Bewerbertipps

Wie Spezialisten eine Bewerbung schreiben

Bewerbung schreiben – das macht niemand gern. Ingenieure, die eine seltene Fachrichtung studiert haben, tun sich besonders schwer. Um Einsatzgebiete und Abgrenzung zur Konkurrenz gut darstellen zu können, bedarf es einer intensiven Recherchearbeit zu Unternehmen, Branchen und Funktionsbereichen.

Frau vor Board mit Job Search

Die Jobrecherche gehört zur erfolgreichen Bewerbung.

Foto: panthermedia.net/denisismagilov

Für Ingenieure, die sich beim Studium stark spezialisieren, liegen Chancen und Risiken eng beieinander. Das zeigt sich spätestens beim Bewerbung schreiben. Mit viel Glück ist nach Studienabschluss das Fach gefragt und die Spezialisierung bringt bei der Stellensuche Pluspunkte. Es kann aber auch umgekehrt sein. So verlassen beispielsweise heute die ersten Ingenieure der Mikrosystemtechnik die Hochschulen und einige von ihnen sind über die Reaktionen des Arbeitsmarktes enttäuscht. Sie werden weder in Stellenanzeigen gefragt noch als Initiativbewerber akzeptiert – oder?

Bei Licht besehen machen es sich viele Absolventen zu leicht. Sie schreiben in der Bewerbung, dass sie ihr Spezialgebiet studiert haben und einen Job suchen – Punkt Aus Ende! Mag dieser Weg für Absolventen der traditionellen Studienrichtungen wie Maschinenbau, Elektrotechnik, Verfahrenstechnik noch richtig sein, ist er für Spezialisten ungeeignet. Bei Initiativbewerbungen sind sie schnell am Ende. Denn es gibt nur wenige Unternehmen der Mikrosystemtechnik, die den Absolventen bekannt sind und bei denen bewirbt sich ohnehin jeder. Wie kann es weitergehen?

Bewerbung schreiben: Dem Personaler zuvorkommen

Zunächst hilft die Einsicht weiter, dass sehr spezielle Studienfächer und -richtungen
selten in den Anzeigen explizit gefragt werden, weil sie der Personalentscheider gar nicht kennt oder nur vage Vorstellungen damit verbindet. Konkret heißt das wiederum, der Absolvent muss beim Bewerbung schreiben die inhaltliche Brücke zum Personaler schlagen. Er sollte ganz konkret schreiben, an welchen Produkten, Projekten oder Prozessen er mitarbeiten kann. Zudem kann er aufzeigen, warum er als Spezialist auf diesem Gebiet mehr bewirken kann als die Bewerber der allgemeinen Ingenieurwissenschaften. Um Einsatzgebiete und Abgrenzung zur Konkurrenz gut darstellen zu können, bedarf es einer intensiven Recherchearbeit zu Unternehmen, Branchen und Funktionsbereichen.

Die Recherche erfordert allerdings einige ingenieurwissenschaftliche Fantasie, um entsprechend Produkte und Branchen zu erschließen. Bleiben wir beim Beispiel des Mikrosystemtechnikers. Er sollte wissen, dass in ein Auto Sensoren eingebaut werden. Also könnte er eine Bewerbung schreiben, die sich an Automobilzulieferer richtet, wenn er über das passende Know-how verfügt. Vielleicht gibt es aber auch einen Verband, in dem sich Unternehmen der Sensorentechnik vereint haben? Tatsächlich gibt es den Verband für Sensortechnik, in dem circa 100 Unternehmen der Mikrosystemtechnik vertreten sind.

Bewerbung schreiben: Die richtige Branche recherchieren

Bei der Suche nach weiteren Branchen findet der Spezialist die chemische Industrie. Gerade die großen Unternehmen der Branche sind auf dem Gebiet der Mikroreaktionstechnik aktiv. Weitere Recherchen führen zum großen Verband der feinmechanischen und optischen Industrie SPECTARIS. Den Mikrooptikern geht es bekanntlich wirtschaftlich gut und sie sollten daher bei Bewerbungen nicht ausgelassen werden. Auch manche Beschreibung der Studiengänge der Hochschulen geben auf den Homepages Anregungen. So kommt man zu weiteren Produktbeispielen wie CD-Player, Handy, Druckerkopf, Hörgerät, Herzschrittmacher und kann seine entsprechende Bewerbung schreiben.

Daraus lassen sich wiederum Zielbranchen für Bewerbungen ableiten. Letztlich sollte nach dem Verband gesucht werden, der am nächsten liegt, dem Verband der Unternehmen der Mikrosystemtechnik. Der fleißige Sucher kommt so zum IVAM in Dortmund. Er ist der ausschlaggebende Verband mit über 100 Mitgliedern, von denen einige auf der Verbands-Homepage genannt werden. Neben vielen Unternehmen mit einem Umsatz von bis zu 35 Mio. Euro zeigen sich Unternehmen, die stetig innovativ sind und größere Wachstumspfade einschlagen.

Wie das oben aufgeführte Beispiel zeigt, braucht sich kein Spezialist unter den Ingenieurabsolventen über mangelnde Bewerbungsmöglichkeiten zu beklagen. Er muss sich eben nur neben dem Studium sehr intensiv mit der Frage auseinandersetzen, für welche Branchen, Produkte, Prozesse usw. sein Wissen in der Wirtschaft nutzbringend eingesetzt werden kann und muss dies entsprechend beim Schreiben der Bewerbung zugkräftig darstellen. So weist er sich als besonders kompetenter, interessierter und konstruktiver Kandidat aus und schließt die Wissenslücke beim Personaler zu diesem ingenieurwissenschaftlichen Spezialgebiet.

 

Von Bernd Andersch, Karrierecoach, Düsseldorf

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