Hochschule

Bachelor – „ein Pionier, kein Dünnbrettbohrer“

VDI nachrichten, Düsseldorf, 8. 4. 04 -Hartnäckig hält sich in deutschen Unternehmen der Glaube an das Ingenieur-Diplom. Die Studiengänge Bachelor und Master haben es schwer, ihre Vorteile zur Geltung zu bringen. Auf Veranstaltungen in München und Düsseldorf erläuterten Wirtschaftsvertreter, was sie von den neuen Abschlüssen erwarten.

Welche Kompetenzen verlangt der Arbeitsmarkt von den künftigen Bachelor- und Master-Ingenieuren? Diese Frage diskutieren Personalverantwortliche von Firmen und Dekane ingenieurwissenschaftlicher Fakultäten bei einem Symposion des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft in München.
„Ob es jetzt Diplom heißt oder Master – uns interessiert: Was kann der Absolvent?“, sagte Andreas Schmieg. Der Vorstand der Torkret AG (Essen) weiß genau, was er will. „Wir sind eine mittelständische Firma, die mit Spritzbeton angefangen hat und sich heute mit Instandsetzung, Erhaltung und Sanierung von Bauwerken befasst. Der größte Teil unseres Personals sind also Facharbeiter. Von unseren Ingenieuren erwarte ich technische Kenntnisse und gutes Fachwissen. Darüber hinaus sollen sie beraten, betreuen, konzeptionell denken, Verhandlungen führen und Anweisungen geben.“
Schmieg kann sich gut vorstellen, Bachelor-Absolventen einzustellen. Voraussetzung dafür sei eine „vernünftige Grundlagenausbildung“. „Lassen Sie ihn ruhig schon nach sechs Semestern zu uns kommen. Den Master machen wir dann gemeinsam berufsbegleitend. Die Internationalisierung wird auch den Mittelstand erreichen, daher benötigt er nach internationalen Standards ausgebildete Mitarbeiter.“
Auch Frank-Stefan Becker, Leiter Bildungspolitik bei Siemens, plädiert für Bachelor- und Masterstudiengänge. Sie sollten solides Basiswissen mit fachlich übergreifenden Kompetenzen kombinieren, was das traditionelle Studium nicht leiste. Becker zitiert ein Thesenpapier der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zur aktuellen Ingenieurausbildung: „Die traditionelle Vermittlung von Wissen im Grundstudium ist oft formal-abstrakt und wenig anwendungsorientiert.“
„Wer jetzt ein Bachelorstudium anfängt, ist durchaus ein Pionier und kein Dünnbrettbohrer“, meint Becker. Allerdings fordert der Siemens-Vertreter: „Die Forschungsorientierung der Universitäten und die Anwendungsorientierung der Fachhochschulen sollen sich in den Abschlüssen widerspiegeln: die Universitäten mit konsekutiven Bachelor-/Master-, die FH mit Bachelor-Studiengängen. Berufsbegleitende Masterstudiengänge können später ein sinnvolles Angebot sein.“
„Breites Grundlagenwissen, fachübergreifendes Denken, Fremdsprachen- und Wirtschaftskenntnisse sind in globalisierten Betrieben stark gefordert“, bestätigt Karl-Heinz Minks von der HIS Hochschulinformations-System GmbH (Hannover). Der Leiter des Bereichs Absolventenforschung hat in zahlreichen Studien Maschinenbau- und Elektroingenieure nach der Wichtigkeit beziehungsweise Bedeutung von Kompetenzen in ihrem Beruf gefragt. Das Ergebnis: Es falle auf, dass vor allem Sozialkompetenzen, Organisations- und Methodenkompetenzen angegeben werden. Spezielles Fachwissen ebenso wie Wirtschaftswissen sei von untergeordneter Bedeutung. „Man kann sagen, dass die Fachkompetenz nur einen Teil der Ingenieurarbeit ausmacht, während Schlüsselkompetenzen wie Kommunikationsfähigkeit, Verhandlungsgeschick oder mündliche Ausdrucksfähigkeit das entscheidende ,Schmiermittel“ für die professionelle Ingenieurarbeit sind.“
Als Anwalt der neuen Studiengänge sieht sich auch der Verein Deutscher Ingenieure. Der VDI lud vor einigen Tagen Vertreter von Wirtschaft und Hochschulen nach Düsseldorf, um für beide Partner eine Verständnis- und Kooperationsbrücke zu bauen. Klaus-Jürgen Wilhelm vom ABB-Konzern, weltweitem Anbieter für Energie- und Automationstechnik, gestand, dass die traditionellen Abschlüsse „tief im Bewusstsein der Unternehmen verwurzelt“ seien, und bislang kaum Bachelor-Absolventen eingestellt wären. An dieser großen Zurückhaltung trüge aber auch die „Fachrichtungsinflation“ schuld. Statt hoher Transparenz, wie Protagonisten des europäischen Hochschulraums prophezeien, hätten die zahlreichen neuen Titel große Verwirrung zur Folge. Was die Forderungen der Wirtschaft betrifft, schlug Wilhelm markante Pflöcke ein: „Wichtig sind: Fremdsprachen, Auslandsaufenthalte, systematisches Denken, Führungskompetenz.“ An der technischen Grundlagenausbildung dürfe sich tendenziell wenig ändern. „Darauf können wir in Deutschland stolz sein.“ Eine gesellschaftliche Aufwertung müsse allerdings der Vertrieb erhalten. „Wir müssen uns so schnell wie möglich vom Bild des Teppichhändlers trennen, dazu ist der Vertriebsexperte eine zu wichtige Position.“
Eine „entscheidende Verminderung des Praxisbezuges“ durch den sechssemestrigen Bachelor befürchtet Prof. Peter Fröhlich vom Fachbereich Maschinenbau an der FH Wiesbaden. Die geringe Ausbildungszeit lasse keinen Raum mehr für das so wichtige berufspraktische Semester. „Die Absolventen werden dann nicht mehr als ,fertige“, berufsbefähigte Ingenieure in die Betriebe eintreten, sondern als ,Lehrlinge“.“ Damit täten die Hochschulen den Abnehmern aus der Wirtschaft keinen Gefallen.
EVDOXIA TSAKIRIDOU/ws
www.vdi.de/studium

Von Evdoxia Tsakiridou/Wolfgang Schmitz

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