Interview 10.12.2025, 12:00 Uhr

Warum Re-Skilling im Gehirn Alarm auslöst – und wie wir es trotzdem meistern

Julia Augenstein, Volljuristin, Personalmanagement-Ökonomin, Business Coach und Neuroexpertin, erklärt, warum Re-skilling oft als Bedrohung empfunden wird, welche Rolle Emotionen dabei spielen und wie Selbstregulation und gezielte Förderung neue Lernprozesse erleichtern – gerade für erfahrene Fachkräfte.

Gehirn

Julia Augenstein erklärt, warum das Gehirn bei Re-skilling in den Alarmmodus schaltet.

Foto: PantherMedia / ingridat

ingenieur.de: Wie reagieren Gehirn und Körper, wenn man an neue Technologien und Arbeitsmethoden denkt und merkt, dass bisheriges Fachwissen infrage gestellt wird?

Julia Augenstein: Das ist mein Schwerpunkt: Wie unser Gehirn bei Unsicherheit reagiert. Es ist evolutionär darauf programmiert, Gefahren zu erkennen und uns zu schützen – nicht davor, eine Präsentation zu halten oder an neuen Tools zu arbeiten. Wenn sich Strukturen verändern, springt unser Überlebensmodus an.

Wir reagieren dann instinktiv mit „Fight, Flight oder Freeze“ – also kämpfen, fliehen oder erstarren. Dieser Mechanismus betrifft jeden Menschen. Gerade in Zeiten von Re-skilling, in denen Vertrautes wegbricht, wird er besonders stark aktiviert.

Damit Re-skilling gelingt, müssen wir zunächst Sicherheit schaffen. Erst wenn sich das Gehirn sicher fühlt, kann es sich wieder öffnen für Lernen und analytisches Denken. Das heißt: Bevor wir uns neue Fähigkeiten aneignen, müssen wir unsere Emotionen regulieren.

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Emotionen beim Re-skilling erkennen und nutzen

Welche Emotionen verbinden Sie mit dem Gedanken, neue technische Kompetenzen zu erlernen – und wie kann man sie nutzen?

Viele Menschen empfinden zunächst Angst oder Unsicherheit, weil sie spüren, dass ihre Position oder ihr Status in Bewegung geraten. Um diese Emotionen nutzbar zu machen, ist der erste Schritt, sie überhaupt wahrzunehmen.

Viele haben verlernt, in den eigenen Körper hineinzuspüren und Gefühle klar zu benennen. Schon das Aussprechen oder Aufschreiben kann Sicherheit schaffen. Genau hier setzt Coaching an: Wenn ich erkenne, was ich fühle, kann ich es einordnen – und mich dadurch stabilisieren.
Es gibt zudem einfache Techniken, die auch im Business-Kontext wirken, etwa EMDR oder bilaterale Hemisphärenstimulation – durch Musik, Klopftechniken oder rhythmische Bewegungen. Damit lässt sich der „Gefahrenmodus“ im Gehirn schnell beruhigen, sodass wieder Raum für analytisches Denken und Lernen entsteht.

Führung und Re-skilling: Wie Unternehmen bei Angst, Unsicherheit und Neuorientierung unterstützen können

Wie können Unternehmen und Führungskräfte diesen Prozess begleiten?

Zunächst sollten Führungskräfte selbst geschult werden. In unsicheren Zeiten sind sie diejenigen, die Stabilität vermitteln müssen. Sie sollten wissen: Wie spreche ich Mitarbeitende an? Wie kommuniziere ich transparent, auch wenn noch nicht alles geklärt ist?

Workshops für Führungskräfte und Teams sind hilfreich, um Emotionen wahrzunehmen und zu regulieren. Niedrigschwellige Techniken – wie Atemübungen, Klopftechniken oder einfache Tools – fördern Selbstwirksamkeit.

