Hochschule

Auch Fachhochschulen brauchen Assistenten

Mit einem neuen Konzept wollen die Fachhochschulen in Schleswig-Holstein den Technologietransfer mit der Wirtschaft verbessern.

Hans-Jürgen Block nutzt jede Gelegenheit, Forschung und Entwicklung als wichtiges Instrument einer Wirtschafts- und Strukturpolitik anzupreisen: „Es stellt sich schon lange nicht mehr die Frage, ob an Fachhochschulen geforscht werden soll, sondern in welcher Form und wie dies organisiert und finanziert werden kann.“
Von Schleswig-Holstein bis Bayern gehe es im Wettbewerb um Betriebsansiedlungen und Arbeitsplätze längst nicht mehr allein um Autobahnanbindungen und Gewerbeflächen, so der Rektor. „Technologiepolitik ist zum Standortfaktor geworden, Technologietransfer zum Hoffnungsträger für Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum.“
Doch so einfach ist der Know-how-Transfer nicht. An den Fachhochschulen warten nicht, wie häufig vermutet, eine Unmenge von Forschungsergebnissen darauf, umgesetzt zu werden. Zuerst müssen vielmehr Wirtschaft und Forschung zusammengebracht, gemeinsame Projekte entwickelt und wirtschaftsnahe Forschung und Entwicklung (F+E) aufgebaut werden.
Forschung hat an Fachhochschulen keine Tradition. Mit dem „Pro Transfer FH & Wirtschaft“-Konzept, das Rektor Block gemeinsam mit seinen schleswig-holsteinischen Fachhochschul-Kollegen ausgearbeitet hat, will sich der Rektor der FH Heide für transferfreundliche, gesetzliche, personelle, organisatorische und finanzielle Rahmenbedingungen einsetzen.
Eine Forderung an die Landesregierung in Kiel, die derzeit das Hochschulgesetz novelliert, ist die Schaffung einer geeigneten Personalstruktur, die bisher nicht auf die Forschung ausgerichtet ist. 18 Wochenstunden sind für Professoren Pflicht – an der Universität dagegen nur acht Stunden. „Die Wochenstunden müssen auf zwölf reduziert werden, um den Professoren mehr Freiräume für die Forschung zu geben“, so Rektor Block.
Und zu den auf Dauer angestellten Laboringenieuren fordern die Hochschulen zeitlich befristete Assistentenstellen, die an Projekten zu FuE und zum Technologietransfer mitarbeiten können. Hochschul-Absolventen, die für diese Aufgaben geeignet wären, können aufgrund der meist geringen Vergütung nur selten gehalten werden.

Das Potenzial der Hochschulen wird erst wenig genutzt

Auch die Hochschulen selbst können nach Meinung von Block noch intensiver über Praxissemester, Diplomarbeiten und Projekte mit den Unternehmen kooperieren und den Transfer intensivieren. „Dies erfordert vielfältige Aktivitäten im Sinne eines Aufeinander-Zu-Gehens.“ Denn das Potenzial der Hochschulen werde noch viel zu wenig genutzt. „Es ist noch längst nicht in allen Köpfen drin, in welcher Form Technologietransfer möglich ist.“
Dieses Problem kennt auch Professor Joachim Heise von der Fachhochschule Kiel: „Firmen wissen nicht immer genau, was an einer Hochschule abläuft. Häufig werden wir als Spinner im Elfenbeinturm gesehen, die nur Geld kosten.“
Zu Beginn musste der Professor bei den Unternehmen „Klinkenputzen“ und zeigen, was er ihnen bieten kann. Angefangen hat es vor zehn Jahren. Im Rahmen eines Projektes des Bundesministeriums für Forschung und Bildung wurde das Programm „Computer Integrated Manufacturing“ (CIM) ins Leben gerufen. „Unsere Aufgabe damals war, die Unterstützung der kleinen und mittleren Unternehmen bei der Einführung von rechnergestützter Technologie herstellerneutral zu unterstützen“, erklärt Heise.
Doch allein mit der Beratung sei diese Einrichtung nach Ablauf des Projektes und Streichung der Bundesgelder im Jahre 1992 nicht lebensfähig gewesen. Eine neue Idee musste her. Mit anwendungsorientierten Projekten bewegten Heise und seine Kollegen das Land Schleswig-Holstein, die mittlerweile mit sechs Ingenieuren an der Fachhochschule Kiel angesiedelte Einrichtung auch weiterhin zu fördern. Heise: „Der Bedarf der Wirtschaft an Transfer von Wissen und Technologie war vorhanden.“
Die Unternehmen wollten jedoch nicht nur einen Lösungsweg haben, sondern konkrete Hilfe, zum Beispiel die Auswahl eines Produktionsplanungs- und Steuerungssystems oder die Einführung einer CAD-Software nebst Schulung. Dabei dreht es sich nicht um die Neuentwicklung von Produkten, sondern um das Schreiben von Schnittstellen, die es am Markt nicht zu kaufen gibt.

