Hochschule

Bachelor und Master – noch fehlen die geeigneten Strukturen

VDI nachrichten, Hamburg, 16. 7. 04 -Bachelor und Master sollen in Zukunft den Titel „Dipl.-Ing.“ ersetzen. Für VDI-Präsident Eike Lehmann ist das Thema längst nicht ausdiskutiert. Wie sollen sich beispielsweise Bachelor-Ingenieure von Universität und Fachhochschule unterscheiden? Er plädiert im folgenden Beitrag für die Fusion der beiden Hochschultypen.

Der VDI hat sich, als wichtiger Vertreter der deutschen Ingenieure, seit langem mit der Einführung der gestuften Studiengänge Bachelor und Master eingehend beschäftigt. Vor kurzem ist eine überarbeitete Stellungnahme hierzu vom Präsidium verabschiedet worden. Verständlicherweise gab und gibt es im VDI unterschiedliche Vorstellungen zu der Einführung des Bachelor-/Master-Systems.
In der Stellungnahme des VDI ist nunmehr ein Konsens gefunden worden, der die wesentlichen Gesichtspunkte aus der Sicht des VDI berücksichtigt. Diese unterschiedlichen Sichtweisen begründen sich u. a. durch die Tatsache, dass es in Deutschland Technische Universitäten und Fachhochschulen gibt, deren Absolventen im VDI etwa im Verhältnis ein Drittel zu zwei Drittel vertreten sind und daher auch unterschiedliche Vorstellungen zur Ingenieurausbildung nur zu natürlich sind. So ganz neu ist das gestufte System nämlich gar nicht.
Durch die beiden Ausbildungseinrichtungen TU und FH existiert bereits seit langem ein gestuftes System, das mit Erfolg praktiziert wird. Auch das wichtige Merkmal der Durchlässigkeit zwischen den beiden Ausbildungseinrichtungen besteht für besonders begabte und zielstrebige FH-Absolventen seit langem, wie prominente Beispiele belegen.
Die Fachhochschulen sehen sich in einem historischen Entwicklungsprozess, an dessen Ende die Gleichwertigkeit und damit Gleichstellung zu den Technischen Universitäten steht. Die Einführung des neuen Systems wird daher, trotz mancher Bedenken, gerade in den Fachhochschulen forciert, um diesen Prozess weiter voran zu treiben.
Die Technischen Universitäten tun sich, bis auf Ausnahmen, hier schwerer. Die erfolgreiche Einführung der Bachelor/Master-Ausbildung in Deutschland hängt daher maßgeblich von der zukünftigen Gestaltung des Verhältnisses der beiden Bildungseinrichtungen ab.
Für den VDI ist es vorrangig, dass die Qualität unserer bisherigen Ingenieurausbildung insgesamt nicht leiden darf. Im Gegenteil, wir erwarten von allen Beteiligten, dass die Einführung des neuen Systems die Ausbildung noch besser qualifizierter Ingenieure mit sich bringt.
Wir haben den Eindruck, dass von politischer Seite angestrebt wird, die Ingenieur-Ausbildung so zu gestalten, dass der größere Teil der Studenten die Hochschulen mit dem Bachelor-Grad verlässt, insbesondere um das hohe Alter der Absolventen zu senken. Dieses würde jedoch, unserer Ansicht nach, mindestens bei den Absolventen der Technischen Universitäten, eine dramatische Verringerung der technischen Kompetenz bedeuten. Hier wird sich der VDI jedoch deutlich positionieren und jegliche Quotenregelung ablehnen.
Allerdings sehen auch wir, genauso wie die Politik, mit Sorge das zu hohe Alter unserer Absolventen und dass es dringend geboten ist, dieses deutlich zu senken. Aber das darf nicht durch Reduzierung der Zeit der Wissensvermittlung geschehen, sondern könnte durch senken des Eintrittalters erreicht werden, das an Technischen Universitäten bei 22 Jahren liegt. Außerdem ist mit der gleichen Zielsetzung strenger auf die Einhaltung der Regelstudienzeiten zu achten.
Der Wunsch, dass die Mehrzahl der Studenten die Universitäten mit dem Bachelor-Grad verlassen soll, erscheint im Übrigen auch inkonsistent vor dem Hintergrund der Innovationsoffensive der Bundesregierung.
Bei der technischen Entwicklung weltweit eine Spitzenposition einzunehmen, gelingt nur, wenn auch entsprechende Bildung gezielt gefördert wird, denn nur durch eine überdurchschnittlich hochwertige Ausbildung ist der Erfolg einer Innovationsoffensive denkbar.