Wenn Mitarbeitende und Führungskräfte lernen, ihre Emotionen zu regulieren, entsteht Sicherheit – und damit die Basis für neue Lernprozesse. Re-skilling wird dann nicht mehr als Bedrohung erlebt, sondern als Prozess, bei dem man sich weniger bedroht fühlt und stattdessen Gestaltungsspielräume entdeckt. So schaffen es Unternehmen und Führungskräfte Mitarbeitende in den sog. „Driver-Seat“ ihrer Karriere zu setzen.

Wie fühlt es sich für erfahrene Fachkräfte an, plötzlich wieder „zur Schule zu gehen“?

Für jemanden mit 25 Jahren Berufserfahrung ist das eine emotionale und identitätsbezogene Herausforderung. Wir definieren uns stark über unsere Arbeit und Anerkennung. Wenn wir plötzlich neu anfangen müssen, fühlt sich das an wie ein Rückschritt – oft kommt die Frage: „War alles, was ich bisher gemacht habe, falsch?“

Menschen durchlaufen dabei typischerweise eine Veränderungskurve: Schock, Verneinung, Ausprobieren, Rückschläge. Unterstützung ist in dieser Phase entscheidend – durch Coaching, kollegiale Begleitung oder externe Beratung.

Neuroplastizität erlaubt es unserem Gehirn zwar, sich immer wieder anzupassen. Emotional aber bedeutet Veränderung, sich bedroht zu fühlen – durch den Verlust von Status, Routine und oft auch sozialem Halt. Umso wichtiger ist frühzeitige Unterstützung – idealerweise schon während des Re-skilling-Prozesses im Unternehmen, nicht erst danach.

Julia Augenstein

Re-skilling meistern: Wenn Unsicherheit zur Chance wird.

Foto: Witefield GmbH

Mit Selbstwirksamkeit und Motivation zum Lernerfolg

Welche Haltung zum lebenslangen Lernen hilft, Re-skilling als Entwicklung statt Rückschritt zu erleben?

Eine positive Lernhaltung entsteht idealerweise früh – im Kindergarten, in der Schule oder durch Vorbilder. Lernen, das mit positiven Emotionen verknüpft ist, aktiviert Dopamin und festigt Wissen langfristig im Gehirn.

Auch Erwachsene können diese Haltung wieder aufbauen: durch Coaching, kleine Erfolgserlebnisse und das Bewusstmachen eigener Glaubenssätze – etwa: „Ich kann lernen, ich kann mich weiterentwickeln.“ Wer Selbstwirksamkeit erfährt, erlebt Re-Skilling nicht als Bedrohung, sondern als Entwicklung.

Re-skilling für alle Altersgruppen

Gibt es Unterschiede zwischen den Generationen?

Ja. Jüngere Generationen wie Millennials oder Gen Z sind meist digital affin, sie eignen sich Wissen selbst an und probieren Neues aus. Das stärkt ihr Gefühl der Selbstwirksamkeit.

Ältere Generationen – etwa Babyboomer – benötigen oft mehr emotionale Unterstützung und gezieltes Coaching. Sie müssen ihre Stärken neu entdecken, Sicherheit zurückgewinnen und den Mut entwickeln, sich auf Neues einzulassen.

Je digitaler und experimentierfreudiger eine Generation ist, desto leichter fällt ihr das Re-skilling – aber entscheidend bleibt in jedem Alter die emotionale Sicherheit.

Was ist der Schlüssel, damit Re-skilling gelingt?

Zuerst Sicherheit schaffen und Selbstregulation fördern. Dann eigene Stärken erkennen, neue Kompetenzen aufbauen und eine positive Haltung zum lebenslangen Lernen kultivieren.

Wenn Menschen sich sicher fühlen und ihr Gehirn nicht mehr in den Alarmmodus schaltet, wird Re-Skilling vom Stressfaktor zur Chance – für berufliche Entwicklung und persönliche Entfaltung.

Auch interessant: Re-skilling als Firewall gegen Jobverlust

Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Alexandra Ilina ist Diplom-Journalistin (TU-Dortmund) und Diplom-Übersetzerin (SHU Smolensk) mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung im Journalismus, in der Kommunikation und im digitalen Content-Management. Sie schreibt über Karriere und Technik.

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