Hochschule

Bachelor öffnet alle Türen, Master ist das Ziel

VDI nachrichten, Berlin, 22. 10. 04 -Damit „der unbestreitbare Erfolg der deutschen Wirtschaft durch die hohe Innovationskraft in Deutschland ausgebildeter Naturwissenschaftler und Ingenieure“ nicht gefährdet wird, haben sich Vertreter der großen Technischen Universitäten in Berlin für den Regelabschluss „Master of Science“ ausgesprochen. Eine Niederlage für den umstrittenen Bachelor-Titel.

Vom Traum einer Karriere-Beschleunigung via zeitlich geraffter Studiengänge müssen sich Ingenieure verabschieden. Zumindest diejenigen, die an einer Technischen Hochschule studieren – oder es vorhaben. Die Umstellung vom Diplom auf Bachelor- und Masterstudiengänge wird sie nicht schneller als bislang zum Studienabschluss befördern. Der sechs- oder siebensemestrige Bachelor soll ein Zwischenstadium in der akademischen Ausbildung sein, der in der Regel zehnsemestrige Master das Ziel.

$bild1$Darauf einigten sich die Mitglieder des „TU 9 – Consortium of German Institutes of Technology“, das sich vergangene Woche im Rahmen der Veranstaltung „Bachelor/Master in der Ingenieurausbildung an Technischen Universitäten“ in Berlin traf. Nach ihrem Willen soll der Masterabschluss an Technischen Universitäten künftig der Königsweg sein. Die dem Diplom-Studiengang entsprechende Qualifizierung zum „Master of Science“ ist für das TU 9-Konsortium unverzichtbar, wenn „der unbestreitbare Erfolg der deutschen Wirtschaft durch die hohe Innovationskraft in Deutschland ausgebildeter Naturwissenschaftler und Ingenieure“ nicht gefährdet werden soll. Hinter der geheimnisvollen Bezeichnung „TU 9“ verbergen sich die nach eigener Aussage „größten, ältesten und anerkanntesten“ Technischen Hochschulen in Deutschland: RWTH Aachen, TU Berlin, TU Braunschweig, TU Darmstadt, TU Dresden, Universität Hannover, Universität Karlsruhe, TU München und Universität Stuttgart.

