Hochschule

Bei privaten Hochschulen ist Deutschland Entwicklungsland

Studiengebühren, Auswahl von Studenten, neue Studien- modelle – die Diskussion über Reformen an den deutschen Hochschulen ist in vollem Gange. Umgesetzt wurde bislang jedoch ernüchternd wenig. Hier könnten private Hochschulen, meint Akad- Präsident Josef Foschepoth im folgenden Text, den etablierten Unis Beine machen.

Ob Pisa-Bericht oder OECD-Studien: Deutschland erhält zurzeit wenig schmeichelhafte Zeugnisse für sein Bildungssystem. Alarmierend sind vor allem die strukturellen Schwächen und die deutlich geringeren Bildungs- und Ausbildungserfolge in Deutschland im Vergleich zu anderen Staaten. Nur einige wenige Beispiele: Während die Zahl der Studierenden an Hochschulen und Fachhochschulen zwischen 1995 und 2000 im OECD-Durchschnitt um rund 24 % stieg, ist sie in Deutschland um 5 % gesunken. Mit über sechs Jahren ist die durchschnittliche Studiendauer in Deutschland um ein Drittel höher als im OECD-Mittel (4,5 Jahre). In den Natur- und Ingenieurwissenschaften verfügt Deutschland über rund ein Viertel weniger Absolventen pro 100 000 Erwerbstätige als der Durchschnitt der OECD-Staaten.
Kein Wunder, dass allenthalben über Reformen im Bildungssystem diskutiert wird. Was auffällt: Gerade die Debatte über die Hochschulen verläuft außerordentlich bürokratisch. Hochschulreform wird als eine Sache von oben nach unten betrieben. Die Fülle der Kommissionen und Gremien, Ausschüsse, Räte, Beiräte, Tagungen und Kongresse ist kaum noch zu übersehen.
Die Vertreter des Staates kommunizieren dabei vor allem mit den Vertretern der aus Steuermitteln finanzierten Hochschulen und umgekehrt. Private Hochschulen verfügen grundsätzlich über einen großen Spielraum für innovatives und unternehmerisches Handeln. Doch dieser Spielraum wird dadurch eingeengt, dass der Staat die Qualität privater Hochschulen dann als gegeben ansieht, wenn sie den derzeitigen Standards öffentlicher Hochschulen entspricht – ein verquerer Zirkelschluss. Dass in den Gremien, die über die Qualität von privaten Hochschulen befinden, vor allem Vertreter der staatlichen Hochschulen sitzen, ist geradezu grotesk. Man stelle sich vor: Bernd Pischetsrieder entscheidet über die neue Modellreihe von Opel mit, und ein neuer Opel darf nur dann zugelassen werden, wenn er nicht schneller als ein VW ist…
Es ist in Deutschland offenbar noch nicht möglich, Bildung und Wissenschaft als marktfähiges Dienstleistungsprodukt zu begreifen, das sich an den Bedürfnissen der Kunden und des Marktes orientiert und dessen Qualität sich weniger durch staatliche Regulierung als durch Deregulierung und Wettbewerb erweist. Im Unterschied zum sozialen und kulturellen Bereich gilt hier nicht das erfolgreiche Prinzip der Subsidiarität – wenn ein privater Anbieter eine Dienstleistung erbringt, zieht sich der Staat zurück – sondern ein monopolistisches Prinzip: Der Staat definiert und organisiert das, was man landläufig als „Bildungsgut“ versteht.
Was sind die Folgen? Die Studierenden sind frustriert, weil sie die staatlichen Hochschulen nicht als Einrichtungen erfahren, die in erster Linie für ihre Ziele und Bedürfnisse da sind. Die Wirtschaft schlägt Alarm, weil ihre Aus- und Fortbildungsinteressen nicht berücksichtigt werden. Fast die gesamte Reformdiskussion lässt die wichtigsten Zielgruppen der Hochschulbildung, die Studierenden und ihre potenziellen Arbeitgeber, außen vor. Eine kurzfristige Änderung der Situation ist nicht in Sicht.
Hier liegt die Chance der privaten Hochschulen in unserem Land: Nicht als Lückenbüßer sollten die Privat-Hochschulen in Deutschland fungieren, sondern als Gegenentwurf zum herkömmlichen Hochschulsystem. Sie sollen Motor der Reform sein, mit dem Ziel einer klaren Profilbildung, einer höheren Effektivität und Effizienz und nicht zuletzt einer größeren Kundenorientierung, um so den Wandel der deutschen Hochschulen zu modernen Dienstleistungseinrichtungen zu beschleunigen.
Dabei ist Deutschland in Sachen Privat-Hochschulen noch ein Entwicklungsland. Zwar sind von den über 330 Hochschulen knapp ein Viertel in privater Trägerschaft. Doch nur 40 000 Studierende, knapp 2 % der Studentenschaft, sind bislang an privaten Hochschulen eingeschrieben. Das kann sich rasch ändern: Über 200 Anträge auf Neuzulassung privater Hochschulen liegen zur Zeit den Wissenschaftsministerien der Länder vor.
Um nach dem Sauerteig-Prinzip funktionieren zu können, brauchen die privaten Hochschulen weniger staatliche Reglementierung und mehr unternehmerische Freiheiten, mehr Mut und Offenheit für innovative Entscheidungen und kreative Lösungen, nicht mehr Subventionen, sondern bessere Rahmenbedingungen für die Erprobung und Gestaltung des Neuen.
Dabei geht es keineswegs nur um die Anwendung moderner Managementmethoden, sondern auch und vor allem um eine Neupositionierung der Hochschulen in unserer Gesellschaft. Es geht um neue Perspektiven für die Bildung der Menschen und Persönlichkeiten, die Verantwortung übernehmen sollen. Die ganzheitlich entwickelte und gebildete Persönlichkeit ist gefragter denn je.
Hier gehen gerade private Hochschulen durch eine Rückbesinnung auf das Studium generale und die Einbeziehung anderer Wissenschaften, nicht zuletzt der Bildenden Künste, neue Wege. Nicht die Fülle des angehäuften Fachwissens entscheidet über die Qualifikation eines Menschen, sondern die erworbenen und stetig weiterentwickelten Kompetenzen. Hieraus ergeben sich weit reichende Konsequenzen für die Reform von Studiengängen. Stichworte hierzu sind Modularisierung, wie sie beispielsweise die Akad Privat-Hochschulen innerhalb von 18 Monaten für ihren gesamten Fachhochschulbereich erfolgreich umgesetzt haben, und Internationalisierung.
Das Fazit ist eindeutig: Wenn wir uns in Deutschland den veränderten gesellschaftlichen Anforderungen stellen und neue Horizonte erschließen wollen, brauchen wir (mehr) private Hochschulen. JOSEF FOSCHEPOTH
Josef Foschepoth: „Private Hochschulen brauchen weniger staatliche Reglementierung, sondern bessere Rahmenbedingungen für die Gestaltung des Neuen.“ Foto: Akad

Von Josef Foschepoth

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