Gründer

47 Mio. € für „Gründerhochschulen“

Am Mittwoch endete die 2. Runde des Wettbewerbs „Exist-Gründerhochschule“. Zwölf Sieger erhalten bis zu 2,7 Mio. €, um im Wettbewerb entwickelte Strategien zur Profilierung als Gründerhochschule umzusetzen. Insgesamt schmiedeten über 40 Qualifikanten solche Strategien. Der Wettbewerb ist Herzstück von Phase IV des 1998 ins Leben gerufenen Exist-Programms, das Gründungen aus deutschen Hochschulen und Forschungsinstituten anstoßen soll.

Wettbewerb "Exist-Gründerhochschule" will Gründungen aus deutschen Hochschulen anstoßen.

Wettbewerb "Exist-Gründerhochschule" will Gründungen aus deutschen Hochschulen anstoßen.

Foto: Werkfoto

Seit 15 Jahren hat die Gründerförderung an deutschen Hochschulen und Forschungsinstituten einen Namen: Exist. Fünf Minister und einen Ressort-Wechsel hat das nunmehr vom Wirtschaftsministerium gelenkte Programm überlebt. Ein Ende ist nicht in Sicht. Die einst auf drei Jahre angelegte Initiative wird kontinuierlich weiterentwickelt. Die Grundlage dazu liefert stetige Begleitforschung.

Bisher haben rund 130 Hochschulen – und damit jede dritte Uni und FH in Deutschland – Fördermittel erhalten. Dabei sind 130 Mio. € geflossen. Mitte der Woche erreichte das Programm eine weitere wichtige Wegmarke. Die Theorie-Phase des 2010 angelaufenen Wettbewerbs „Gründerhochschule“ ging mit der Prämierung von zehn Siegern zu Ende. Teilnahmeberechtigt waren alle Hochschulen und Forschungseinrichtungen im Lande. Fast 120 Hochschulen haben Strategien dafür entwickelt, wie sie sich als Gründerhochschule profilieren können. Über 40 Qualifikanten haben ihre Ideen in 30-seitige Strategiepapiere samt Umsetzungsplanung gefasst.

Schon Mitte 2011 hatte die Jury die ersten zehn Sieger prämiert. Seit Mitte dieser Woche stehen weitere zwölf Hochschulen fest, die in den kommenden drei Jahren mit jeweils bis zu 2,7 Mio. € Förderung ihre Strategien umsetzen sollen (siehe Kasten). In ihren Papieren hatten sie dargestellt, wie und mit welchen Verantwortlichkeiten sie die Gründerförderung organisieren und lokal vernetzen, wie sie Entrepreneurship in Leitbild und Curricula verankert haben, welche Anreize und Schulungsangebote Professoren und andere Mitarbeiter für die Gründerförderung motivieren und qualifizieren, wie es um ihre Gründerkultur und -zahlen bestellt ist, wie sie Potenziale heben wollen oder und welchen Maßnahmen sie die Qualität ihrer Bemühungen sicherstellen.

Der Wettbewerb reagiert darauf, dass die Exist-Förderung nicht an allen Hochschulen bleibende Strukturen hinterlassen hat. Eine aktuelle Begleitstudie des Fraunhofer ISI (Institut für System- und Innovationsforschung) zur Nachhaltigkeit des Programms zeigt, dass das Etikett „Exist-gefördert“ vieles bedeuten kann. Einige Hochschulen erhielten in den ersten drei Phasen des Programms von 1998 bis 2011 mehr als 5 Mio. €, andere in punktueller Förderung weniger als 100 000 €. Nur zwölf der in diesen drei Phasen geförderten 117 Hochschulen haben Förderung von Gründern in ihr Leitbild aufgenommen. Auch in den Curricula hat das Thema nicht überall Wurzeln geschlagen: Nur die Hälfte der Exist-geförderten Unis und FHs haben Entrepreneurship-Professuren.