Studenten werden mit der neuesten Technik konfrontiert

Die Hochschule profitiert ebenfalls vom Know-how-Tansfer. Mit einigen Projekten wird Geld erwirtschaftet, das in die technische Ausstattung der Hochschule investiert werden kann. Der Vorteil für die Studenten: Sie werden mit aktuellen Entwicklungen am Markt konfrontiert. Und mit praxisnah ausgebildeten Studenten liefert das Institut auch indirekten Technologietransfer. Als Konkurrenz zur Wirtschaft sieht Heise dieses Institut nicht. „Wir bewegen uns in Bereichen, die sonst nicht abgedeckt werden. Unser Hauptaugenmerk gilt der Produktionstechnik, und in diesem Bereich gibt es in Schleswig-Holstein nichts.“ Zudem, so Heise, könne das Institut auch gar keine größeren Stückzahlen fertigen.
Über Umwege hat das CIMTT auch die Möglichkeit, mit Absolventen zu arbeiten. Beschäftigt werden diese bei der Forschungs- und Entwicklungszentrum Fachhochschule Kiel GmbH, das 1995 gegründet wurde und die Forschung vermarktet. Bei der F+E GmbH werden Absolventen für einige Wochen oder Monate angestellt, bei der Fachhochschule werden die Projekte abgewickelt.
Die Möglichkeit, Studenten auch nach Abschluss des Studiums für einen bestimmten Zeitraum zu beschäftigen, sind an einer Fachhochschule eher begrenzt. Einstellungsverfahren sind meist langwierig und wenig flexibel. „Und für eine Diplomarbeit sind manche Projekte zu schwierig und zu umfangreich“, meint FHW-Rektor Block, der eine gute Lösung in den ein- bis zweijährigen Master- oder Bachelorstudiengängen sieht, die auf ein bereits absolviertes Studium aufbauen und sich langsam an Deutschlands Hochschulen entwickeln. „Das höhere Niveau würde den Fachhochschulen zusätzliche Möglichkeiten für einen qualifizierten Technologietransfer eröffnen“, erläutert Hans-Jürgen Block.
„Wir haben gezeigt, dass professioneller Technologietransfer möglich ist, wenn die Rahmenbedingungen stimmen – in der Startphase hatten wir – im Rahmen des Programmes des Bundesministeriums für Forschung und Bildung – Geld und Personal“, so Heise. Doch daran wird es in Zukunft hapern. In Zeiten knapper Kassen sind die Fachhochschulen daher auf öffentliche Drittmittel angewiesen. Doch die gibt es kaum. „Ich mache mir keine Illusionen darüber, dass in hohem Maße öffentliche Gelder zu den Unis fließen“, so FHW-Rektor Block.
ANGELA SCHMID
Hans-Jürgen Block: „Technologiepolitik ist zum Standortfaktor geworden.“

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  • Angela Schmid

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