Dem Bachelor als berufsqualifizierendem Abschluss, wie von der Kultusministerkonferenz (KMK) angestrebt, erteilen die TU 9 eine klare Absage – allerdings nur für ihre eigenen Einrichtungen. Den Bologna-Prozess insgesamt, nach dem die Studiengänge bis zum Jahr 2010 flächendeckend in ganz Europa auf Bachelor- und Masterabschlüsse umgestellt werden, verstehen die Vertreter der TU 9-Universitäten „als Chance, eine grundlegende Studienreform durchzuführen und die Lehre im Rahmen von Kompetenzfeldern zu modernisieren.“
Um das zu unterstreichen, unterzeichneten sie eine gemeinsame Erklärung, wonach sie die neuen Abschlüsse beim Übergang in die nächst höhere Qualifikationsstufe, entweder in ein Masterprogramm oder zur Promotion, künftig untereinander anerkennen. Laut Prof. Johann Dietrich Wörner, Präsident der TU Darmstadt, bedeutet das „für die Studierenden gleichzeitig Qualitäts- und Mobilitätsgarantie“.
Genau auf diese beiden Begriffe kommt es nach Überzeugung der TU 9-Mitglieder in der Ingenieurausbildung besonders an. Prof. Jörg Steinbach, Vizepräsident der TU Berlin, begründet: „In den ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen soll der Master weiterhin Regelabschluss bleiben, weil die Berufsqualifizierung integraler Bestandteil der Gesamtausbildung ist und bis zum Bachelor nicht in jedem Berufsfeld ausreichend gewährleistet werden kann.“ Allein die Grundlagenausbildung in Mathematik, Informatik und den Naturwissenschaften verschlinge im klassischen Ingenieurstudium die meiste Zeit bis zum Vordiplom nach vier oder fünf Semestern. Erst danach wechselten Studierende an andere Universitäten, um etwa im Ausland die gewünschte internationale Erfahrung zu sammeln.
Die von den Kultusministern verordneten strikten Zeitvorgaben für die Reformstudiengänge, drei, mitunter auch dreieinhalb Jahre bis zum Bachelor, zwei Jahre bis zum Master, seien ebenso praxisfern wie jede Quotenregelung für die Zulassung zum Masterstudium. „Solange es die gibt“, sagt Wörner, „werde ich Bologna nicht einführen.“ Sein von den anderen TU 9-Mitgliedern geteiltes Hauptargument: Derzeit würden nur etwa 40 % der deutschen Ingenieure an Universitäten ausgebildet. Damit werde der Bedarf der Wirtschaft an universitär ausgebildeten Absolventen nicht annähernd gedeckt. Die Absolventenzahl müsse also erhöht werden. Der Slogan der Veranstaltung gilt fortan als Leitlinie: „Der Bachelor öffnet alle Türen, der Master ist das Ziel“.
Damit kann auch der Deutsche Hochschulverband (DHV) als Berufsvertretung der Universitätsprofessoren gut leben. Er fordert die Kultusministerkonferenz (KMK) dazu auf, „endlich auf die Stimme der Experten zu hören“, so der Präsident des DHV, Bernhard Kempen. „Den Professoren ist es nicht so wichtig, ob sich ihre Absolventen Bachelor, Master oder Diplomingenieur nennen.“ Der beste Beitrag zu mehr Mobilität und besserer internationaler Vergleichbarkeit sei es, keine Qualitätsverluste in der universitären Ausbildung zuzulassen. Der Hochschulverband fordert alle Fakultäten dazu auf, flexibel bei der Gestaltung ihrer Studiengänge vorzugehen und sach- und fachangemessen zu entscheiden, welcher Studienabschluss für die jeweilige Disziplin der geeignete ist.
Arbeitgeber stehen dem Bachelor positiver gegenüber. Mehrere Studien belegen, dass der Bachelor dort willkommen ist. Allerdings können Ingenieure von den Ergebnissen der „Studie zum Studienverlauf und Verbleib von Bachelor-Absolventen“, die vor der TU 9-Veranstaltung von der Hochschul-Informations-System GmbH (HIS) vorgestellt wurde, nur begrenzt Erkenntnisse ableiten. Immerhin belegen die von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, der Hochschulrektorenkonferenz und dem Stifterverband für die Deutsche Wirtschaft vorgelegten Resultate, dass in den Prüfungsjahrgängen 2003 und 2004 rund 4000 Studierende einen Bachelor-Abschluss absolvierten.
Von den 1435 Befragten hat ein Drittel an einer Uni studiert, zwei Drittel an Fachhochschulen. Neun Monate nach dem Abschluss gingen drei Viertel aller Absolventen einer „regulären Erwerbstätigkeit“ nach, 5 % als Trainee. Etwas weniger als die Hälfte der FH-Bachelor-Absolventen und rund 35 % der Uni-Bachelor-Absolventen arbeiten in unbefristeten Vollzeitstellen.
Bemerkenswert ist auch, dass 74 % der Uni-Bachelor ihr Studium mit dem Ziel Master-Abschluss fortsetzten. Bei den FH-Bachelor sind es mehr als die Hälfte.REGINA-C. HENKEL/ws
www.stifterverband.de

Bachelor mit Drehscheiben-Funktion

Die „TU 9 Universitäten“, also die neun Technischen Universitäten RWTH Aachen, TU Berlin, TU Braunschweig, TU Darmstadt, TU Dresden, Universität Hannover, Universität Karlsruhe (TH), TU München und die Universität Stuttgart trafen in Berlin eine Vereinbarung, deren Kern die neun Partner folgendermaßen zusammenfassen: „Die Positionierung des universitären Masters als Regelabschluss für Wissenschaft und eine Tätigkeit in der Wirtschaft basiert auf der Erfolgsgeschichte des deutschen Diplomingenieurs und der damit verbundenen Qualifikation. Der Master ist damit auch die Ressource für die Wissenschaft. Dem universitären Bachelor kommt eine Drehscheibenfunktion zu. Er soll verschiedene Wege, insbesondere in den Master im gleichen oder einem anderen Fach öffnen und gleichzeitig auch für Mobilität bezüglich eines Hochschulwechsels in Deutschland oder ins
Ausland oder eine Tätigkeit in der Praxis qualifizieren.“ Die TU 9 bestehen weiterhin darauf, auch im Bereich der Bachelorausbildung ein „stärker forschungsorientiertes“ Profil anzubieten, um sich damit von dem „stärker anwendungsorientierten“ Profil der Fachhochschulen zu unterscheiden.tum/ws

Von Tum/Wolfgang Schmitz

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