Hochschule

Auf der Suche nach fünf Leuchttürmen

Der Abschied vom guten alten „Dipl.-Ing.“ fällt vielen Hochschulen schwer, Bachelor und Master setzen sich nur langsam durch. Der Stifterverband unterzog 91 dieser neuen Bildungswege einem harten Test. Das Ergebnis ist ernüchternd – vor allem für die Ingenieurwissenschaften.

Als sich 33 europäische Bildungsminister 1999 in Bologna zusammenfanden, um gemeinsam Kurs in Richtung eines einheitlichen Hochschulraumes zu nehmen, war von „Aufbruchstimmung“ die Rede. Die Zwischenbilanz des nun vier Jahre währenden „Bologna-Prozesses“ sieht hierzulande wenig verheißungsvoll aus. Wenn die Bildungsminister sich im September in Berlin zur Folgekonferenz treffen, wird die deutsche Vertreterin Edelgard Bulmahn auch von einer zähflüssigen Entwicklung erzählen müssen.
Wasser auf die Mühlen all jener, die die deutsche Ingenieurausbildung nicht wirtschaftsorientiert genug sehen, sind die jüngsten Erkenntnisse des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft. Fünf Studiengänge Marke Bachelor und Master wollten die Hochschulsponsoren mit dem Prädikat „ReformStudiengänge“ versehen. Mehr als vier dieser neuen Ausbildungsgänge ließen sich aber nicht auftreiben, was laut Stifterverband den „Stand des Reformprozesses an den Hochschulen“ widerspiegele. Die Kritik zielt vor allem auf die mangelnde Berufsbefähigung der Studierenden, auf die geringe Abstimmung mit Unternehmen und auf den wenig transparenten Übergang vom Bachelor zum Master. Einige Hochschulen scheuten auch nicht davor zurück, alten Inhalten neue Titel überzustülpen. „Gerade die Ingenieurwissenschaften tun sich mit der Umstellung auf die neuen Studiengänge schwer“, berichtet Prof. Roland Fischer, Mitglied der Jury. „Wenn umgestellt wird, dann häufig als Parallelangebot zu den weiter angebotenen Diplomstudiengängen, weil man von der Akzeptanz der neuen Abschlüsse noch nicht überzeugt ist.“
Aber nicht allein die Hochschulen bekommen ihr Fett ab: „Viele der Studiengänge, die in unserem Verfahren nicht einmal die Endrunde erreichten, sind von Akkreditierungsagenturen bereits akkreditiert worden“, kritisiert Dr. Ekkehard Winter, stellvertretender Generalsekretär des Stifterverbandes, die Qualitätskontrolle durch Externe. „Hier müssen die Akkreditierungsagenturen in Zukunft dringend ihre Hausaufgaben machen.“ Eine solche Kritik weist Dr. Iring Wasser von der „Akkreditierungsagentur für Studiengänge der Ingenieurwissenschaften, der Informatik, der Naturwissenschaften und der Mathematik“ (ASIIN) als „zu pauschal“ zurück: „Wir haben Kriterien für Bachelor- und Masterstudiegänge entwickelt, um auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich zu sein. Die hohen Qualitätsstandards werden stringent angelegt. Wenn wir feststellen, dass massive Defizite vorliegen, machen wir den Verantwortlichen neue Auflagen.“
Winter sieht dies anders: „Nur wenigen neuen Studiengängen gelingt es, sich tatsächlich neu zu erfinden.“ Zu ihnen gehören neben „Philosophy and Economics“ an der Universität Bayreuth, „Sozialwissenschaften“ an der Universität Düsseldorf, „Biowissenschaften“ an der Universität Münster auch die seit dem Wintersemester 2000 angebotenen Studiengänge „Mechanical and Process Enginering“ der TU Darmstadt. „Viele Ingenieure an Hochschulen sagen: ,Unsere traditionelle Ausbildung ist nicht mehr zu toppen, was sollen wir da noch verändern?´“, berichtet Dr. Volker Meyer-Guckel vom Stifterverband. „Die TU Darmstadt mit ihrem Bereich Maschinenbau hat gezeigt, dass diese Behauptung nicht zutrifft.“
Die Darmstädter Maschinenbauer hätten bewiesen, dass sechs Semester reichen, um fähige Ingenieure ins Berufsleben zu entlassen – allerdings nur unter großer Opferbereitschaft. Meyer-Guckel: „Es handelt sich um ein höchst anspruchsvolles Studium, bei dem man auf viel Freizeit verzichten muss.“ Der Workload, also die für das Jahr veranschlagte Stundenzahl, sei mit rund 2000 Stunden angesetzt, 200 Stunden mehr als die Mindestanforderung. Um den zeitlichen Aufwand nicht explodieren zu lassen und um das Lernen am Objekt anschaulicher zu gestalten, sind die Soft-skills, darunter die Betonung von Teamarbeit und Vortragstechniken, in die Projektarbeit eingebettet. „Im Masterstudium gehört auch “Projektmanagement“ zum Lehrplan, ein Inhalt, den nur wenige Hochschulen anbieten“, so Meyer-Guckel.
„Wir haben keinen Stein auf dem anderen gelassen und das Studium vollkommen neu konzipiert“, erläutert Fachgebietsleiter Prof. Manfred Hampe. Bereits im ersten Semester wird den Studenten alles abverlangt. „Wir konfrontieren sie mit komplexen Aufgaben, die in kurzer Zeit zu lösen sind.“ Der intensive Einstieg verschleiert den Lernenden nichts, alle erfahren rechtzeitig, wie anspruchsvoll das Studium ist. „Es hat sich gezeigt, dass die Abbrecherquote bei weitem nicht mehr so hoch wie früher ist.“
Die Zeiten, als das Grundstudium fast ausschließlich aus Mathematik, Physik, Mechanik und Chemie bestand, sind vorbei. Hampe: „Die eigentlichen Kernfächer des Maschinenbaus tauchen jetzt bereits in der frühen Phase des Studiums auf. Auch werden Fächer nicht mehr isoliert gelernt. So ist die Ausbildung “Maschinenelemente“ eng an “Mechatronik“ gebunden.“ Dem hohen Anspruch werden die Studenten nie ohne fachliche und psychologische Hilfe ausgesetzt. Im „MechCenter“ stehen ihnen vier Mitarbeiterinnen bei Fragen zum Studium, zu Prüfungsangelegenheiten, Praktika oder Auslandsaufenthalten zur Seite.
Bevor die Darmstädter in den Genuss des Fördergeldes in Höhe von drei Mal 100 000 € kommen, müssen sie allerdings den Diplomstudiengang im gleichen Fach bald möglichst einstellen. Der Stifterverband pocht auf einen „echten Schnitt“ zwischen alten und neuen Studiengängen.      W. SCHMITZ

Bachelor und Master
Grenzenlos studieren
Das konsekutive Bachelor-Master-System ist zurzeit in über 80 % aller Länder vertreten, in Deutschland seit 1998. Hochschulen bieten zunächst einen ersten Abschluss, den stark praxisorientierten Bachelor, der entweder direkt ins Berufsleben oder in den weiterführenden Master mündet, der ebenso wie der traditionelle Diplomstudiengang einer Universität auch Karrieren in Forschung und Wissenschaft ermöglicht. Bachelor und Master sollen vor allem die internationale Übertragbarkeit von Abschlüssen gewährleisten. ws

Von Wolfgang Schmitz

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