Sogar die konkrete Gründerberatung ist laut Studie bei 40 % der Hochschulen der Förderphase I wieder eingeschlafen. Allerdings zeigt sich hier ein Lerneffekt: Von den Geförderten aus Phase II bieten 85 % und aus Phase III über 90 % weiterhin Beratungen an. Eingeschlafen sind die Angebote meist da, wo im Zuge von Gießkannen-Förderung geringe Summen ankamen.

Profilierte „Gründerhochschulen“ sollen die Angebote nun verstetigen. Die Chancen stehen nicht schlecht. Denn als am Dienstag und Mittwoch in Berlin 20 Qualifikanten der 2. Wettbewerbsrunde ihre Strategiepapiere präsentierten, waren zahlreiche Rektoren und Präsidenten unter den Vortragenden – Exist ist in den Chefetagen der Hochschulen angekommen.

Das war beim Programmstart nicht absehbar. „Exist betrat 1998 mit der Förderung von Ausgründungen aus Hochschulen in Deutschland Neuland“, erinnert die Studie. Es habe kaum Förderangebote für Gründer gegeben. Das hat sich gründlich geändert. Seit 2000 sichert das Programm Hochschulgründer in der Frühphase finanziell ab, damit sie ihre Geschäftsideen in Ruhe analysieren und konkretisieren können. Dafür steht ihnen die Infrastruktur der betreuenden Unis offen und sie erhalten Coachings und Beratung. Seit 2007 ist diese Förderung zweigeteilt: während Gründerstipendien das Gros der Vorhaben abdecken, gibt es für besonders aufwändige Projekte ein Forschungstransfer-Programm.

Doch was bringt das Ganze? Dazu liefert das ISI umfangreiches Zahlenmaterial. So haben in den ersten drei Programmphasen 190 000 Interessierte an Qualifizierungs- und Informationsveranstaltungen teilgenommen. Satte 12 600 Gründungsprojekte, aus denen 3460 Gründungen hervorgingen, wurden betreut. Ob das nur an Exist oder auch an anderen Einflüssen lag, ist nicht belegbar. Statistiken zu Hochschulausgründungen gibt es nach wie vor nicht.

Allerdings mündet auch nicht jede Beschäftigung mit dem Thema Gründung unmittelbar in der Selbstständigkeit. Akademiker gründen oft erst Jahre nach dem Studium, wenn sie Berufserfahrung gesammelt und Marktlücken entdeckt haben. Bei wie vielen der 190 000 Interessenten wird die Saat noch aufgehen? Und was haben die Teams aus den 9140 nicht realisierten Gründungsvorhaben mitgenommen? Die Zeit wird es zeigen. Außerdem: Auch ein gescheitertes Praxisprojekt kann das theoretische Studium bekanntlich veredeln.

An 89 der 117 untersuchten Exist-Hochschulen gab es mindestens ein Gründungsprojekt. Große Unis mit technisch-naturwissenschaftlichen Fakultäten haben die meisten Start-ups. So erhielten seit 2007 allein an den drei Berliner Unis 120 Teams Exist-Mittel. Ebenfalls stark: die LMU München, die TU Dresden und das Karlsruher KIT. Allerdings zeigt die Studie, dass bei relativer Betrachtung auch engagierte kleine Hochschulen glänzen – etwa die Unis in Oldenburg und Weimar oder die FH in Schmalkalden. Sie meldeten drei bis acht Gründungen auf 1000 MINT-Studierende und können damit den Großen durchaus das Wasser reichen.

Als weiteren Qualitätsbeleg des Exist-Förderung führen die ISI-Forscher an, dass von 121 Technologieunternehmen, die der Hightech-Gründerfonds bis Mitte 2012 finanziert hatte, immerhin 77 ihre Frühphase an einer Exist-Hochschule verbrachten. Fazit der Studie: „Seit 1998 wurden erhebliche Fortschritte auf dem Weg zu einer Kultur der unternehmerischen Selbstständigkeit in Lehre, Forschung und Verwaltung erreicht.“ In der laufenden Phase IV werde es vor allem darum gehen, die Gründungsförderung an den prämierten Hochschulen „nachhaltig zu verankern“.  PETER TRECHOW

 

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