In anderen Kulturen

Auslandspraktika öffnen Blick auf internationale Bühnen

Ein Auslandstrip kostet Geld und Zeit. Wertvolle Zeit, die einem für die wirklich wichtigen Dinge im Studium fehlt. So denken viele Ingenieurstudenten. Dabei belegen wissenschaftliche Studien den hohen Ertrag studienbezogener Auslandsaufenthalte, wie Claudius Habbich vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und Ulrich Heublein vom HIS-Institut für Hochschulforschung im Gastbeitrag erläutern.

Nur wenige Studenten der Ingenieurwissenschaften absolvieren während des Studiums einen Auslandsaufenthalt.

Nur wenige Studenten der Ingenieurwissenschaften absolvieren während des Studiums einen Auslandsaufenthalt.

Foto: dpa

„Ins Ausland zu gehen, um Erfahrungen zu sammeln und um meine Sprachkenntnisse zu verbessern, das kann ich später machen – falls es nötig sein sollte. Jetzt geht es darum, die Prüfungen zu bestehen, durch das Studium zu kommen. Das ist, weiß Gott, schwierig genug.“

So lautet die Antwort eines Maschinenbaustudenten an der TU Darmstadt zum Thema studienbezogene Auslandsaufenthalte während seines Bachelorstudiums. Eine solche Ansicht ist keine Seltenheit unter deutschen Ingenieurstudierenden. Während in anderen Fachkulturen ein Auslandsstudium oder -praktikum für viele Studierende selbstverständlich ist, zählen die Ingenieurwissenschaften zu jenen Disziplinen, in denen Auslandsphasen während des Studiums eher auf Skepsis stoßen.

Nur wenige Ingenieure in spe sammeln Auslandserfahrungen im Studium

Von 100 Bachelorstudierenden ingenieurwissenschaftlicher Fächer konnten Anfang 2011 an Universitäten lediglich 18 studienbezogene Auslandserfahrungen vorweisen. Unter ihren Kommilitonen in Wirtschaftswissenschaften fällt dieser Anteil doppelt so hoch aus. Und vor allem: Während die Auslandsraten bei den Ingenieuren seit Jahren stagnieren, verzeichnen Sprach- und Kulturwissenschaftler oder eben auch Wirtschaftswissenschaftler steigende Quoten. Ein Drittel bis zwei Fünftel der Studierenden in Ingenieurwissenschaften schließen Auslandsaufenthalte für sich definitiv aus. Alle übrigen zeigen zwar mehr oder minder großes Interesse, aber der Weg von einer allgemeinen Interessensbekundung zu einer festen Motivation ist weit, wie die niedrige Zahl der Auslandsmobilen belegt.

Aber muss einem das Sorgen bereiten? Sollte ein Ingenieur schon während seines Studiums Auslandserfahrungen gesammelt haben? Dazu haben sie doch gegebenenfalls nach dem Studium noch hinreichend Zeit.

Dahinter verbergen sich Zweifel an der Sinnhaftigkeit von Auslandsaufenthalten. Doch dazu besteht kein Anlass. Untersuchungen des HIS-Instituts für Hochschulforschung im Auftrag des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) belegen, dass Auslandsstudien und -praktika für Ingenieurstudierende im Bachelorstudium hohen Gewinn bringen.

Interkulturelle Kompetenzen zahlen sich im späteren Beruf aus

Die Mehrzahl der auslandserfahrenen Studierenden verweist auf den Erwerb von Kenntnissen anderer Arbeits- und Lebenskulturen sowie von fremdsprachlichen Fähigkeiten. „Das Praktikum in den USA hat mir so richtig die Augen geöffnet, was ich kann und was ich nicht kann. Und noch etwas war ganz wichtig: Die Amerikaner gehen an bestimmte Probleme ganz anders ran, so mehr try and error. Das war eine gute Erfahrung, die mir später vielleicht noch hilfreich sein kann. Und dass mein Englisch jetzt viel besser ist, versteht sich von selbst.“

Solche Berichte, wie dieser von einem Maschinenbaustudenten an einer Fachhochschule, bekommt man fast einhellig von jenen Studierenden zu hören, die längere Zeit im Ausland waren. Demnach zahlen sich interkulturelle Kompetenzen und fremdsprachliche Fähigkeiten im späteren Beruf aus.

Daran dürfte kein Zweifel bestehen. Schließlich gibt es inzwischen kaum ein mittelständisches Unternehmen, das nicht auf dem internationalen Markt agiert. Von den großen Unternehmen ganz zu schweigen. Dementsprechend müssten sie alle auch Interesse an auslandserfahrenen Absolventen haben.

