Hochschule

Arbeitgeber begrüßen Karlsruher Urteil

VDI nachrichten, Berlin, 4. 2. 05 -Eher reserviert als offensiv reagieren deutsche Arbeitgeber auf das Ende des Studiengebührenverbots. Die Palette reicht von starker Skepsis und der Befürchtung, einige Bevölkerungsschichten vom Studieren abzuschrecken, bis zur weiter gestreuten Meinung, dass die Gebühren für „viel frischen Wind“ in deutschen Hochschulen und letztlich auch Unternehmen sorgen werden.

Dass sich „eine ganze Studentengeneration mit einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts beschäftigt“, gefällt dem Berliner Unternehmer Michael Sandrock. „Quer durchs Land und alle Disziplinen“ sei vom akademischen Nachwuchs lange nicht so kontrovers diskutiert worden wie beim Thema Studiengebühren.
Seit dem Karlsruher Urteilsspruch vom 26. Januar melden sich Politiker, Bildungs- und Arbeitsmarktexperten aufgeregt zu Wort. Viele Arbeitgeber dagegen sehen wenig Grund zur Sorge.
„Wie wir als Unternehmen auf die Einführung von Studiengebühren in Deutschland reagieren werden, lässt sich im Moment noch gar nicht sagen, da noch nicht feststeht, welches Bundesland wann welche Gebühren erheben wird“, sagt Michael Huge, Head of Human Resources beim Berliner Informationstechnologie-Dienstleister gedas. „Generell“, so der Personalchef von rund 5000 Mitarbeitern in weltweit 13 Ländern, „ist Bildung eine Investition in die Zukunft“ und sollte „möglichst breiten Bevölkerungsschichten“ offen stehen.
Ähnlich ist auch die Einschätzung von Johannes Sczepan, Geschäftsführer der Finanzberatungsgesellschaft Plansecur in Kassel, die gerade mit einem Preis als Top-Arbeitgeber ausgezeichnet wurde. Sczepan: „Wir brauchen in Deutschland eher mehr als weniger Akademiker. Deshalb würde ich die Grundgesamtheit derer, die ein Studium aufnehmen wollen, vorher nicht unnötig beschränken.“ Da Studiengebühren „eher abschreckend wirken“, stehe sein Unternehmen deren Einführung „eher skeptisch gegenüber.“
In der Münchner Konzernzentrale von Siemens dagegen wundert man sich über solch vorsichtige Skepsis. „Wo ist das Problem?“, fragt man sich beim Global Player mit 430 000 Mitarbeitern weltweit, denn: „Studiengebühren sind doch international eine Selbstverständlichkeit.“
Nur die wenigsten Universitäten plädieren hier zu Lande dafür, Studiengebühren schnellstmöglich einzuführen. 1970 wurde die Kostenbeteiligung der Studenten an ihrer Ausbildung abgeschafft, um breiteren Bevölkerungskreisen den Zugang zur akademischen Laufbahn zu erleichtern. Mit mäßigem Erfolg. In Deutschland entscheiden sich extrem wenig junge Leute für ein Studium: 35 % gegenüber 51 % eines Jahrganges im OECD-Durchschnitt. Und die wenigen Studierenden drücken auch noch vergleichsweise lange die Hochschulbank: 6,0 gegenüber 4,8 Jahre im OECD-Vergleich.
Die Wiedereinführung des studentischen Obolus wird deshalb insbesondere in Wissenschaftskreisen als Möglichkeit gesehen, wenigstens für mehr Qualität und Tempo zu sorgen und damit den internationalen Anschluss zu sichern. Arend Oetker, Präsident des Stifterverbandes, jedenfalls ist zuversichtlich: „Mit diesem Urteil werden die Hochschulen in Deutschland nun endlich in die Lage versetzt, international wettbewerbsfähig zu werden.“
Prof. Gerard Radnitzky ist da nicht so sicher. Der Wissenschaftstheoretiker an der Universität Trier fordert: „Die Einführung der Studiengebühren muss mit einer generellen Reform der Hochschullandschaft gekoppelt werden. Die Bildungspolitik hat die Massen in die Universität gezwängt und damit eine Inflation an Studenten und Dozenten verursacht.“ So spricht sich Radnitzky für die Förderung hoch begabter Studenten aus Steuermitteln aus. Diese liege „im nationalen Interesse, von der Wirtschaft bis zur nationalen Repräsentation in der Wissenschaft“. Der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Jürgen Zöllner wiederum sagt: „Deutschland braucht deutlich mehr Studenten, um international seine Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten.“
Doch so weit die Meinungen auch auseinander liegen, alle kreisen mehr oder weniger um die Zahlen des OECD-Bildungsberichts. Wilhelm Staudacher, Generalsekretär der Konrad-Adenauer-Stiftung, nennt sie „alarmierend“. Im Durchschnitt der 29 OECD-Staaten kommen nämlich auf 100 000 Beschäftigte rund 1500 Ingenieure oder Naturwissenschaftler. In Deutschland dagegen sind es gerade einmal 1040. Für Staudacher bedeutet das: „Beim globalen Tauziehen um die Talente in allen Zukunftssparten wird unser Ende des Seils immer kürzer.“
Im Wissen darum, dass international aufgestellte Unternehmen wie DaimlerChrysler, Deutsche Bahn oder Siemens schon seit Jahren Rekrutierungs- und Personalentwicklungsprogramme aufgebaut haben, die dem globalen Wettbewerb um die besten Mitarbeiter durchaus Rechnung tragen, sagt Staudacher: „Die OECD-Studie bedeutet nicht, dass Deutschland insgesamt schlechter geworden ist.“ Doch der Umkehrschluss, „dass die anderen einfach wesentlich besser geworden sind“, beruhigt den Stiftungschef ebenso wenig wie Telematicspro-Vorstand Michael Sandrock. Der Sprecher des bundesweit 145 Mitglieder zählenden Technologieverbands ist allerdings zuversichtlich, dass die Einführung von Studiengebühren für „viel frischen Wind“ in den Universitäten sorgen wird. Mit dem studentischen Obolus werde „endlich auch an den Hochschulen dem allgemein akzeptierten Verursacherprinzip Rechnung getragen“, bei dem zur Kasse gebeten wird, wer etwas in Anspruch nimmt.
So erfahre der akademische Nachwuchs „die Relation von Aufwand und Ertrag am eigenen Geldbeutel“. Und das sei eine der wichtigsten Voraussetzungen, um in einem mittelständischen Unternehmen reüssieren zu können. Anders als Großkonzerne, die Nachwuchstechnikern das notwendige betriebswirtschaftliche Denken gegebenenfalls in unternehmenseigenen Akademien vermitteln könnten, müsse der Mittelstand auf Kandidaten setzen, „die unternehmerisches Denken schon im Bewerbungspaket haben“. Sandrock ist sicher: „Die Einführung der Studiengebühren wird die Anforderungen an den akademischen Nachwuchs deutlich erhöhen.“ R.-C. HENKEL

Von R.-C. Henkel

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