Wir gehen daher davon aus, dass an den Fachhochschulen die Qualität der Bachelor-Ausbildung gegenüber der derzeitigen Dipl.-Ing. (FH)-Ausbildung in der Wissensvermittlungszeit nicht reduziert wird. Das heißt, dass der VDI sechs Vorlesungssemester als unabdingbar für den Bachelor an den Fachhochschulen ansieht. Dazu gehört dann gleichermaßen ein qualitativ und quantitativ angemessenes Praktikum.
An den Universitäten sollte der Master der Regelabschluss sein, denn nur dieser Abschluss, der inhaltlich dem jetzigen universitären Dipl.-Ing. entsprechen sollte, gewährleistet den erfolgreichen Einstieg in wissenschaftliche Tätigkeit und in den Bereich anspruchvollerer Ingenieurtätigkeit in Industrie und Öffentlichem Dienst.
Der universitäre Bachelor sollte vorrangig dazu dienen, den qualifizierten Wechsel zu einer anderen Disziplin zu ermöglichen beispielsweise in die Medizin, um sich im Bereich der Medizintechnik zu betätigen oder zur Jurisprudenz, um Patentanwalt zu werden.
An das Bachelor-/Master-System knüpft sich auch die Erwartung, verstärkt junge Menschen aus dem Ausland für ein Studium in Deutschland zu gewinnen, die nach der Rückkehr in ihr Heimatland von der Qualität der Ausbildung Deutschlands und seiner technischen Produkte Zeugnis ablegen.
Aber auch für deutsche Ingenieure verbindet sich die Hoffnung, mit einem Bachelor- oder Masterabschluss deutlich bessere Berufschancen im Ausland zu gewinnen, da in Europa und auch weltweit Master (MA) und Bachelor (BA) trotz erheblicher Qualitätsunterschiede bekannter und geläufiger sind als der Titel Dipl.-Ing..
Allerdings stehen dennoch vielerorts die Kürzel MA oder BA in nicht besonders hohem Ansehen. So hat beispielsweise die Präsidentin der American Society of Civil Engineers (ASCE) kürzlich vehement dafür plädiert, den Bachelor abzuschaffen, da er den Anforderungen des modernen Bauingenieurwesens nicht mehr gerecht werde. Sicher eine Einzelmeinung, aber doch ein Signal, mit besonderer Sorgfalt vorzugehen.
Durch die Besonderheit der deutschen Ingenieurausbildung an staatlichen Fachhochschulen und Universitäten sowie mit Blick auf den bei uns gepflegten Föderalismus steht zu befürchten, dass es hierzulande bald Dutzende von unterschiedlichen Bachelor- und Master-Graden geben wird und damit die Bestrebungen, die eigentlich einer europäischen Harmonisierung der Ausbildung dienen sollten, weder zur Harmonisierung der Abschlüsse in Deutschland und schon gar nicht in Europa führen.
Mit Blick auf unser bestehendes System drängt sich die Frage auf, welche Aufgaben in Zukunft die Fachhochschulen haben, wenn an den Universitäten ein „Bachelor-Ingenieur“ ausgebildet wird, der gewissermaßen das Berufsfeld des bisherigen Fachhochschulingenieurs ausfüllen kann. Hier wird als Differenzierungsmerkmal das Kürzel „mehr anwendungsorientiert“ für die Fachhochschulen und „mehr forschungsorientiert“ für die Universitäten bemüht. Dieses aber sollte ernsthaft hinterfragt werden, denn damit wird der Eindruck erweckt, dass Praxis nur an Fachhochschulen vermittelt wird. Wenn wir in Zukunft aber unseren Industriestandort erhalten wollen, dann werden hoch qualifizierte Ingenieure gerade in der Praxis benötigt.
Fakt ist, dass die Mehrzahl der Universitäts-Diplomingenieure nach ihrem Studium nicht in der Forschung tätig wird, sondern in exakt den Berufsfeldern, in denen auch die Fachhochschulabsolventen arbeiten. Dennoch ist es unstrittig, dass gerade in Bereichen hoher Innovation und bei der Lösung komplizierter Ingenieuraufgaben insbesondere die wissenschaftlich geschulten Ingenieure gefragt sind. Diese können aber nur aus Einrichtungen kommen, die durch intensive Forschung eine hochwertige Lehre garantieren können. Forschung ist also „conditio qua non“ für eine hochwertige wissenschaftliche Lehre, auch oder gerade auch heute.
