Hochschule

Abschied von akademischer Entwicklungshilfe  

VDI nachrichten, Bonn, 12. 12. 08, ws – Nur Nordrhein-Westfalen schließt in Deutschland mit seinen Studienkollegs ein jahrzehntelanges Kapitel Entwicklungshilfe. Die Frage nach den „richtigen“ ausländischen Studienbewerbern ist kein Tabu mehr.

Das meint auch die Düsseldorfer Landtagsopposition von SPD und Grünen. Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul äußert sich freilich differenziert: Sie fördere nur Ausländer, die „bereits eine akademische Ausbildung absolviert haben und diese durch ein Aufbaustudium ergänzen wollen“, also keine Studienkollegiaten, sondern ausgewählte Spieler der akademischen Bundesliga.

In der Frage nach Sein oder Nichtsein staatlicher Studienkollegs geht es im Kern um die viel beschworene Internationalisierung der deutschen Hochschulen. Anfang der 60er Jahre begannen die Kollegs als akademische Brückenbauer für politische Flüchtlinge und Asylsuchende sowie die Gaststudenten aus Entwicklungsländern. Dabei sollten die Fremden aus der Dritten Welt – „Farbige unter Weißen“ hieß der bezeichnende Titel einer soziologischen Doktorarbeit von 1963 – anschließend zu Hause Schrittmacherdienste im Kampf gegen Hunger, Krankheit und Armut leisten. Solche Vorstellungen sind aber „nicht mehr das Leitmotiv“ der heute so genannten „Außenwissenschaftspolitik“, stellt Wedigo de Vivanco fest, Auslandsamtsleiter der Freien Universität Berlin.

Der Deutsche Hochschulverband, die Vertretung der Universitätsprofessoren, erklärt klipp und klar: „Das Aus für die staatlichen Studienkollegs ist nachvollziehbar. Zur Hochschulautonomie gehört zwingend, dass die Hochschulen im Rahmen ihrer Profilierung selbst entscheiden, welche Bewerber sie an sich binden wollen.“ Stefan Bildhauer etwa vom Akademischen Auslandsamt der Uni Köln sagt: Studienkollegiaten sind keine „Zielgruppe“ seiner Hochschule, „keine Marktnische für uns“. Er spricht damit offenbar für alle nordrhein-westfälischen Unis. Jedenfalls hat sich keine auf Minister Pinkwarts verdünntes Ersatzangebot beworben, auf einen Wettbewerb um jeweils fünf bis 15 „Hochschulzugangstipendien“ für die „Besten nach eigener Auswahl“. Für einen zehnmonatigen Vorbereitungskurs winken der Hochschule 5000 € pro Kopf aus der Staatskasse, also ein Drittel der Mittel im Aachener Freshman Year. Nur ein paar FH haben beim Spar-Programm angebissen. „Nein, danke“, lautet die häufigste Antwort im Lande.

Vielmehr denken die Hochschulen gegenwärtig ganz an Exzellenz und Elite. So ist die formelle Zugangsberechtigung (HZB) an der Uni Hamburg nur die notwendige, aber nicht mehr die hinreichende Bedingung für ein Willkommen. Andere Kriterien wie etwa eine Empfehlung geben im Auswahlverfahren den Ausschlag. Alle Ausländer, die an der FU Berlin Wirtschaftswissenschaften studieren wollen, müssen zuvor ein einsemestriges Propädeutikum absolvieren, das sie mit dem hiesigen akademischen Stil vertraut machen soll, mit Fragen und Widerspruch statt Frontalunterricht wie etwa zu Hause in China. Die HZB wird dabei bereits wie selbstverständlich vorausgesetzt.

Am liebsten sehen die Hochschulen wie die Entwicklungsministerin und der Deutsche Akademische Austauschdienst postgraduierte Ausländer, die den Bachelor oder mehr mitbringen. Je nach Herkunftsland lässt sich die HZB zwar auch durch ein paar Semester an der Heimat-Uni erreichen. Die werden freilich nicht angerechnet, der Kandidat muss hierzulande wieder „zurück auf Los“. Dabei beruht seine Hochschulreife auf einer generellen Einschätzung und nicht wie im Studienkolleg auf einer persönlichen Prüfung. Die aber ist ein klarer Erfolgsindikator.“Die Kollegiaten schneiden durchweg deutlich besser ab als alle anderen Ausländer, ihre Abschlussquote liegt je nachdem doppelt so hoch“, stellt der renommierte Statistiker Ulrich Heublein vom Hochschul-Informations-System aufgrund bundesweiter Untersuchungen fest.

Es erscheint also zielstrebiger, die Studienkollegs aus- statt abzubauen. Das ist jedoch eine Geldfrage. Nordrhein-Westfalen stellte bislang 93 Lehrerstellen zur Verfügung und zusätzlich Mittel für Honorarkräfte. Das ganz aus Gebühren bezahlte Aachener Freshman-Program könnte ein sozialverträglicher Neuanfang sein, wenn es auch Stipendien für ärmere Bewerber gäbe. „Die haben wir noch nicht“, erklärt Programmleiter Buchkremer. „Aber das ist mein Ziel, dann wären wir Harvard im Rheinland!“

HERMANN HORSTKOTTE

Von Hermann Horstkotte

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