Nach amerikanischem Vorbild

Bescherung per E-Mail

Die Universität Karlsruhe vergibt an Studierende der Informatik Stipendien, die von der Industrie finanziert werden. Die Sponsorfirmen sehen darin gezieltes Personal-Marketing, die Studenten freut es.

Manchmal kommt der Nikolaus mitten im Jahr. Nicht durch den Kamin, wie viele als Kinder früher dachten. Auch nicht auf einem großen Schlitten. Es ist der 27. Juni 2000: Matthias Eck hat soeben eine E-Mail geöffnet, die ihn jubeln lässt. Ihr Inhalt: „Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu dürfen, dass Sie eines der zehn Industriestipendien im Sommersemester 2000 erhalten.“ Matthias hat es geschafft. Dem Informatik-Studenten an der Universität Karlsruhe werden nun monatlich bis zu seinem Diplomabschluss 950 Mark überwiesen – gesponsert von privaten E-Commerce-Unternehmen. Jetzt muss er nur noch seine Stipendien-Urkunde im Rahmen eines offiziellen Semesterabschlusskolloquiums in Empfang nehmen. Aber bitte präsentabel erscheinen, gebietet die E-Mail: „Jackett für die Herren wäre nett.“
Der Nikolaus heißt in Karlsruhe Walter Tichy und ist Professor für Programmstrukturen und Datenorganisation an der dortigen Universität. Seine Idee war es, ein industrielles Stipendienprogramm ins Leben zu rufen, das zwei Ziele verfolgt: begabten Nachwuchsinformatikern einen schnellen Studienabschluss zu ermöglichen und sie gleichzeitig auf die spätere Berufslaufbahn vorzubereiten. Im Gegensatz zu den Studienstiftungen von Parteien oder Kirchen stammen die Stipendien ausschließlich von Unternehmen der IT-Branche. Tichy hat das Förderungsmodell bei seinen Forschungsaufenthalten in den USA kennen gelernt und nun an der Universität Karlsruhe verwirklicht.
Es war nicht schwierig für den Professor, die Firmen zu überzeugen, in die angehenden Informatik-Experten zu investieren. Es reichten ein paar Telefongespräche. Von neun angesprochenen Firmen sagten sieben zu – zehn Stipendien sprangen dabei heraus. Sehr großzügig wären die Spender gewesen, „richtig undeutsch“, sagt Tichy und lacht.
Kein Kauf von Studenten
Als Stifter traten bisher vor allem solche Firmen auf, die es sich leisten können, 950 Mark pro Monat und Student zu bezahlen: Unternehmen wie Agilent Technologies, Andersen Consulting, debis Systemhaus, IBM, SAP, SD&M oder Siemens. Deshalb, so Oliver Gramberg, sollte darüber nachgedacht werden, zukünftig auch kleineren Betrieben eine Förderung zu ermöglichen, um ihnen ebenfalls den Kontakt zu den Studenten zu vermitteln. Gramberg ist Geschäftsführer der „Freunde der Fakultät für Informatik“ (FFI), einem Alumni-Verein (von lateinisch alumnus, Zögling ehemalige Absolventen), über den die Stipendien offiziell vergeben werden. Gramberg und Tichy wissen sehr gut, dass die Unternehmen den Kontakt zum wissenschaftlichen Nachwuchs suchen und dabei hoffen, die Studenten für sich zu gewinnen. Computerspezialisten sind nun einmal rar.
Von Firmenseite werden vor allem Image- und Marketinggründe als Motivationsfaktoren genannt. Anke Maruschka von Agilent Technologies sagt, dass Karlsruhe für ihr Unternehmen eine „Key-Hochschule“ darstelle, zu der traditionell ein enger Kontakt gepflegt werde. Immerhin kommt etwa jeder zehnte Informatiker, der in Deutschland sein Diplom erhalten hat, von der Karlsruher Expertenschmiede. Der exzellente Ruf der Hochschule, der sich nicht zuletzt bei diversen Uni-Rankings widerspiegelt, ist den Unternehmen weithin bekannt. „Wieso also nicht den heiß begehrten Nachwuchs schon früh mit der eigenen Firma vertraut machen?“, meint Jürgen Aumayer von debis Systemhaus.
