Studium

Bachelor: Studenten werfen das Handtuch  

Ingenieurstudenten sind mit den Anforderungen des Studiums zunehmend überfordert. Das ist die schlichte, aber beunruhigende Botschaft einer aktuellen Studie. Ein anderes Problem der neuen Studiengänge ist auch noch nicht gelöst: „Jobben und Bachelor vertragen sich nicht“, bestätigt Hochschulforscher Ulrich Heublein bislang gehegte Befürchtungen. VDI nachrichten, Düsseldorf, 4. 9. 09, ws

Immer mehr Studierende geben ihr Ingenieurstudium vorzeitig auf. Das ist das erschreckende Resultat einer neuen Studie, die von Wissenschaftlern des Hochschul-Informations-Systems (HIS) im Auftrag der Impuls-Stiftung des Verbandes Deutscher Maschinen-und Anlagenbau (VDMA) erstellt wurde.

Viele, die hoffnungsvoll ein technisches Studium beginnen, erreichen demnach nicht das Ziel: 34 % der Maschinenbaustudenten an den Universitäten und 32 % der Studierenden an Fachhochschulen brechen ihr Studium ab. Mit der Umstellung der Studiengänge von Diplom auf Bachelor und Master ist die Schwundquote noch einmal deutlich angestiegen: Sie liegt jetzt an Universitäten bei 46 % und an Fachhochschulen bei 28 %. Zu- und abwandernde Studierende sind hier bereits in die Berechnung miteinbezogen worden.

Dabei war es ein Ziel des Bologna-Prozesses, die Zahl der Studienabbrecher zu senken. Nach der neuen Abbrecher-Studie sind es Maschinenbau- und Elektrotechnik-Studierende, die jetzt ihr Studium häufiger nicht schaffen als früher beim Diplom. Ulrich Heublein, stellvertretender Leiter Studierendenforschung beim HIS und Autor der Studie, nennt als wesentlichen Grund die höheren Anforderungen: „Die Verdichtung des Stoffes hat zugenommen, wie die Befragung von Studierenden und Hochschullehrern gezeigt hat.“

Während der Umfang des Lehrstoffes gleichgeblieben ist, muss er nun in kürzerer Zeit bewältigt werden. Bereits am Ende des ersten Semesters stehen Modulprüfungen an, „und die sind sehr schwer, zum Beispiel in Werkstoffkunde“, sagt Heublein. In den Grundlagenklausuren der Ingenieurwissenschaften an der Leibniz Universität Hannover beispielsweise scheitert jeder zweite Studierende. Den engen Zeitrahmen habe es in den Diplom-Studiengängen nicht gegeben. „Viele, die jetzt ihr Studium aufgegeben haben, hätten es früher bis zum Diplom geschafft“, schließt Heublein aus den Ergebnissen der Studie.

Die Befragung der Studienabbrecher zeigt deutlich, dass vor allem die Leistungsanforderungen im Studium als zu hoch empfunden werden. Allein 40 % der Abbrecher nennen dies als Motiv ihrer Entscheidung. Ein Fünftel der Studienabbrecher nennt finanzielle Gründe. Hinter diesem Abbruchmotiv verbergen sich nicht nur finanzielle Engpässe, sondern überhaupt die Schwierigkeit, eine regelmäßige berufliche Tätigkeit mit dem Studium zu vereinbaren. „Jobben und Bachelor vertragen sich nicht“, bringt es Heublein auf den Punkt.

Mit dem Studium beginnen bereits von der ersten Woche an die Schwierigkeiten. So empfinden es jedenfalls die 400 befragten Studienabbrecher aus Maschinenbau-Studiengängen. „Wer in der Schule keinen Mathe-Leistungskurs belegt hat, tut sich von Anfang an schwer im Studium“, stellt Heublein fest. Das Problem ist nach Ansicht des Studienforschers nicht so sehr der direkte Übergang von der Schule zum Studium: „Vor allem in einer Berufsausbildung vor Studienbeginn geht viel Wissen verloren.“

Wie reagieren die Universitäten? „Wir versuchen, die Drop-Out-Quote zu reduzieren“, beteuert Prof. Dieter Schramm, Dekan Ingenieurwissenschaften der Universität Duisburg-Essen. Dazu gehören Brückenkurse zum Beheben der fachlichen Defizite, die über mehrere Wochen laufen. Hinzu kommt eine Ringvorlesung für Erstsemester, in denen sie mit den Studieninhalten konfrontiert werden. „Hier lernen sie, was es heißt, Maschinenbau zu studieren“, formuliert es Schramm.

Offenbar ist es erforderlich, mit Studienbegleitprogrammen die Anfänger an die Hand zu nehmen. Eine Reihe von Maßnahmen gibt es dazu an der Leibniz Universität Hannover. „Voraussichtlich im kommenden Jahr können Studieninteressierte im Internet anonyme Selbsteinschätzungstests durchführen. Diese Tests sollen den zukünftigen Studierenden ein Gefühl dafür vermitteln, mit welchen Fragen man sich innerhalb eines bestimmten Studiums beschäftigt, in dem sie studienrelevante Grundkenntnisse abfragen und organisatorische und logische Fähigkeiten überprüfen“, so Pressereferentin Katrin Wernke.

Heublein: „Zur Informationsbeschaffung reicht es nicht aus, kurz im Netz zu surfen“

Viele haben sich unter dem Studium etwas anderes vorgestellt. „Ein großer Teil geht mit falschen Vorstellungen ins Studium“, konstatiert Ulrich Heublein.

Möglicherweise sei in den letzten Jahren kein realistisches Bild von der Arbeitsweise eines Ingenieurs in den Medien gezeichnet worden, die vor allem die guten Karriereaussichten betonten. So sei es nicht gelungen, das Image des Ingenieurberufes zu verbessern. Entscheidend werde sein, die Leute mit den richtigen Einstellungen an die Uni zu holen. „Zur Informationsbeschaffung reicht es nicht aus, mal eben im Netz zu surfen“, warnt der Studienforscher.

Eine große Hilfe beim Studienstart sind z. B. Mentorenprogramme, die auch das Bilden von Netzwerken unter den Studierenden fördern. Davon profitieren gerade ausländische Studierende, die neben fachlichen Problemen auch mit sprachlichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Bei ihnen liegt die Abbrecherquote teilweise über 50 %.

Helfen kann auch eine zeitliche Entzerrung: „Das Studium des Maschinenbaus schaffen Sie nicht in sechs Semestern“, sagt Studiendekan Schramm. „Wir haben uns deshalb für sieben Semester entschieden und Inhalte aus dem Bachelor- in den Masterstudiengang geschoben.“ Damit ist das Studium insgesamt sogar ein Semester länger als der frühere Diplomstudiengang.

Die Veränderung der Lehr- und Lernstrukturen stand im Fokus eines VDMA-Workshops, auf dem die Ergebnisse der Studie diskutiert wurden. Weitere Empfehlungen sollen mit Verantwortlichen aus Politik, Hochschulen und Unternehmen besprochen werden. Denn trotz Krise sind die Aussichten für Ingenieure auf dem Arbeitsmarkt weiterhin gut, wie das Mitte Juli veröffentlichte „Technikbarometer“ des VDI zeigt. THOMAS GAUL

Von Thomas Gaul

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