Ingenieurpädagogik

Berufsschullehrer mit Praxis-Know-how

Baden-Württembergs Berufsschulen haben ein Problem: Sie suchen Lehrer für die Ausbildung des Nachwuchses in technischen Berufen. 2010 fehlten landesweit an die 1000 solcher Lehrkräfte. Deswegen hat das Bundesland im Rahmen des Hochschulpaktes Geld in neue Ingenieurpädagogik-Studiengänge an Fachhochschulen investiert. Sie bilden die Studierenden in einem Bachelor- und Masterstudium, mit anschließendem 18-monatigem Referendariat an einer Schule, zu vollwertigen Lehrern aus.

„Ingenieure an Fachhochschulen erfüllen allein wegen des hohen Praxisbezugs ihres Studiums alle Voraussetzungen für den Job an einer Berufsschule“, sagt Wolfgang Coenning, Elektrotechniker, Professor an der Hochschule Esslingen – und nebenher selbst Berufsschullehrer. Fit in Theorie und Praxis sollen die Lehrer sein, mit Erfahrungen in der Industrie und didaktisch bewandert. Die Idee scheint aufzugehen.

Esslingen und vier weitere baden-württembergische Fachhochschulen bieten im Tandem mit jeweils einer Pädagogischen Hochschule (PH) Ingenieurpädagogik-Studiengänge verschiedener Fachrichtungen an. Partner der Esslinger für die Pädagogik-Lehrveranstaltungen ist die PH Ludwigsburg. Wolfgang Coenning koordiniert in Esslingen die Studiengänge. Vier siebensemestrige Bachelor und vier dreisemestrige Master sind derzeit im Angebot, mit den Schwerpunkten Elektrotechnik, Informationstechnik, Maschinenbau und Fahrzeugtechnik. Im Herbst soll noch Umwelttechnik hinzukommen.

Simon Weber ist einer von insgesamt 47 Ingenieurpädagogikstudenten. Der 24-Jährige hat sich für den Schwerpunkt Fahrzeugtechnik entschieden und gerade sein drittes Semester beendet. Die Anforderungen sind hoch, eine Prüfung jagt die nächste. „Ab dem vierten Semester kommen Lehrveranstaltungen zur Berufspädagogik und zu Erziehungswissenschaften hinzu, inklusive mehrwöchige Schulpraktika im vierten und im siebten Semester“, sagt Weber und fügt hinzu: „Ich freue mich sehr darauf.“ Nach einigen eher frustrierenden Semestern in Luft- und Raumfahrttechnik an der Uni Stuttgart – „Viel zu wenig Praxisbezug im Studium“ – las Weber von dem Angebot in Esslingen. Und wusste sofort: Das ist es. „Vermutlich haben mich auch die positiven Erinnerungen an meinen alten Physiklehrer beeinflusst – der war nämlich Ingenieur.“

Was ihm als Besonderheit der Esslinger Ingenieurpädagogik gut gefällt: Die ersten drei Semester sind identisch mit dem normalen Ingenieurstudium. Im fünften Semester ist für alle Studierenden ein Praxissemester in einem Unternehmen Pflicht. Das heißt, auch die künftigen Pädagogen schließen ihr Bachelorstudium als vollwertige Ingenieure ab. Die intensive Spezialisierung für das Lehramt findet dann im Master statt, der wiederum das Eingangstor für das Referendariat ist.

Studiengangskoordinator Wolfgang Coenning begründet dieses Konzept: „Das eröffnet den Studierenden breitere Berufsperspektiven. Viele wollen vor dem Master zunächst in einem Unternehmen arbeiten – da bietet sich z. B. aufgrund des schon im Bachelor erworbenen Didaktikwissens der Bereich betrieblich Aus- und Weiterbildung an.“ Vorteil: Der Bachelorabsolvent macht wertvolle Erfahrungen, die er später an seine Berufsschüler weitergeben kann. Coenning: „Umgekehrt haben aber auch normale Ingenieurstudenten bei uns die Möglichkeit, in Pädagogik-Lehrveranstaltungen hineinzuschnuppern. Und wer Gefallen daran findet, hat die Chance, nach dem fünften Semester noch in den Ingenieurpädagogik-Studiengang zu wechseln.“

Für Matthias Hedrich gab es nie einen Zweifel, dass „Unterrichten genau das Richtige für mich ist“. Der 29-Jährige hat seinen Master, Fachrichtung Maschinenbau, in Esslingen bereits absolviert und bereitet sich nun auf seine ersten Unterrichtsstunden in einer Berufsschule in der Nähe von Stuttgart vor.

„Was mich am Studium vor allem gereizt hat, war der Blick über den Tellerrand – der geisteswissenschaftliche Input, den ich durch die Beschäftigung mit pädagogischer Literatur und mit Soziologie und Psychologie bekommen habe.“ Der durchschnittliche Ingenieurstudent mit seinem pragmatisch-durchstrukturierten Lernstoff, in dem es für alles eine Formel gebe, komme damit nie in Berührung. „Manchem täte es vielleicht ganz gut“, meint Hedrich, der vor seinem Studium eine Lehre als Maschinenbaumechaniker absolviert hat.

Dass etliche seiner künftigen Schüler, die für ihren Meister lernen oder eine Zweitausbildung absolvieren, so alt sein werden wie er selbst oder sogar älter, schreckt ihn nicht. „Das ist alles eine Frage der Persönlichkeit“, erläutert er selbstbewusst. „Zudem hat das Studium mich wirklich gut vorbereitet. Und ich weiß, wie ein Betrieb von innen aussieht.“

Und falls es nach dem Referendariat nicht sofort mit einem festen Job in Baden-Württemberg klappen sollte, würde Hedrich auch an einer Schule in einem anderen Bundesland anheuern. Dort – das bestätigt Wolfgang Coenning – suche man genauso dringend Berufsschullehrer mit praxisnaher Ausbildung.

MAREIKE KNOKE

Von Mareike Knoke

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