Hochschule

Alte Berufsbilder im Verjüngungsprozess  

VDI nachrichten, Berlin, 18. 3. 05 – Die Hochschulreformen mit Bachelor- und Masterstudiengängen bieten die Chance zur Neugestaltung überalterter Berufsbilder. So weit waren sich die Teilnehmer an der Diskussion „Ingenieure der Zukunft“ einig. Wenn die Wirtschaft es aber versäume, dem Wandel an den Hochschulen Rechnung zu tragen und nur maßgeschneiderte Absolventen wünsche, gerate der Wissenschaftsstandort in Gefahr, so Hochschulvertreter Wolfgang Wahlster.

Was bleibt nach Reformierung des Hochschulwesens vom guten Ruf des deutschen Ingenieurs? Wird akademische Ausbildung künftig über einen internationalen Kamm geschoren, und somit auf kleiner gemeinsamer Flamme zubereitet? Deutschland muss und wird seinen Weg finden, der ureigene Qualitäten beibehält, ohne dass Chancen einer Neuausrichtung vertan werden dürfen. Drei Vertreter aus Wissenschaft und Wirtschaft bekannten sich auf einer Diskussion des TÜV in Berlin zu Bachelor- und Masterstudiengängen, waren sich bei der Schwerpunktlegung aber nicht immer einig.

So verblüffte Wolfgang Wahlster, Direktor des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz und Professor für Informatik an der Universität des Saarlandes, mit der Aussage, Bachelor und Master hätten „auf jeden Fall eine Qualitätssenkung“ zur Folge. Das sei nicht weiter schlimm, schließlich sei eine stärkere Differenzierung gewünscht. Es werde Masterstudiengänge geben, die an das Diplom heranreichten, aber auch solche, denen dieses wissenschaftliche Niveau fehle.

Wahlster fand in diesem Punkt Beistand bei Albert Heuser: „Wir brauchen Ingenieure unterschiedlicher Qualifikationen, seien es Leute mit wissenschaftlichem Background oder mit Praxisorientierung, seien es Bachelor, Master oder Promovierte.“ Der BASF-Werksleiter in Ludwigshafen verschwieg aber auch nicht, dass für Unternehmen Bachelor nicht gleich Bachelor, Master nicht gleich Master sind: „Neben der Note achten wir bei den Bewerbern auch genau darauf, von welcher Hochschule sie kommen.“

Die Unternehmen dürften nicht den Fehler begehen, so Wahlster, einmal getroffenen Klassifizierungen keine Chance zum Wandel einzuräumen. Damit nähmen sie der Reform den Wind aus den Segeln. Ein Personalchef müsse auch eine renommierte Hochschule vom Ruf der RWTH Aachen ständig auf den Prüfstand stellen.

Ein Bekenntnis zu Bachelor und Master legte auch Klaus-D. Röker, Vorsitzender der Geschäftsführung TÜV-Nord, ab, konstatierte aber ein „großes Wirrwarr“ an deutschen Hochschulen. „Eine einheitliche Bachelor- und Masterregelung besteht nicht“, so dass eine nationale Vergleichbarkeit wie eine mit dem angelsächsischen Raum nicht gewährleistet sei.

Dabei besteht unter den Partnern aus Unternehmen und Hochschulen bezüglich der Studieninhalte große Einigkeit: Der „reformierte“ Ingenieur-Absolvent soll jünger sein als in der Vergangenheit, teamfähig, über mehr betriebswirtschaftliche Kenntnisse verfügen, komplexe Sachverhalte auch für den Laien verständlich erklären können und die englische Sprache beherrschen. Der Verfeinerung vom Generalisten zum Spezialisten würden sich die Unternehmen schon annehmen, fügte Röker hinzu.

Als „enorme Chance“ sieht Heuser von BASF die Internationalisierung der Studiengänge sowie die verstärkte Einwanderung von Jungakademikern aus China und Indien. „Am Standort Ludwigshafen arbeiten rund 2100 Ingenieure, 50 werden jährlich eingestellt. Da sind wir auf ausländische Fachkräfte angewiesen. Allerdings bestehe die Gefahr, deutsche Qualitätsausbildung fiele deutscher Gründlichkeit zum Opfer. Andere Länder wie Frankreich und Spanien seien weiter, und wenn sich der Reformprozess nicht beschleunige, wendeten sich heiß umworbene Wissenschaftler von Deutschland ab.

Auch Wolfgang Wahlster von der Universität Saarbrücken mahnt, deutsche Vorteile im Wettbewerb um die klügsten Köpfe nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen: Hier zu Lande herrschten doch fast paradiesische Zustände, die auf Wissenschaftler aus aller Welt verlockend wirkten. Hochschuldozenten verdienten mehr als in anderen europäischen Ländern und mit der englischen Sprache täten sich Deutsche leichter als viele andere Nationalitäten.

Für wenig sinnvoll hält Wahlster die Beibehaltung des Diplom-Titels. „In den USA ist ,good german engineering“ bekannt, nicht aber der ,Dipl.-Ing.““ Da sich die Inhalte änderten, solle man diese auch in der Bezeichnung deutlich machen. Klaus-D. Röker befürchtet hingegen, beim Verzicht auf den Diplom-Titel ein deutsches „Qualitätsmerkmal“ fallen zu lassen. „Niemand hindert uns, dem VDI-Vorschlag einer Doppelbenennung zu folgen. Ich glaube, alles andere wäre ein Fehler.“

Hochschulprofessor Wahlster machte ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal zwischen wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Zielsetzung im Reformprozess aus: Es könne nicht Sinn akademischer Lehre sein, für den momentanen Bedarf der Unternehmen auszubilden. „Dazu sind die Hochschulen nicht da. Es wäre ein Armutszeugnis der Wissenschaft, wenn sie nur auf Entwicklungen reagierte. Maßgeschneiderte Mitarbeiter vom Fließband können auch langfristig nicht im Sinne der Industrie sein.“ In diesem Zusammenhang forderte Wahlster größere staatliche Unterstützung bei universitären Forschungsvorhaben.

Kluge Ingenieurköpfe brauche das Land, so die ungeteilte Meinung in Berlin. Vermehrt vor allem in führenden Positionen. „Es ist ein Missstand, dass Firmen, die einst von Ingenieuren gegründet wurden, nun fast nur noch von Juristen und Wirtschaftlern geleitet werden“, befindet Wahlster. Zu Innovationen aber seien insbesondere Ingenieure in der Lage. Ein Fakt, der allein schon zur Unternehmensführung prädestiniere. Und schließlich „kann ein Ingenieur das Kaufmännische erlernen, umgekehrt ist es ungleich schwerer“.

WOLFGANG SCHMITZ

Ein Ingenieur kann das Kaufmännische lernen, umgekehrt ist es schwerer

Von Wolfgang Schmitz

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