Hochschule 22.10.1999, 17:23 Uhr

Börsengang für US-Hochschulen nicht attraktiv

Private Universitäten und Colleges in den USA finanzieren sich überwiegend aus Stiftungskapital und Studiengebühren. Hochschulen in Form von Aktiengesellschaften, wie sie der SPD-Politiker Peter Glotz für Deutschland ins Spiel gebracht hat, gibt es in den USA nicht.

In den Vereinigten Staaten gibt es 3200 Hochschulen, an denen rund 12,5 Mio. Studenten eingeschrieben sind. Zu ihnen gehören an der Ostküste die Eliteschulen Harvard und Yale oder am Pazifik die Spitzeninstitute wie Stanford oder die University of California at Berkeley, aber auch Hunderte von Community Colleges, deren Bedeutung auf den lokalen Rahmen beschränkt bleibt.
Etwa ein Drittel der Institute mit 45 % der Studenten sind Fachschulen vergleichbar, an denen die Ausbildung durchweg auf zwei Jahre begrenzt ist. An den reichlich 2000 Universitäten und Colleges beträgt die Regel-Studienzeit vier Jahre sie schließt mit dem Erwerb des Bachelor-Grades ab.
Dieses Ausbildungssystem ist teuer. Die Art der Finanzierung hängt ganz wesentlich von der Trägerschaft ab. Nur ein kleiner Teil der Universitäten und Colleges ist staatlich die überwiegende Zahl ist privat organisiert. Allerdings befindet sich kein einziges Institut in der Form einer Aktiengesellschaft darunter. Dafür gibt es rechtliche, vor allem aber steuerliche Gründe.
Private Universitäten und Colleges sind „Non-Profit“-Organisationen. Dieser Status schützt ihre Einnahmen und Umsätze weitgehend vor dem Zugriff des Fiskus. Eine Aktiengesellschaft dagegen ist gewinnorientiert. Ihr stehen deswegen solche steuerlichen Privilegien nicht zu, was bedeutet, dass eine solche Struktur für den akademischen Bereich ungeeignet ist.
Die staatlichen Universitäten fallen in den finanziellen Zuständigkeitsbereich der 50 Einzelstaaten der USA sie sind mithin auch für die finanzielle Ausstattung der Schulen verantwortlich. Der Bund spielt auf diesem Gebiet nur eine untergeordnete und subsidiäre Rolle. Höhe und Art der Zuschüsse unterscheiden sich von Staat zu Staat erheblich. Sie reichen jedoch in keinem Fall aus, den akademischen Betrieb zu finanzieren.
Die staatlichen Universitäten erheben deswegen Studiengebühren, sie sind jedoch durchweg niedriger als bei privaten, aber auch gesplittet: Kinder von Einwohnern der jeweiligen Staaten zahlen eine deutlich geringere Gebühr als Studenten aus anderen Staaten. An der University of California at Berkeley zum Beispiel müssen Kalifornier nur 4200 Dollar pro Jahr aufbringen. Kommen die Studenten dagegen aus anderen Bundesstaaten oder aus dem Ausland, erhöht sich der Betrag auf 14 000 Dollar.
Die privaten Universitäten sind überwiegend mehr oder weniger großzügig mit Stiftungskapital ausgestattet, das im Fall der reichen Harvard Universität 5 Mrd. Dollar beträgt. Oft befinden sich die Institute auch in kirchlicher oder religiöser Trägerschaft. Bekannte Universitäten dieser Art sind die Georgetown Universität in Washington, die von Jesuiten geleitet wird, oder die Notre Dame Universität in Indiana, die mit der katholischen Kirche verbunden ist.
Die Einkünfte aus dem Stiftungskapital werden normalerweise für strukturelle Maßnahmen eingesetzt. Der laufende Betrieb muss durch Gebühren finanziert werden. Sie reichen, je nach Ansehen, Größe oder Lage der Universität (ohne Unterkunft und Verpflegung) von 6000 Dollar bis zu 25 000 Dollar im Jahr. Allerdings erhält ein großer Anteil der Studenten, zum Teil mehr als die Hälfte, Stipendien, die von den Universitäten und in geringerem Umfang vom Staat finanziert werden.
Daneben versuchen private wie staatliche Institutionen auch andere Geldquellen anzuzapfen. Verschiedene Staaten betreiben für die Finanzierung von Erziehung und Ausbildung sogar Lotterien. Durchweg sind es aber lokale Unternehmen, vor allem aber ehemalige Studenten, die, besonders wenn sie zu Rang und Würden gekommen sind, um Gaben gebeten werden und zumeist dazu auch bereit sind. Das gilt um so mehr, wenn die Universität als Gegenleistung ein Gebäude oder eine Sportstätte auf dem Campus mit dem Namen des Stifters versieht.
Inzwischen ist es auch üblich geworden, einzelne Lehrstühle privat zu finanzieren und nach dem Namen des Gebers zu benennen. Dass aus solchen Quellen oft ansehnliche Summen fließen, zeigt ein Beispiel, das vor einigen Wochen Aufmerksamkeit erregte: Ein Ehepaar, das sich in den 20er Jahren auf dem Campus der DePauw Universität in Indiana kennen gelernt hatte, vermachte der Institution die ansehnliche Summe von 128 Mio. Dollar.
GERD J. BRÜGGEMANN
Die Harvard-University – das Paradebeispiel für eine amerikanische private Elite-Uni.

Ein Beitrag von:

  • Gerd J. Brüggemann

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