Nachwuchsförderung

„Betriebe tun immer noch zu wenig für die Ausbildung“  

VDI nachrichten, Frankfurt, 23. 10. 07, has – Die Ausbildungsbilanz ist weniger rosig als Arbeitgebervertreter behaupten, meint IG-Metall-Vorstandsmitglied Regina Görner, Autorin des folgenden Artikels. Die Zahl der Lehrstellen sei nur gestiegen, weil mehr außerbetriebliche Ausbildungsplätze angeboten wurden. Insgesamt 111 000 Jugendliche suchten Ende September noch eine Lehrstelle.

Als vor wenigen Monaten hochriskante Immobilientransaktionen die globale Finanzarchitektur ins Trudeln brachten, war das Gejammer groß: Es dürfe einfach nicht sein, dass niemand die Risiken rechtzeitig habe erkennen können. Nur wenige Stimmen haben darauf verwiesen, dass man diese Risiken sehr wohl kannte. Die Profitgier hat jedoch manchen dazu veranlasst, gleich beide Augen kräftig zuzudrücken. Nichts anderes passiert derzeit in der Fachkräftequalifizierung: Augen zu und Schönreden von Risiken, wohin man blickt.

12,5 % mehr angebotene Ausbildungsplätze verzeichnet die Bundesagentur für Arbeit mit Abschluss des Ausbildungsjahres 2006/2007. Und schon jubeln sie wieder, die Verfechter des Ausbildungspaktes. Das Kleingedruckte wird einfach überlesen, aber auch das steht in der Statistik der BA: Das Ergebnis kommt nur zustande, weil die außerbetrieblichen Angebote in diesem Jahr um 48 000 Plätze in die Höhe geschnellt sind – auf gut 93 000, das sind mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr.

Außerbetriebliche Ausbildungsplätze sind Angebote bei Bildungsträgern, in der Regel weit weg von realen betrieblichen Zusammenhängen, die nicht nur wegen des damit verbundenen Schülerstatus (keine Ausbildungsvergütung, keine Mitbestimmung, keine Übernahme) bei den Ausbildungsplatzanwärtern unbeliebt sind, sondern allenfalls als Notmaßnahme dienen können. Denn üblicherweise landen hier oft Jugendliche, die mit massiven Misserfolgserfahrungen aus den Schulen kommen. Viele von ihnen würden von betrieblicher Ausbildung massiv profitieren, denn in den realen Arbeitssituationen könnten sie endlich die Lernmotivation entfalten, die ihnen die Schule oft ausgetrieben hat. Erfahrene Ausbilder berichten, dass junge Leute, die massive Schulprobleme hatten, sich in der dualen Berufsausbildung oftmals wie der Phönix aus der Asche erheben und ihren Ausbildungsabschluss schaffen.

Zwar sind außerbetriebliche Ausbildungen besser als gar nichts und auch besser als die unsäglichen schulischen Warteschleifen, mit denen sich viele abfinden müssen, die beim Wettbewerb um die begehrten betrieblichen Ausbildungsverhältnisse den Kürzeren gezogen haben. Mit Sicherheit aber sind diese von den Beitrags- oder Steuerzahlern finanzierten Ausbildungen keine Lösung der Fachkräftekrise. Sie verstellen den Blick auf die wirkliche Krise: Betriebe tun eindeutig zu wenig für die Ausbildung. Da ist auch die Metall- und Elektroindustrie keine Ausnahme.

Nach einer Kienbaum-Studie wollen 46 % der Unternehmen in Deutschland sich „verstärkt um die Qualifizierung der eigenen Mitarbeiter kümmern“. In der Ausbildungsstatistik dieses Jahres ist davon allerdings noch nicht viel zu erkennen.

Gerade mal 8626 zusätzliche Ausbildungsplatzangebote aus den Betrieben hat die Bundesagentur in diesem Jahr registriert. Das ist wahrlich ein magerer Zuwachs von 2,1 % gegenüber dem vergangenen Jahr. Ein geradezu lächerlicher Wert angesichts der Krokodilstränen, die alle Arbeitgeberverbände wegen des drohenden Facharbeitermangels vergießen. Insgesamt gibt es im laufenden Jahr 423 000 Ausbildungsplätze.

