Hochschule

Boykott im Lesesaal

Wegen drastisch steigender Preise für Fachzeitschriften nehmen Forscher nun die Publikation ihrer Erkenntnisse selbst in die Hand. Das Internet könnte künftig die Fachzeitschriften verdrängen.

Gedruckte wissenschaftliche Zeitschriften sind überflüssig. Das meint jedenfalls Stevan Harnard, Direktor der Cognitive Science Centre der Universität Southampton – nachzulesen in der (gedruckten) Fachzeitschrift Nature (Bd. 410, S. 1024). Harnard schätzt, dass es weltweit mindestens 20 000 Fachjournale gibt, die jährlich rund 2 Mio. Artikel drucken. Die meisten bleiben ungelesen – sie sind zu teuer.
Zu teuer für Bibliotheken, die mit immer knapper werdenden Budgets kämpfen, während die Preise für die Zeitschriften in den letzten 10 Jahren stetig kletterten. Für manches Abonnement sind die Kosten jährlich um 20 % in die Höhe geschnellt. „Seit zehn Jahren schrumpfen die Bestellungen der Bibliotheken pro Jahr um 10 %“, beobachtet der Göttinger Professor Elmar Mittler, Vorstandssprecher der „Deutschen Initiative für Netzwerkinformation“ (DINI).
DINI will nun das Monopol der Fachverlage aufbrechen – und erarbeitet ein System, mit dem Forscher die Publikation ihrer Ergebnisse selbst in die Hand nehmen können. Auf die veröffentlichten Daten wird dann über ein virtuelles Archiv mit entsprechenden Links zu den Originalarbeiten zugegriffen werden können. An der Berliner Humboldt-Universität entstand bereits ein erster Publikationsserver.
Jeder Dritte von 10 000 befragten Forschern klagt inzwischen über Probleme, sich auf dem neuesten Wissensstand zu halten – das ermittelte die Unternehmensberatung Arthur D. Little (ADL) in ihrer Studie „Zukunft der wissenschaftlichen und technischen Information“. Das Problem sind nicht nur die Kosten. Die teuren Informationen müssen sich die Forscher auch noch mühsam zusammenklauben. Zeit raubende 26 Stunden monatlich verbringt ein Forscher im Schnitt damit, sich durch die Artikelflut zu kämpfen, fanden die ADL-Forscher heraus. Mit kläglichem Ergebnis: Ahnungslos forscht fast jeder Fünfte an der selben Sache wie Kollegen.
In Deutschland sind etwa 175 000 Wissenschaftler, fast 2 Mio. Studenten und 286 000 Nutzer in der privaten Wirtschaft auf den Zugang zu wissenschaftlichen und technischen Informationen angewiesen. Weltweit haben inzwischen 27 000 Forscher aus 170 Ländern einen Boykott von Fachzeitschriften beschlossen. Sie wollen nicht mehr als Autoren oder Gutachter für Blätter arbeiten, die sich weigern, ihre Aufsätze ein halbes Jahr nach Erscheinen kostenlos der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Auch in den USA gehen immer mehr Forscher dazu über, Veröffentlichungen selbst in die Hand zu nehmen. Zahlreiche Bibliotheken und Wissenschaftler haben sich dort zur „Scholarly Publishing and Academic Resources Coalition“ (SPARC) zusammengeschlossen – eine Organisation, die mit einer „Declaration of Independence“ den Verlagen den Kampf angesagt hat. Ihr Ziel ist die Gründung unabhängiger Zeitschriften. Auch ein europäischer Ableger von SPARC hat Ende vergangenen Jahres seine Arbeit aufgenommen.
Wo aber bleibt die Qualitätskontrolle, wenn jeder Forscher auf eigene Faust Informationen in die Welt setzt? Bis jetzt reklamieren die Verlage noch die vor der Veröffentlichung übliche Qualitätskontrolle (Peer-Review) für sich – externe Experten begutachten meist unentgeltlich die eingereichten Arbeiten. Ihre Publikation verzögert sich dadurch bis zu einem halben Jahr. In Deutschland will DINI die Artikel vorerst unbegutachtet sofort ins Netz stellen, um sie erst dann von unabhängigen Professoren mehrfach prüfen zu lassen.
Damit in den wachsenden Datenbeständen aber nicht nur gesucht, sondern auch gefunden wird, empfehlen die Unternehmensberater von ADL, die Wissensflut viel stärker zu bündeln. Bessere Portale etwa könnten mit ihren Suchmaschinen über Fachgrenzen hinweg zu den gewünschten Informationen führen – statt zu langen Listen, die aufzählen, in wie vielen unvermuteten und unwichtigen Zusammenhängen ein Begriff auftaucht.
Einen ersten Schritt in diese Richtung ging das Forschungsministerium mit „GetInfo“, einem naturwissenschaftlichen Informationsportal. Mit Mindestpreisen von 13,50 # pro Dokument gerät eine Recherche für Studenten aber schnell ins Unerschwingliche. Entsprechend gering ist das Interesse: Nur etwa 10 % der forschungsintensiven Unternehmen nutzen solche Dienste, auch wenn sich laut ADL fast 50 % schlecht informiert fühlen.
So bekundet auch Ministerin Bulmahn ein vorsichtiges Interesse an der Eigenpublikationsinitiative der Wissenschaft: Das künftige Informationssystem soll „dezentral“ generiert und gepflegt werden. Was jedoch „Basisinformationen und hochwertige Mehrwertdienste“ betrifft, da will sie auf „einen zentralen Zugriff“ nicht verzichten. C. SCHULZKI-HADDOUTI/eb

Von C. Schulzki-Haddouti/Eb
Von C. Schulzki-Haddouti/Eb

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