Hochschule

„Angebote kommen nah an Arbeitssituation heran“

Telelearning heißt das allgegenwärtige Schlagwort in der betrieblichen Weiterbildung. Ein Gespräch über die Zukunftsperspektiven von Computer Based Training mit Professor August-Wilhelm Scheer vom Software-Beratungsunternehmen IDS in Saarbrücken.

VDI nachrichten: Unternehmen investieren hohe Summen in die Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter. Wie wird Telelearning die betriebliche Bildung verändern?
Scheer: Lernen findet in Zukunft ganz nah am Bedarf statt. Telelearning erlaubt es den Mitarbeitern, sofort auf Lernen umzuschalten, wenn sie ein Problem lösen wollen. Sie holen sich den benötigten Inhalt aus dem Netz.
VDI nachrichten: Welche neuen Trends bilden sich da heraus?
Scheer: Zum einen wird Lernen ein Just-in-Time-Thema. Die Arbeitswelt in der Wissensgesellschaft verlangt, dass der Lernbedarf im Augenblick des Entstehens befriedigt werden kann. Der Stoff muss sofort verfügbar sein, Wartezeiten werden immer weniger geduldet. Hier kann Telelearning eine sehr wichtige Rolle spielen – denn mit Web Based Training (WBT) wird die Wissensvermittlung losgelöst von Unterrichtszeiten, dem Klassenraum und der Anwesenheit eines Lehrers oder Trainers. Die Grenze zwischen Arbeit und Lernen verschwindet. Wir können in Zukunft nicht mehr so klar sagen: Hier ist Arbeiten, da Lernen. Mittels Telelearning können Lerneinheiten jederzeit in den Arbeitsprozess einfließen, ohne ihn unterbrechen zu müssen.
VDI nachrichten: Wie werden sich die Kosten von Weiterbildung entwickeln?
Scheer: Telelearning erfordert natürlich am Anfang Investitionen in die neue Struktur. Die Lernenden brauchen Computer mit Internet-Zugang. Seitens des Unternehmens müssen die Inhalte medial aufbereitet werden. Aber beim Telelearning entfallen auch ganze Kostenblöcke: Es gibt keine Reisekosten mehr, keine Unterbringungskosten, keine tote Zeit, die auf Reisen verbracht werden muss. Diese Kosteneinsparungen sind Faktoren, die die Ausbreitung von Telelearning begünstigen werden.
VDI nachrichten: Sehen Sie nicht die Gefahr, dass Lernende in den Weiten der digitalen Welt untergehen?
Scheer: Dieses Risiko existiert zwar, hat aber für die Praxis keine Bedeutung. Denn für erfolgreiches Telelearning werden mediengestützte Elemente mit Präsenzunterricht kombiniert. Wir nutzen den digitalen wie den menschlichen Faktor – jeden mit seinen Stärken. Medienlernen ist sehr erfolgreich für Wissensvermittlung und Informationsaufnahme. Es geht schnell, ist 24 Stunden verfügbar, das entspricht dem verbreiteten Convenience-Trend. Damit kommen die Angebote ganz nah an die Arbeitssituation der Lernenden heran. Das ist der große Vorteil, wenn die Dinge über das Netz verbreitet werden. Aber erst in der Verknüpfung liegt der Erfolg: Telelearning wird durch eine Coaching-Funktion ergänzt. Der Lehrer aus Fleisch und Blut ist gefragt, wenn es um Interaktion geht, wenn der Stoff diskutiert werden soll, um aktuelle Vertiefungsfragen zu bearbeiten. Außerdem, denke ich, ist Präsenzlernen dort wichtig, wo es um soziale und persönliche Fähigkeiten geht. Hier sind Anleitung und direktes Feedback wichtig.
VDI nachrichten: Überall ist von lebenslangem Lernen zu hören. Welche Konsequenzen hat das für die Unternehmen?
Scheer: Die Wissensgesellschaft erfordert permanentes Lernen. Vorratslernen hat ausgedient: Es reicht nicht mehr, einen jungen Menschen einmal im Leben mit Wissen vollzustopfen, und ihn dann in die Arbeitswelt zu schicken. Einmal erworbenes Wissen veraltet heute viel schneller als früher. Die Konsequenz: Wissen sollte ständig aktualisiert werden. Berufstätige, die in der Wissensgesellschaft nicht zurückfallen wollen, müssen sich dieser Herausforderung stellen. Arbeiten und Lernen gehören heute untrennbar zusammen. Weiterbildung ist Bestandteil des Arbeitsprozesses. Aktualisierung von Wissen ist eine Daueraufgabe.
VDI nachrichten: Wie greifen Unternehmen diese Aufgabe auf?
Scheer: Auch in Deutschland werden immer mehr Corporate Universities gegründet. Das ist die Uni nach der Uni – es reicht eben nicht mehr, einmal für ein paar Semester in den Hörsaal zu gehen. An einer Corporate University wird betriebliches Lernen systematisiert. Außerdem gibt es hier die Chance, Weiterbildung mit der Unternehmensstrategie zu verknüpfen. Die Corporate University dient dazu, das im Unternehmen vorhandene Wissen zu pflegen und weiterzuentwickeln.
VDI nachrichten: Wie reagieren die Universitäten auf diese Entwicklung?
Scheer: Hier wäre sicher auch ein Markt für staatliche Universitäten. Viele haben sich formal auch der beruflichen Weiterbildung verpflichtet – aber meist gibt es noch kaum Engagement auf diesem Gebiet. Die Organisationsform der Universität ist nicht unbedingt geeignet, um den Bedürfnissen der Unternehmen entgegenzukommen. Sinnvoll wäre es, wenn eine Universität eine eigenständige Einheit gründen könnte, die sich um Firmenkunden kümmert, denn ein einzelner Professor wird kaum eine Leistungsvereinbarung mit einem Unternehmen abschließen können. Wichtig sind kundenorientierte Angebote und eine gesicherte Qualität. Das kann eine speziell auf diese Zwecke zugeschnittene GmbH leichter leisten.
VDI nachrichten: Werden Universitäten und Corporate Universities im Wettbewerb stehen?
Scheer: Der Bildungsmarkt ist groß genug für beide. Aber jede Einrichtung sollte sich auf ihre eigenen Kompetenzen spezialisieren. Die Corporate University wird in erster Linie Wissen mit unmittelbarem beruflichem Nutzen vermitteln. Sie ist an ein Unternehmen gebunden. Die klassische Universität wird sich eher auf langfristig Nützliches konzentrieren: In der Wissensgesellschaft ist Lernen wichtig: der Umgang mit neuem Wissen, die Erschließung von neuen Informationsquellen, das Sortieren, Gewichten und Einordnen. Überdies natürlich der Umgang mit Medien – wir brauchen heute Medienkompetenz, so wie junge Menschen Lesen und Schreiben lernen. AXEL GLOGER
Die Verschmelzung von Lernen und Arbeiten ist das bestimmende Merkmal der Telelearning-Prozesse.
Prof. August-Wilhelm Scheer plädiert für die forcierte Nutzung des Web-Based-Trainings bei der beruflichen Weiterbildung.

Von Axel Gloger

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