Ingenieurstudium

Bachelor: Reform wird reformiert  

Mit ihren Protesten lenken Studenten bundesweit die Aufmerksamkeit auf die Hochschul-reform mit Bachelor- und Masterstudiengängen. Und die Studenten sind mit ihren Klagen nicht allein. Eine hochwertige Ingenieurausbildung brauche mehr Zeit und weniger Druck, mahnen nun auch Stimmen aus Wirtschaft, Wissenschaft und aus dem VDI. VDI nachrichten, Düsseldorf, 27. 11. 09, ws

Die protestierenden Studenten haben Bewegung in die Bildungspolitik gebracht. Die Reformstudiengänge Bachelor und Master, die laut „Bologna-Erklärung“ aus dem Jahre 1999 den europäischen Hochschulraum harmonisieren sollen, werden noch einmal auf den Prüfstand zurückgeholt: Die Reform soll reformiert werden.

Dabei sind nicht die Bologna-Inhalte Zielscheibe der Protestbewegung. Ihre Auslegung stößt den Studenten übel auf. Schließlich ist in den Dokumenten zum Bologna-Prozess lediglich von der Verpflichtung zur Stufung der Studiengänge die Rede, nicht aber von einer zeitlichen Begrenzung des Bachelorstudiums auf sechs Semester und das Jagen von einer Prüfung zur nächsten. Es sei rational nicht begründbar, ob ein Studium drei, fünf oder neun Jahre dauern muss, um berufsbefähigend zu sein, meint Peer Pasternack vom Institut für Hochschulforschung in Halle-Wittenberg. Hinter vorgehaltener Hand räumen auch Firmenvertreter ein, dass es ihnen gleich sei, ob ein Ingenieurabsolvent bei Berufsbeginn 24 oder 25 Jahre jung sei.

Deutschland habe den Bologna-Prozess „zu genormt“ interpretiert, klagte schon vor drei Jahren der ehemalige Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin: „Technikwissenschaftliche Studiengänge . . . sehen sich außerstande, ihre Absolventen schon nach sechs Semestern auf einen sensiblen Arbeitsmarkt mit hohen Qualitätsanforderungen und Sicherheitsstandards zu entlassen.“

Nicht nur die Hochschulen haben mit der Verkürzung der Studienzeit zu kämpfen, auch viele Firmen sehen darin keinen Sinn. Zum einen belastet die Kompetenznachbesserung der Absolventen die Firmenkassen, zum anderen lässt das sechssemestrige Bachelorstudium keine Zeit für längere Praktikumsphasen.

Wer etwa glaube, sechs Wochen für praktische Erfahrungen im Ausland seien zielführend, befände sich auf dem Holzweg, heißt es bei Xaar Jet AB, einem schwedischen Hersteller von Tintenstrahldruckerköpfen. Allein, um sich an Land und Leute zu gewöhnen, brauche es Zeit. Vier Monate betrage das Minimum für ein Praktikum, findet Xaar-Manager Werner Zapka: „Das ist notwendig, damit die Studenten eine umfassende Einarbeitungs- und Trainingsphase durchlaufen und ihre erworbenen Erkenntnisse in realen Projekten anwenden können.“ Mit dem Pfund ihrer Praxisnähe konnten vor allem die Fachhochschulen wuchern. Dieser Vorsprung schwindet.

Wie die meisten Wissenschaftler und Unternehmensvertreter, befürwortet auch der VDI die Hochschulreform, kritisiert aber die Umsetzung. Es seien „handwerkliche Fehler gemacht worden und es sind Veränderungen notwendig“, fordert VDI-Direktor Willi Fuchs.

Zu viele Prüfungen und eine extreme Verdichtung der Inhalte sorgten für eine unnötige Verschärfung der Bedingungen in den Bachelor-Studiengängen, so Fuchs. Wichtig sei es, die Vermittlung von Grundlagenwissen zu stärken, um den Bachelor-Studiengang an die Bedürfnisse der Ingenieurwissenschaften anzupassen.

Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) hat von Seite des Bundes bereits den Willen zu Verbesserungen geäußert. Was womöglich schwerer wiegt, ist das Bekenntnis von Niedersachsens Wissenschaftsminister Lutz Stratmann (CDU) zur Reform der Reform. Schließlich haben die Länder in Bildungsfragen das Sagen. Er plädiert für das achtsemestrige Bachelorstudium und „eine deutliche Reduzierung der Prüfungsbelastung“.

Stratmann appelliert an die Hochschulen, „Studieninhalte und zu erwerbende Kompetenzen mit den Arbeitgebern zu diskutieren“. Eine verständliche Forderung, bei der man sich allerdings fragt, ob dies nicht schon längst zur Selbstverständlichkeit bei berufsqualifizierenden Studiengängen zählen sollte.

„Mittlerweile hat sich eine regelrechte Bologna-Depression breitgemacht,“ so der Hochschulforscher Peer Pasternack. Noch aber ist Zeit, aus der Depression einen Gewinn für alle zu machen. W. SCHMITZ

Von W. Schmitz

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