Nachwuchsförderung

Bildungs-Offensive für eine praxisnahe Ingenieur-Ausbildung  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 23. 11. 07, ws – Größere Praxisnähe sowohl in Schule als auch Studium fordert Thomas Sattelberger, Personalvorstand der Telekom, in seinem Beitrag für die VDI nachrichten. Duale Studiengänge sind für Sattelberger eine hervorragende Möglichkeit, technische Studienangebote enger an die Wirtschaft zu koppeln. Solche Ansätze blieben aber erfolglos, wenn in der Schule nicht „eine Renaissance des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts“ eingeläutet würde.

Die niedrigen Studienanfängerzahlen haben ihre Wurzeln im Verfall der Naturwissenschaften in den Schulen. Mehr als die Hälfte der Abiturienten haben in Physik und in Chemie in den letzten beiden Schuljahren keinen Unterricht mehr. Nur etwa ein Zehntel der Abiturienten wählt Physik als Leistungskurs, in Chemie sind es noch weniger. Die geringe Frauenquote in den MINT-Studienfächern zeigt, dass dies alles noch viel stärker auf Schülerinnen zutrifft. Hier brauchen die Schulen neue Konzepte, um Mädchen Naturwissenschaften, Technik und Informatik spannend und praxisnah zu vermitteln. Ein möglicher Weg kann der für Schüler und Schülerinnen getrennte Unterricht sein.

Die dritte wesentliche Ursache für den Fachkräfte-Engpass sind die bisherigen hohen Abbrecherquoten in den naturwissenschaftlich-technischen Fachrichtungen. Verbesserte Auswahl- und Eignungsfeststellungsverfahren sowie bessere Betreuung während des Studiums sind unerlässliche Hebel, um die Zahl der Abbrecher zügig zu verringern. Ebenso müssen durch Praxisnähe und Anwendungsbezug in den Studiengängen, also durch die enge Verzahnung von Theorie und Praxis, mehr Studierende zu einem Hochschulabschluss geführt werden.

Die Tatsache, dass die Studienabbrecherquote an Fachhochschulen mit 22 % insgesamt niedriger – aber natürlich immer noch viel zu hoch – liegt als an Universitäten mit 26 % (Hochschul-Informations-System, 2002) zeigt, dass Studierende bei einem stärker durchstrukturierten, kürzeren und praxisnäheren Studium, wie es Fachhochschulen bieten, häufiger zu einem erfolgreichen Studienabschluss geführt werden. Der vierten Ursache – der teilweisen Technologieskepsis – ist nur durch unermüdliche Aufklärungsarbeit gekoppelt mit populär verwertbaren Erfolgen von Technologie und Innovation beizukommen.

Unternehmensvertreter nehmen seit Jahren in vielfältiger Weise in den unterschiedlichen Bildungsbereichen ihre Verantwortung wahr. Sie engagieren sich in Kooperationsprojekten mit Schulen, in Hochschulgremien und Akkreditierungsagenturen, als Dozenten in der Lehre und so weiter. Über 22 000 ehrenamtliche Mitglieder – Schullehrer wie Unternehmensvertreter – engagieren sich beispielsweise im Arbeitskreis Schule-Wirtschaft.

Duale Studiengänge sind eines der hervorragendsten Beispiele für die enge Kooperation von Wirtschaft und Hochschulen. Der Verfasser war übrigens 1972 bei der damaligen Daimler Benz AG im Rahmen des „Stuttgarter Modells“ Teilnehmer des ersten dualen Abiturientenausbildungsganges. Bundesweit gibt es zurzeit bereits fast 700 duale Studiengänge mit mehr als 40 000 Studierenden. Diese Studiengänge zeichnen sich durch eine enge Verzahnung von theoretischem Unterricht an der Hochschule und Praxisphasen im Ausbildungsbetrieb aus. Duale Studiengänge werden vor allem in den Bereichen Wirtschaft, Technik und Informatik angeboten.

Duale Studiengänge können einen – aber eben auch nur einen – Beitrag zur Deckung des Fachkräftebedarfs darstellen. Wird das Interesse an Technik und Naturwissenschaften nicht auf breiter Basis für Mädchen und Jungen bereits in der Schule geweckt und gezielt gefördert, wird auch das attraktivste Studienangebot an der Hochschule nicht angenommen. Und wird in den klassischen MINT-Studiengängen an den Hochschulen nicht praxisorientierter ausgebildet und betreut, werden die Abbrecherquoten nicht deutlich sinken. Vielfältigen Ursachen kann insofern nur mit unterschiedlichen Lösungsansätzen begegnet werden. Alles andere ist ein Tagtraum.

Wir benötigen eine gemeinsame Initiative von Schulen, Hochschulen, Politik und Wirtschaft, um den Fachkräftemangel an der Wurzel anzupacken. Wesentliche Eckpunkte einer solchen Initiative müssen sein:

– Wir brauchen in den Schulen eine Renaissance des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts. Zum einen sollte die Zahl der Lehrer für diese Fächer gesteigert werden, um das Schulfach Technik als angewandte Naturwissenschaft stärker als bisher für die Schüler anbieten zu können. Zum anderen müssen dringend Didaktik und Methodik in den naturwissenschaftlichen Fächern verbessert werden, um den Unterricht lebensnäher und interessanter zu gestalten. In den Schulen muss der experimentelle Unterricht gestärkt werden.

Möglichkeiten des außerschulischen Lernens dürfen nicht zurückgefahren, sondern müssen weiter ausgebaut werden. Unternehmensvertreter können hier als Vermittler zwischen Theorie und Praxis dienen und als Botschafter im Unterricht Schülern Eindrücke zur Arbeits- und Berufswelt im Bereich Mathematik, Naturwissenschaften und Technik vermitteln.

– Die Hochschulen müssen sich zügig für Berufstätige mit qualifizierter Berufsausbildung öffnen. Dies ist ein Schlüssel zur Bekämpfung des Fachkräftemangels. Die große Zahl guter Schulabgänger, die unsere hervorragende duale Berufsausbildung durchlaufen, ist ein erheblicher Wettbewerbsvorteil für Deutschland.

Diesen müssen wir auch jenseits der Facharbeiter- und Fachangestellten-Ebene nutzen. Künftig sollte sich jeder Absolvent der dualen Berufsausbildung um einen Studienplatz bewerben dürfen, das Auswahlrecht liegt bei der Hochschule. Von den jährlich 500 000 Absolventen einer Berufsausbildung könnten so 5 % bis 7 %, d. h. bis zu 35 000 junge Leute, den Sprung an die Hochschulen schaffen.

– Die Wirtschaft ist bereit, ihr ohnehin großes Engagement im Bereich der dualen Studiengänge weiter zu steigern. Insbesondere die Fachhochschulen stellen hier für die Unternehmen die idealen Kooperationspartner dar. Duale Studiengänge bieten in der engen Kombination von Theorie und Praxis eine stark zukunftsorientierte Studienoption für junge Menschen.

Die Wirtschaft ist sich durchaus der Verantwortung bewusst und bereit, in einer umfassenden Initiative – wie hier skizziert – ihren Beitrag zu leisten. Eines darf aber nicht unter den Tisch gekehrt werden. Der staatliche Invest in MINT-Ausbildung, in MINT-Beratung, in MINT-Lehrerbildung und in MINT-Infrastruktur muss endlich den Standard unserer Wettbewerber-Nationen erreichen. THOMAS SATTELBERGER

Von Thomas Sattelberger

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