Hochschule

Auf den Spuren Humboldts

Die Stärkung der Forschung und den Ausbau des universitären Profils hat sich Walter Chr. Zimmerli, künftiger Präsident der privaten Universität Witten/Herdecke, vorgenommen. Eine Reduzierung der Hochschule auf eine reine Business-School soll es nach seinem Willen nicht geben.

Warum unterbricht ein Professor seine nicht gerade schlecht dotierte Lehrtätigkeit an einer staatlichen Universität, um an eine private Hochschule zu wechseln? Im Herbst wird Walther Christoph Zimmerli, Ordinarius für Philosophie an der Universität Marburg, Präsident der Universität Witten/Herdecke, die 1982 von Konrad Schily als erste private Universität der Bundesrepublik gegründet wurde. Für Zimmerli ist die Leitung dieser Universität die „derzeit spannendste Herausforderung in der bildungspolitischen Landschaft“.
Witten/Herdecke ist zum Synonym für eine Hochschule geworden, die sich weitgehend vom Gängelband des Staates gelöst hat, die sich ihre Studenten selbst aussucht und die sich überwiegend von Spenden aus der Wirtschaft und von privaten Mäzenen finanziert. Studenten wie Dozenten und Professoren verstehen die kleine Hochschule im Ruhrgebiet als Elite-Universität, ohne ideologischen Beigeschmack. Ihr erklärtes Ziel: die Ausbildung von Führungspersönlichkeiten für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.
Der künftige Mann an der Spitze der Uni Witten/Herdecke ist ein Modernisierer, der jedoch nicht die gängigen Thesen vieler Hochschulreformer teilt. Aus dem Wechsel von Marburg nach Witten/Herdecke lasse sich keineswegs schließen, daß private Hochschulen grundsätzlich besser seien als staatliche. Weil sie unterschiedliche Aufgaben erfüllen, plädiert Zimmerli für eine Arbeitsteilung: Staatliche Universitäten erfüllen einen politischen Bildungsauftrag und bieten deshalb ein breites Fächerspektrum an. Private Hochschulen jedoch hätten die Freiheit, ihr eigenes Profil zu bilden und zu experimentieren. Sie seien flexibler, wenn es darum geht, neue Studiengänge einzurichten, die Wissenschaft mit der Praxis zu verknüpfen oder neue Formen in der Lehre zu erproben.
Nicht ohne Skepsis beobachtet Zimmerli, wie in vielen Bundesländern sogenannte Globalhaushalte an staatlichen Hochschulen eingeführt werden. Damit soll den Universitäten größere Verantwortung für ihr Budget übertragen werden. Doch der Umgang will, so Zimmerli, erst noch gelernt sein. Dieser Lernprozeß brauche seine Zeit. Globalhaushalte sollen auch dazu führen, so die Hoffnung vieler Wissenschaftsminister, daß sich Hochschulen stärker am Markt orientieren. Für Zimmerli verträgt sich eine solche unternehmerische Ausrichtung gerade nicht mit der Aufgabe öffentlicher Hochschulen, die eine „akademische Bildung in der ganzen Breite“ anbieten und sich deshalb auch nicht zu sehr von Marktschwankungen abhängig machen sollten.
Welches Profil soll die Universität Witten/Herdecke gewinnen? Nach den Jahren der Gründung werden nun die Weichen neu gestellt, Konsolidierung stehe auf dem Programm, so der designierte Präsident. Das Wichtigste: Zimmerli will die Forschung verbessern. Die kleine Hochschule soll durch „fachliche Exzellenz“ bestechen. In einem Gutachten hat der Wissenschaftsrat der Uni Witten/Herdecke zwar gute Leistungen in der Lehre attestiert, vor allem in der Medizin, doch lasse die Forschung zu wünschen übrig, so das hochrangige Expertengremium, das Bund und Länder in der Wissenschaftspolitik berät.
Ihre Kritik: Die Forschungsleistungen seien nur punktuell hervorragend, auf vielen Gebieten gebe es Defizite. Auch Zimmerli räumt Probleme ein. Allerdings würden nicht alle Forschungsleistungen, die im Rahmen der Uni Witten/Herdecke erbracht werden, ihr auch zugeordnet. Da die Hochschule mit zahlreichen externen Einrichtungen zusammenarbeite, in der Medizin zum Beispiel mit 18 Kliniken, würden Forschungsergebnisse oft nicht der Hochschule, sondern den Kooperationspartnern gutgeschrieben.
Das Fächerspektrum, so Zimmerlis Pläne, soll in den nächsten Jahren erweitert werden. Welche Studiengänge hinzukommen, steht noch nicht endgültig fest. Der designierte Präsident kann sich vorstellen, daß neben Medizin, Wirtschafts- und Naturwissenschaften künftig auch Rechts- und Ingenieurwissenschaften angeboten werden. In den technischen Fächern sei ein eigenständiger Diplomstudiengang jedoch nicht geplant. Zimmerli denkt an eine Zusammenarbeit mit den benachbarten Hochschulen in Bochum, Dortmund und Wuppertal. Der Aufbau einer kompletten ingenieurwissenschaftlichen Fakultät wäre schlichtweg zu teuer. Einen Anknüpfungspunkt für technische Fächer gibt es mit der Fakultät für Umweltwissenschaften bereits.
Zimmerli, Autor zahlreicher Veröffentlichungen zur Philosophie der Wissenschaften und der Technik, ist ein Verfechter des Humboldtschen Bildungsideals. Die Einheit von Forschung und Lehre, die Zusammenarbeit über die engen Fachgrenzen hinweg und die Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden seien nur an einer kleinen und überschaubaren Hochschule zu praktizieren. Ein Abglanz der Utopie Humboldts ist in Witten noch zu beobachten: Alle Studenten müssen dort eine geistes- und kulturwissenschaftliche Ausbildung, das Studium Fundamentale, absolvieren, gleich in welchem Fach sie eingeschrieben sind. Diese Ausbildung will Zimmerli weiter aufwerten, zum Beispiel durch die Einrichtung von Aufbaustudiengängen, aber auch durch die Gewinnung weiterer Spitzenprofessoren.
Wie weit reicht die Reformkraft des künftigen Präsidenten Zimmerli? Mark Wössner, Vorsitzender des Direktoriums der Hochschule und Vorstandschef des Groß-Sponsors Bertelsmann-Stiftung, soll nach Presseberichten ein anderes Konzept verfolgen: eine Kaderschmiede für den Nachwuchs von Führungskräften in der Wirtschaft und damit eine stärkere Konzentration auf die harten wirtschaftswissenschaftlichen Fächer. Doch Zimmerli, der zugibt, diese „Gerüchte“ zu kennen, sie aber für unbegründet hält, beharrt auf dem universitären Charakter von Witten/Herdecke. Gegenüber dem Aufsichtsgremium der Universität hat er erklärt: „Für die Leitung einer Business-School bin ich nicht kompetent, das kommt daher für mich nicht in Frage“.
HARTMUT STEIGER
Elite-Ausbildung ohne elitären Beigeschmack: Die private Uni Witten/Herdecke steht vor einer Weichenstellung.
Walther Chr. Zimmerli: „Die spannendste Herausforderung“ in der Bildungslandschaft.

Von Hartmut Steiger

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