So selbstverständlich dies erscheint, so fehlt es doch an Signalen aus der Wirtschaft an die Hochschulen, auf diesen Aspekt der Ausbildung verstärkt Wert zu legen. Ein solches Insistieren ist zumindest für den ingenieurwissenschaftlichen Nachwuchs bislang ausgeblieben. Die Unternehmen könnten in Zusammenarbeit mit den Hochschulen dazu beitragen, den Studierenden aufzuzeigen, welchen Gewinn an Fachwissen und Schlüsselqualifikationen sie vom Studieren in anderen Ländern erwarten.

Mobilitätsfenster in Studiengängen spielen wichtige Rolle

Natürlich muss man sich fragen, ob dies der einzige Grund ist, warum sich die Studierenden bei Auslandsaufenthalten zurückhalten. Auch darauf geben die HIS-Studien Antwort. Eine wichtige Beobachtung ist, dass überall dort, wo Auslandsaufenthalte eingeplant sind, wo in den Studiengängen sogenannte Mobilitätsfenster bestehen, die Praktika oder Studienaufenthalte im Ausland ohne größeren Studienzeitverzug ermöglichen, die Zahl der auslandsaktiven Studierenden deutlich höher ausfällt.

Solche studienorganisatorischen Festlegungen stellen noch eine Ausnahme dar, sie sind eher an Fachhochschulen als an Universitäten zu finden. Das muss nicht verwundern, sondern steht im Zusammenhang mit den an FH häufiger anzutreffenden siebensemestrigen Studiengängen, die mehr Zeit lassen für Praxiserfahrungen und eben auch für Auslandsaufenthalte.

Ohne solche organisatorische Unterstützung ist es für Ingenieurstudenten schwierig, eine längere Studienphase im Ausland zu absolvieren. Hohe Studienanforderungen sowie das enge Korsett an Studienmodulen und zu erbringenden Prüfungsleistungen führen dazu, dass die Studierenden viel Wert auf die Vereinbarkeit von Studienvorgaben mit Aufenthalten im Ausland legen.

Dazu gehört auch, dass ihre im Ausland erbrachten Leistungen an den heimatlichen Hochschulen ohne größere Probleme anerkannt werden. Solcherart Entgegenkommen von Seiten der Fakultäten und Fachbereiche ist noch nicht selbstverständlich. 60 % der an Auslandsaufenthalten desinteressierten Studierenden begründen ihre fehlende Motivation mit der Überzeugung, dass sie solche Auslandsaktivitäten zu viel Studienzeit kosten.

Aufgabe der Hochschulen Auslandsaufenthalte ins Studium zu integrieren

Auch mangelnde Anerkennung der im Ausland erbrachten Leistungen sowie große organisatorische Mühen werden als Ablehnungsgrund genannt. Es ist Aufgabe der Hochschulen, für bessere Integrationsmöglichkeiten von Auslandsaufenthalten in das Studium zu sorgen. Organisatorische Erleichterungen sind dort gegeben, wo gute Kooperationsbeziehungen zu ausländischen Hochschulen und zu Unternehmen im Ausland bestehen. Auch hier kann die Wirtschaft unterstützend tätig werden.

Trotz der positiven Erfahrungen von auslandserfahrenen Kommilitonen gehen auch in den Ingenieurwissenschaften viele Studierende davon aus, dass sich solche studienbezogenen Auslandsaufenthalte nur schwer finanzieren lassen. Dies ist, neben starker Bindung an Lebenspartner oder Familie und Freunde, ein weiterer Grund, der zur Zurückhaltung bei Auslandsphasen führt.

Allerdings erweisen sich gerade diese Studierenden häufig als unzureichend informiert. Der DAAD bietet gerade in dieser Hinsicht ein umfangreiches Beratungs- und Unterstützungsangebot. Manche Studierende wissen nicht, dass der Austausch im Rahmen des Erasmus-Programms, das auch Praktika mit einschließt, mit einem Stipendium verbunden ist. Sie kennen nicht das Auslands-BaföG und haben keine Informationen darüber, dass die Hochschulen bestimmte Aktivitäten finanziell unterstützen. Gute Informationen und gute Planung eröffnen viele Möglichkeiten.

„Bei uns ist es fast selbstverständlich, ins Ausland zu gehen. Jeder weiß, dass das viel bringt. Ich hatte das Gefühl, im Ausland zum ersten Mal richtig selbstständig sein zu können und zu müssen. Wer bei uns ins Ausland will, erhält alle Unterstützung.“ Diese Erfahrung eines jungen Maschinenbaustudenten der FH Karlsruhe belegt, dass studienbezogene Auslandsaufenthalte auch in den Ingenieurwissenschaften ein wichtiger Studienbestandteil sein können. Vor allem dann, wenn die Hochschulen und die Wirtschaft an einem Strang ziehen.

www.go-out.de

Von C. Habbich/U. Heublein

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