, sich verbindlich absprechen, Entscheidungen treffen und dabei auch emotional akzeptieren, wenn das eigene Konzept nicht angenommen wird – ohne „vorgegebene Struktur“ und „Druck von oben“ wäre der Erfolg des Projekts aller Voraussicht nicht möglich gewesen, bestätigt Andreas Schmidt, der für das Team das Wort ergreift.

Vor allem die in der ersten Projektphase von ITQ-Projektbetreuer Felix Rhöse eingeforderte schriftliche Spezifikation, wie die Ergebnisse der einzelnen Arbeitsgruppen ineinander greifen sollen, stieß auf wenig Gegenliebe. Wozu ein 30-seitiger Text, wenn doch weithin klar ist, wie das System aussehen soll, so der Einwand der Studenten. Inzwischen wissen sie es besser. „Beim Schreiben hat man dann doch gemerkt, dass so manches nicht zu Ende gedacht war“, erzählt Öllerer.

Auch beim Öffnen der Pakete mit den selbstständig ausgewählten und bestellten Komponenten sei durch ungenügende Informationsbeschaffung manch böse Überraschung aufgetreten. „Wir mussten einiges nachbestellen, weil wir dachten, das sei sowieso dabei“, berichtet die angehende Maschinenbauerin.

Abgesehen von ein paar hundert Euro aus den Lehrstuhletats konnten die Teilnehmer das rund 30 000 € teure System ausschließlich durch teils selbst akquirierte, teils von itq angeworbene Sponsoren aus der Industrie finanzieren. „Die Firmen waren spendabel und haben schnell geliefert“, lobt Schmidt, für den die Kontakte in die Industrie ein wesentlicher Pluspunkt des Projekts sind. Auch die Tatsache, dass das Ergebnis „handfest“ ist und keinesfalls in der Schublade verschwindet, erfreut den Studenten. Die Dartscheibe wird sowohl auf dem Campus wie in der Öffentlichkeit präsentiert. Von den Studenten natürlich. Denn das haben sie in den letzten Monaten hinreichend gelernt und geübt. „Jeder von uns hat soviel präsentiert, wie in seinem ganzen Leben vorher nicht“, resümiert Schmidt.

Auch die Sponsoren zeigen sich zufrieden: „Es ging uns darum zu zeigen, dass unsere Produkte und unser Know-how am vorderen Ende der Technologie dabei sind“, erläutert Peter Stiefenhöfer, Leiter Marketing und Öffentlichkeitsarbeit der Stemmer Imaging GmbH in Puchheim.

Wer selbst einmal ins Schwarze treffen möchte, hat etwa auf der internationalen Fachmesse Vision in Stuttgart (8. bis 10. November) und auf der SPS /IPC/Drives in Nürnberg (22. bis 24. November) die Gelegenheit dazu. HERTA PAULUS

Von Herta Paulus

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