Hochschule

Bereit für die Krise  

VDI nachrichten, Berlin, 15. 8. 08, cha – An der Hamburger Hochschule für angewandte Wissenschaften werden Ingenieure für das Rettungswesen ausgebildet. Auch unter hohem Druck müssen sie einen kühlen Kopf bewahren.

Um vier Uhr morgens klingelt an diesem Mittwoch das Telefon von Kai Walter. Eine Schiffshavarie auf der Elbe. Ein Tankschiff ist leckgeschlagen und verliert Benzin. Die Ausbreitung muss sofort gestoppt werden, andernfalls drohen Schäden für Mensch und Natur. Kai Walter macht sich umgehend auf den Weg, die Vorlesung muss erst einmal warten. Für ihn ist heute Praxis dran.

Kai Walter ist Student im ersten Semester des Studiengangs Rettungsingenieurwesen an der Hamburger Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW). Notfälle und Katastrophen – sie werden nach seinem Abschluss zu seinen täglichen Aufgaben gehören. Er hat sich freiwillig für das Doku-Team der Hochschule gemeldet, das heute den Einsatz der Feuerwehr begleiten wird. Er und zwei weitere Studenten müssen den Einsatz bestmöglich dokumentieren. Ihre Fotos und Filmaufnahmen schicken sie dem Einsatzstab der Feuerwehr, der in einem Kontrollzentrum den Einsatz koordiniert.

Seit 2006 gibt es den Studiengang Rettungsingenieurwesen in Hamburg. Er entstand aus einer Kooperation von Hochschule, Hamburger Feuerwehr und dem Hamburger Institut für Notfallmedizin. „Es bestand das Bedürfnis, die Ausbildung für Einsatzleitungen in Krisensituationen stärker zu akademisieren“, sagt Dekan Claus Wacker. Bislang wurden in den höheren und gehobenen Dienst oft Ingenieure aus Spezialdisziplinen eingesetzt, doch nicht immer hatten diese den Überblick über die vielfachen Anforderungen des Jobs.

Die Rettungsingenieure bekommen neben ihrer fundierten ingenieurwissenschaftlichen Ausbildung zudem tiefgehende Kenntnisse in Gefahrenabwehr, Rettungstechnik und Ressourcen-Management im Krisenfall. Dekan Wacker legt Wert darauf, dass es sich um einen vollwertigen Ingenieurstudiengang handelt. „Wer mit Gefahrensituationen umgehen will, braucht wissenschaftliche Grundlagen.“ Etwa wenn es darum geht, einzuschätzen, wann ein brennendes Gebäude einstürzt. Oder wie sich Schwefelsäure verhält, die aus einem Tank austritt.

Wer das Studium abschließt, wird allerdings in den wenigsten Fällen direkt vor Ort den Brand bekämpfen. Vielmehr werden die Absolventen in den Stabsstellen eingesetzt, wo sie über den richtigen Einsatz von Menschen und Material entscheiden müssen. „Das fängt bei der Frage an, wo man im Unglücksfall genügend Tragen herbekommt. Bis hin zur Organisation von Krankenhausplätzen für Brandverletzte“, sagt Claus Wacker.

Bei all dem sollte man einen kühlen Kopf bewahren können. Kai Walter hat dies schon bei zahlreichen Einsätzen bei der Feuerwehr bewiesen. Im Alter von zehn Jahren war er bereits der Jugendfeuerwehr seines Heimatortes Westerode in Niedersachsen beigetreten. Schon in jungen Jahren wurde er dort zum Wehrführer ernannt und musste früh Verantwortung übernehmen. Für die Verletzten bei Unfällen, aber ebenso für seine Kameraden. „Gerade auf dem Land kann es schnell passieren, dass die Opfer bei einem Unfall Freunde oder Verwandte sind. Das ist nicht immer leicht zu verkraften“, sagt Kai Walter. In diesen schwierigen Situationen muss er seinen Kameraden als Vorgesetzter eine Stütze sein.

Der Umgang mit der Angst ist ein wichtiges Thema im Studium. Die Studierenden werden psychologisch geschult. Nicht nur, um im Krisenfall mit der Angst der Mitarbeiter umzugehen. Sondern auch, um mit der eigenen Angst umgehen zu lernen. „Wer allerdings allzu zart besaitet ist und kein Blut sehen kann, dem rate ich von dem Studium ab“, sagt Dekan Wacker. Die meisten seiner Studenten haben allerdings schon im Vorfeld bewiesen, dass sie starke Nerven besitzen. Sei es als Feuerwehrmann wie Kai Walter oder als Mitarbeiter eines Rettungsdienstes.

Es ist eine eingeschworene Gemeinschaft, die Studierendenschaft des Rettungsingenieurwesens. Man spricht viel von Kameradschaft und Chorgeist. Ein gemeinsames Internetforum und ein regelmäßiger Stammtisch stützen das Gemeinschaftsgefühl, semesterübergreifend. Schließlich ist es im Ernstfall wichtig, dass man sich aufeinander verlassen kann. Und als ein Student die Idee hatte, das Doku-Team aufzubauen, fanden sich spontan 50 Freiwillige, um mitzumachen. Von insgesamt 120 Studierenden des Studienganges.

In Eigenregie haben sie Dienstpläne erstellt, Tages- und Nachtschichten eingeteilt und sind sieben Tage die Woche rund um die Uhr einsatzbereit. Dass ihre Arbeit nicht nur Spaß ist, sondern für die Feuerwehr einen wichtigen Beitrag bedeutet, zeigte sich auch heute wieder. Wegen schlechten Wetters und Nebel konnte der vorgesehene Hubschrauber der Einsatzleitung nicht starten. Er hätte Aufnahmen von dem havarierten Schiff liefern sollen. Umso wichtiger waren deshalb die Bilder und Filmaufnahmen, die Kai Walter und seine Kameraden vom Einsatz gemacht haben.

Neben der Praxis-Erfahrung vor Ort bringt das Projekt noch einen weiteren Vorteil: In der Vorlesung werden anhand der Bilder der Umgang mit Katastrophen und Regeln für den Einsatz besprochen. Um für später aus der Krise lernen zu können. HENNING ZANDER

Von Henning Zander

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