Auch in diesem Jahr wurden wieder jede Menge künftige Altbewerber hervorgebracht. Insgesamt 82 500 Jugendliche wollten einen Ausbildungsplatz, besuchen stattdessen aber Brückenveranstaltungen: Sie bleiben z. B. länger in der Schule oder durchlaufen ein Berufsvorbereitungsjahr. Diese Jugendlichen erklärten aber ausdrücklich, dass sie ihren Vermittlungswunsch aufrechterhalten. Sie werden im kommenden Jahr wieder einen Ausbildungsplatz suchen.

Für 29 000 fehlt bislang jegliches Angebot. Zusammen sind es insgesamt 111 500 Jugendliche, die Ende September einen Ausbildungsplatz suchten – viel mehr, als Experten des Bundesinstituts für Berufsbildung erwartet haben. Der Anteil der ausbildenden Betriebe ist auch wieder gesunken: Nur noch 21 % beteiligen sich überhaupt noch an Ausbildung.

Ermutigende Aussichten sind das nicht. Und: Ein erfolgreicher Ausbildungspakt sieht anders aus. Wenn man die nahezu täglichen Schlagzeilen über den Fachkräftemangel liest, sollte man eigentlich vermuten, dass die Unternehmen nun massiv ihre Ausbildungsanstrengungen nach oben fahren – wie die Kienbaum-Studie ja auch verspricht.

Die Betriebe aber begreifen es offenbar nicht: Sie selbst sind verantwortlich für die Qualifizierung der Facharbeiter, und sie haben damit auch das beste Instrument in der Hand, um sich gegen den drohenden Ingenieurmangel zu rüsten. 1992 waren nämlich noch 78 % aller Studienanfänger an Fachhochschulen in der Elektrotechnik ausgebildete Facharbeiter, 2005 nur noch 65 %. Im Maschinenbau sanken die Anteile sogar von 74 % auf 49 %. Selbst an den Unis hatten in den 90er Jahren von den Studierenden in der Elektrotechnik ein Drittel und im Maschinenbau ein Viertel eine duale Berufsausbildung absolviert. 2005 sind diese Anteile auf 12 % bzw. 10 % zurückgegangen.

Es ist keineswegs so, dass die Hochschulen die Facharbeiter zurückgewiesen hätten: Tatsache ist, dass es einfach nicht mehr genug Ausgebildete gibt, die für den Durchstieg in eine Hochschule infrage kommen könnten, weil nicht mehr genügend Ausbildungsverträge abgeschlossen wurden. Am Ingenieurarbeitsmarkt rächt sich jetzt das Zurückfahren der betrieblichen Ausbildungskapazitäten.

Absehbar war das schon lange. Aber man hat lieber die Augen fest geschlossen und darauf gesetzt, dass man ausgebildete Fachkräfte schon irgendwo werde abwerben können, wenn der Bedarf erst einmal da ist. Und weil sich – wie bei den Lemmingen – alle so verhalten haben, ist jetzt die Not groß. Man setzt auf Leiharbeit und stellt verblüfft fest, dass auch hier die Fachkräfte rar sind. Man hat wichtige Aufgaben outgesourct und wundert sich, dass die damit abgeschaffte Ausbildung nicht nur verlagert, sondern gleich ganz aufgegeben wurde.

Was wir brauchen, sind Maßnahmen, die die Augen öffnen, z. B. ein ordentliches Fachkräftemonitoring, und Anreize, die erkannten Risiken endlich zu beseitigen. Ob die angekündigten Ausbildungsinitiativen aus dem Arbeitsministerium das Problem lösen, muss sich erst noch zeigen. Dabei gibt es längst bewährte Vorbilder: In der Bauwirtschaft funktioniert seit Jahren ein Lastenausgleich zwischen ausbildenden und nicht ausbildenden Betrieben. Aber wenn man die Augen fest geschlossen hält, sieht man auch nicht, was unmittelbar vor Augen liegt.

REGINA GÖRNER

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