Die Frage nach der Differenzierung, d.h. weshalb wir also einen Bachelor der Fachhochschulen und der Universitäten benötigen, worin sich ein Master der Fachhochschulen von einem Master der Universität typischerweise unterscheidet und welche Berufsfelder für den einen oder anderen vorgesehen sind, ist zurzeit für mich nicht ausreichend beantwortet.
So wäre zu überlegen, allen ingenieurwissenschaftlichen Einrichtungen den gleichen Status zu geben, was auch auf dem Weg der Fusion denkbar ist, das heißt, eine technisch-wissenschaftliche Ausbildung in gestuften Studiengängen in einer Organisationsform zu schaffen.
Wenn sich jedoch beide Einrichtungen getrennt entwickeln und das gestufte System mit identischen Ausbildungszielen separat einführen, dann ist eine Qualitätsverschlechterung der Ingenieurausbildung nicht auszuschließen.
Ich sehe daher in der Einführung des Bachelor-/Master-Systems einerseits Risiken, andererseits aber auch Chancen für den Berufsstand der Ingenieure.
Es bedarf einer vorurteilsfreien Diskussion der vielen noch offenen Fragen bei der Einführung des neuen Systems, der wohlwollenden Mitarbeit der beteiligten Professoren und des Verständnisses der Politiker, um die sich bietenden Chancen, die Ausbildung zu verbessern, zu nutzen.
Eine dieser Fragen ist die Titelfrage der zukünftigen Ingenieure.
Um es deutlich zu sagen: Ich habe noch niemanden getroffen, der mir überzeugend erklären konnte, dass die Abschaffung des akademischen Grades Diplomingenieur ein Fortschritt sei. Nicht zuletzt gebe ich zu bedenken, dass mit dem Titel Diplomingenieur die Gemeinschaft der Ingenieure nach langem Kampf in Deutschland nunmehr als eine Berufsgruppe in unserer Gesellschaft, mit weit reichenden Folgen der Anerkennung, wahrgenommen wird. Um dieses zu erhalten, sollte es doch möglich sein, neben den neuen Abschlussgraden auch weiterhin den akademischen Grad Dipl.-Ing. zu vergeben, gewissermaßen als Beleg dafür, dass man ein Ingenieur ist, der in Deutschland studiert hat.
Da der hohe Grad der Anerkennung der deutschen Ingenieurausbildung für uns erklärtermaßen einen hohen Stellenwert hat, sollten wir uns auch zu dieser Ausbildung mit einem entsprechenden Titel bekennen. Daher arbeiten wir zurzeit an einer Empfehlung zur Titelfrage und werden uns diesbezüglich bald äußern.
Zusammenfassend ist also festzuhalten: Der Staat sollte die Ausbildung der Ingenieure in Systemen ermöglichen, die dem Einzelnen die besten Entfaltungsmöglichkeiten bieten, damit dieser seinen beruflichen Aufgaben optimal gerecht werden kann. Wenn die Einführung des Bachelor-/Master-Systems in diesem Sinne verstanden wird, dann ist diese sehr zu begrüßen.
Wie sieht nun die Realität aus? Die Universitäten wollen den Bachelor, bei Beibehaltung des üblichen grundlagenorientierten Vorexamens, einführen. Dem Vorexamen soll sich etwas Anwendung anschließen und dann der Bachelor-Grad verliehen werden. Dieser soll aber nicht berufsbefähigend, sondern nur die Eingangsvoraussetzung zum Masterstudium sein. Das ist zwar sinnvoll, erfüllt aber nicht die Idee der zweistufigen Ausbildung.
Die Fachhochschulen führen ebenfalls einen Bachelor ein, wobei noch unbewiesen ist, dass dieser wirklich berufsbefähigend sein wird, zumal unsere Forderung, dass dieser die Qualifikation des bisherigen FH-Abschlusses besitzen soll, mancherorts scheinbar nicht so recht ernst genommen wird. Die FH hoffen, über ein Masterprogramm letztlich mit den Universitäten gleichziehen zu können.
Master of Engineering oder Master of Science, es wird gestritten, wer diese Titel verleihen darf. Das Grundproblem der Existenz dualer Bildungseinrichtungen für ein und denselben Beruf kann auf diese Weise nicht gelöst werden. Die sinnvollste Lösung wäre, einen einzigen Typ einer technischen Bildungseinrichtung zu schaffen mit an die Erfordernisse der Forschung und Wirtschaft angepassten Ausbildungsprofilen, also auch gestuften Studiengängen.EIKE LEHMANN

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