Hochschule 23.03.2007, 19:27 Uhr

Beliebte Professoren fahren nicht auf Schmusekurs  

VDI nachrichten, Hannover, 23. 3. 07, ws – Wachsende Studentenzahlen und ein weiteres „Enthüllungsbuch“ über faule Professoren schüren die Sorge um die Qualität der Lehre. Doch während Bildungspolitiker und Wissenschaftler noch über Wege zum idealen Hochschullehrer diskutieren, haben Studierende ihn längst entdeckt.

Offen für Fragen“, „jederzeit erreichbar“, „stets hilfsbereit“, „gute Präsentation“, „sinnvolle Übungsblätter“, „hohe Anforderungen, aber faire Noten“ – das sind einige jener Elemente, aus denen gute Professoren sind.

Wie Klaus Wolf, Professor für Nachrichtensysteme an der FH Regensburg, der von Studierenden als „heißer Tipp“ empfohlen wird. Heute läuft der pädagogische Lakmustest übers Internet: Auf der Website „meinprof.de“ können Studierende die Professoren von Fairness bis Verständlichkeit bewerten und die Performance kommentieren.

Wolf stellt gleich klar, dass nicht Anbiederung, sondern Arbeit hinter seinen guten Noten steckt. Seit 30 Jahren verteilt er, wie übrigens viele andere Professoren auch, für jede Vorlesung ein Rückmeldeblatt. Doch anders als manche Kollegen nutzt er sie auch intensiv zur Selbstevaluation, aus der er eiserne Regeln im Umgang mit Studierenden destillierte.

Beispiel: „Ehrlich sein und zugeben, wo die eigenen Grenzen sind, was man weiß und was man für wahrscheinlich hält.“ Und damit aus Fachstudenten keine Fachidioten werden, vermittelt er Ingenieuren in spe, dass es selbst in den technischen Wissenschaften nicht immer eindeutige Antworten gibt.

Wolf behält stets die Zukunft seiner Studierenden im Blick. Das hat ihm auch den Titel „Professor des Jahres 2006“ eingebracht. Der vom Magazin „Unicum Beruf“ lancierte Wettbewerb kürt Professoren, die sich besonders um die berufliche Karriere ihrer Studenten kümmern. Eine Fachjury wählt aus den von Studierenden, Arbeitgebern und Kollegen vorgeschlagenen Professoren – 2006 waren es 640 – die vier besten aus.

Wolf hat sich den Titel schwer verdient. Seit knapp zehn Jahren fliegt er in seiner Freizeit und auf eigene Kosten durch die Welt, um seinen Diplomanden bezahlte Internships im Ausland zu vermitteln. Inzwischen pflegt er Kontakte zu Industrie und Wirtschaft in den USA, Südafrika oder Japan, die Internships anbieten. Auch für Studierende eine Herausforderung.

Dass gute Hochschulpädagogen nicht auf Schmusekurs zu den Studenten gehen, bestätigt Horst Toonen, E-Techniker an der FH Gelsenkirchen: „Die Studenten wollen lernen, verstärkt noch seit der Einführung von Studiengebühren.“ Mit einer Traumnote von 1,0 auf der Mein-Prof-Seite bei 65 Bewertungen gehört auch Toonen zur bundesdeutschen Lehr-Elite.

„Ich gebe mir Mühe, ein paar Dinge gut zu machen“, erklärt Toonen schlicht den Erfolg. „Ich behandle Studierende mit Respekt, eben wie erwachsene Menschen, von denen ich gleichzeitig Verantwortung verlange.“

In diesem Klima gedeiht Motivation, so Toonens Erfahrung. Für die pädagogische Absicherung sorgt ein Qualitätssicherungssystem seiner Fachhochschule. Beurteilungen werden von einer Evaluationsbeauftragten ausgewertet und für jeden Lehrenden ein Profil erstellt. Ein internes Ranking wird nicht veröffentlicht, schlechte Lehre nicht sanktioniert.

Einer wie Toonen hätte damit keine Probleme. Selbst für knochentrockene Theorie findet er noch Illustrationen wie Kernspintomographie, Antennen, Kühlschränke, TV“s. Und immer wieder Gruppenarbeit, auch bei größeren Drittmittelprojekten. In Mechatronik etwa bilden mehrere Professoren ein interdisziplinäres Team. “ So haben wir einen Formel-1-Simulator gebaut, an dem sich E-Techniker, Maschinenbauer und IT-Spezialisten beteiligten. Das macht Studierenden Spaß.“

Praxisbezug und Gruppenarbeit heißt dieses Feld, das in den studentischen Rankings besonders hoch bewertet wird und Fachhochschul-Professoren einen Bonus in studentischen Rankings sichert. Dass sich mit den Bachelor-Studiengängen auch an den Universitäten der „pädagogisch wertvolle“ Praxisbezug etabliert, mag Klaus Wolf nicht erkennen.

Zu groß wird die Belastung der Hochschulen, auf die eine neue Studentenwelle zurollt. Gegen die absehbare Verschärfung der Lehrmisere hat der Wissenschaftsrat die Einführung eines „Lehrprofessors“ empfohlen. Anders als ein „Lecturer“ läge der Schwerpunkt des neuen Typus zwar auf der Lehre, 30 % seiner Arbeitszeit aber würde weiterhin der Forschung gelten.

Bildungspolitische Probleme jedenfalls sollten nicht als pädagogische diskutiert werden, meint Wolf. Auch wenn einige Uni-Professoren tatsächlich faul sind, entlasten Ratings keine überfüllten Hörsäle. RUTH KUNTZ-BRUNNER

 

 

Ein Beitrag von:

  • Ruth Kuntz-Brunner

    Ruth Kuntz-Brunner ist Karriereautorin und schreibt über die Schwerpunkte Arbeitsleben und Arbeitssicherheit.

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