Die Unternehmen sind zwar an der Auswahl der Stipendiaten beteiligt, wollen und können aber keine Studenten „kaufen“. Niemand wird gezwungen, später bei seiner Sponsorfirma zu arbeiten, heißt es einmütig. Allein schon von der Mundpropaganda unter den Studierenden erhofft man sich positive Effekte. Vor der Stipendienvergabe erhalten die Firmen außerdem die Möglichkeit, sich allen Bewerbern vorzustellen – ein Angebot, das bei der Zielgruppe gut ankommt.
Elin Anna Topp hat sich wie Matthias beworben und ein ordentliches Bewerbungsbündel geschnürt. Gefordert werden die üblichen Unterlagen. „Bis auf den Freischwimmerschein habe ich so ziemlich alles beigelegt, was da war“, sagt Elin. In ihrem Werdegang kann sie einiges vorweisen: Engagement in der Schüler-Mitverwaltung, Betriebsratserfahrung während ihrer ersten Ausbildung sowie Aktivitäten in der Fachschaft. Auch Matthias Eck weiß mit seinen Pfunden zu wuchern: Seine Jobs als Hilfskraft und Tutor an mehreren Instituten machen was her. Andere, wie Roland Schleip, haben bereits erste eigenständige Programmiererfahrungen gesammelt. Walter Tichy betont, dass sich bisher nur die „Crème de la Crème“ beworben habe. Insofern fällt es sogar schwer, aus den Bewerbern auszuwählen.
Die Entscheidung muss schließlich nach einem mündlichen Auswahlgespräch fallen, an dem neben Tichy und Gramberg mindestens ein Firmenvertreter teilnimmt. Bei der letzten Runde saßen mehr als zehn „Prüfer“ am Tisch. Aber alles halb so schlimm, meinen Elin, Roland und Matthias. „Am besten man gibt sich so, wie man ist.“
Der Nikolaus packt weiter aus
Alle drei haben ein Stipendium erhalten und einen Mentor zugeteilt bekommen, der die Studenten von Firmenseite aus betreut. Auch wenn sie ihren Mentor nicht selbst aussuchen konnten, sind alle Stipendiaten zufrieden mit der Wahl. Firmen- und bisheriges Studienprofil passen gut zusammen. Auf das Angebot, bei „ihrer Firma“ ein Praktikum zu absolvieren oder dort ihre Studien- oder Diplomarbeit zu schreiben, wollen selbstverständlich alle zurückkommen, wo doch jetzt schon mal der Kontakt da ist. Ob man dann später auch dort ein festes Arbeitsverhältnis eingeht – man wird sehen. Matthias sagt, wenn er zwei gleich gute Firmen als Arbeitgeber zur Auswahl hätte, würde er sich natürlich für seinen Stifter entscheiden.
Die Firmen werden diese Worte gerne hören. Und auch die Informatiker in Karlsruhe können auf weitere Bescherungen hoffen. Da der Arbeitsmarkt noch lange von der Nachfrage bestimmt sein werde, würden weitere Industriestipendien folgen, ist sich Tichy sicher. Neue Mäzene stehen schon vor der Tür. Die kanadische Firma Nortel Networks hat erst jüngst aus eigenem Antrieb 16 Stipendien angeboten. Tichy nahm das Geschenk dankend an, nicht ohne an seine Kollegen zu denken: Acht Stipendien gab er an die Fakultät für Elektrotechnik ab. Woraus man sieht: Großzügigkeit ist offenbar ansteckend.
Michael Stolle
Die Industriestipendien in Karlsruhe richten sich an Studierende mit abgeschlossenem Vordiplom im Bereich Informatik. Auswahlkriterien sind neben fachlicher Leistung auch gesellschaftliches Engagement (vom Sportverein bis zur Fachschaft) oder soziale Bedürftigkeit. Die Stipendien sind mit 950 Mark dotiert. Nebenjobs dürfen keine ausgeübt werden – ausgenommen sind Hilfskrafttätigkeiten an der Uni. Bewerbungsrunden gibt es zweimal im Jahr. Bisher hat fast jeder zweite Bewerber ein Stipendium erhalten.
www.ira.uka.de
ms

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