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ClimaDesign – eine Investition in die Zukunft  

In Zeiten verschärfter Klimaschutz- und Energiesparverordnungen lohnt sich für Architekten und Bauingenieure eine Neubesinnung. Das Masterstudium „Clima Design“ ist ein Angebot, das dem Trend zu energiesparendem Bauen Rechnung trägt. VDI nachrichten, Düsseldorf, 17. 7. 09, ws

Die nächsten Monate werden hart für Michael Kurzlechner. Der 31-jährige Münchner Architekt arbeitet derzeit noch in Teilzeit als Assistent der Geschäftsführung in einem Investmentunternehmen der Immobilienbranche.

Doch nebenbei baut er mit einem Studienfreund ein eigenes Architekturbüro auf und schreibt an seiner Master-Thesis im berufsbegleitenden Studiengang „ClimaDesign“ an der Technischen Universität München. 5000 € pro Semester kostet das Studium. Stress und Kosten lohnen sich jedoch, findet Kurzlechner: „Der Master-Studiengang ist eine Investition in die Zukunft. Schließlich wollen mein Partner und ich uns aus der Masse der anderen Architekten herausheben.“

Der viersemestrige Studiengang soll Architekten, Innenarchitekten und Bauingenieure für energiesparendes und nachhaltiges Bauen spezialisieren. Die angehenden „Clima Designer“ lernen in Simulationen und Projektarbeiten nicht nur fast alles über Niedrigenergie-, Nullenergie- und Passivhäuser, sondern auch über alle in Gebäuden relevanten Energie- und Stoffströme.

Sie lernen ebenfalls, wie der gesamte Bauvorgang nachhaltig umgesetzt werden kann. „Bei ganzheitlich geplanten Gebäuden fließen neben der Geometrie des Baukörpers auch weitere Dimensionen wie Temperatur, Energie, Beleuchtung, solare Strahlung oder Zeit mit ein“, erläutert Friedemann Jung, Koordinator des Masterstudiengangs.

Deutschland gehört in Europa zu den Ländern mit der höchsten Architektendichte. Und obwohl das Konjunkturpaket der Baubranche derzeit wieder mehr Aufträge beschert, ist es eng auf dem Arbeitsmarkt.

Da lohnt es sich, in Zeiten verschärfter Klimaschutz- und Energiesparverordnungen über eine Profilschärfung nachzudenken. Zudem gilt Deutschland als Vorbild in Sachen energiesparendes Bauen, sodass sich durchaus Jobchancen im Ausland ergeben können.

„Wer sich im energiesparenden Bauen weiterbildet und auf diesem Gebiet die neuesten Techniken beherrscht, hat auf jeden Fall einen Marktvorteil“, erklärt Barbara Schlesinger von der Bundesarchitektenkammer in Berlin.

Neben den Fortbildungskursen, die die Architektenkammern anbieten, konzipieren auch immer mehr Hochschulen spezialisierende Masterstudiengänge.

Die Fachhochschule Erfurt etwa bietet ihren im vergangenen Herbst gestarteten zweijährigen Studiengang als praxisbezogene „Architekturwerkstatt Masterhaus“ mit der Planung von extrem energiesparenden Passivhäusern als Schwerpunkt an.

Die Architektin Eva Fladerer aus Regensburg, ebenfalls kurz vor dem Abschluss ihrer Masterarbeit in „ClimaDesign“, sagt: „Ich arbeite in einem traditionellen, mittelgroßen Architekturbüro. Doch keiner von uns Kollegen ist auf energiesparendes Bauen spezialisiert.“

Es gebe „viel Halbwissen“ über das Thema, sagt Fladerer. „Aber es ist ja nicht damit getan, dem Gebäude einfach eine vier Zentimeter dickere Dämmschicht zu verpassen.“

Die gezielte Beratung der Bauherren zu verschiedenen Energiesparmodellen gehöre ebenfalls zum Berufsbild. Denn „nicht alle Gebäude eignen sich etwa für eine Umrüstung zum Passivhaus. Energie würde man dabei nur dann sparen, wenn das Gebäude kontinuierlich von Menschen bewohnt oder genutzt wird.“ Als Masterarbeit verfasst Fladerer passenderweise derzeit einen „Leitfaden zur energetischen Sanierung von kommunalen Liegenschaften“.

Auf „sehr gute Jobaussichten“ hofft auch Architekturstudent Ronny Achtermann. Der 26-Jährige absolvierte seinen Bachelor in Hildesheim und studiert nun an der FH Erfurt, um am Ende nicht nur einen Masterabschluss, sondern auch ein Zertifikat als Passivhausbauer in der Tasche zu haben.

Die „sehr praxisbezogene Ausbildung“ mit derzeit nur zwölf Studierenden, vier davon aus dem Ausland, gefällt ihm ebenso wie die Möglichkeit, Exkursionen in China oder Indonesien zu absolvieren. Die internationale Vernetzung der Professoren macht es möglich. Ziel des Studiums: Energiesparende Häuser zu bauen, die gleichzeitig schön sind.

Ein wichtiges Signal ist für Ronny Achtermann, dass die Europäische Union plant, das Passivhaus, das nur noch 1,5 l Heizöl pro Quadratmeter im Jahr verbraucht (zum Vergleich: Beim Niedrigenergiehaus sind es immerhin noch 7,5 l), ab 2015 als verbindlichen Standard für öffentliche Neubauten einzuführen.

Ihm ist zwar bewusst, „dass nur ein ganz geringer Prozentsatz der Aufträge Neubauten sind“. Doch das Beispiel seines Professors Ludwig Rongen motiviert ihn enorm.

Rongen plant in seinem eigenen Büro mit derzeit zehn Architekten Passivhäuser für öffentliche Auftraggeber. Er ist nach eigenem Bekunden ausgebucht bis 2011. Im August stellt er zwei weitere Architekten ein. Wenn die Auftragslage hält, muss er sich bald nach größeren Büroräumen umsehen. Rongen: „Ich habe großen Bedarf an jungen Nachwuchskräften. Die kann ich im Augenblick gar nicht alle bei mir unterbringen.“

MAREIKE KNOKE

Von Mareike Knoke

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