Vorstellungsgespräch 15.07.2002, 00:00 Uhr

Vorstellungsgespräch – Nichts dem Zufall überlassen!

Je genauer der Bewerber abschätzen kann, welche Qualifikationen und Erfahrungen beim Einsteller gefragt sind, desto maßgeschneiderter kann er seine Wortbeiträge im Vorstellungsgespräch gestalten. Viele Bewerber zeigen im Stress des Vorstellungsgespräches große Gedächtnislücken. Abhilfe schafft ein schriftlich fixiertes Inventar, das vor jedem Interview studiert werden sollte.

Eine gute Vorbereitung kann hilfreich sein.

Eine gute Vorbereitung kann hilfreich sein.

Foto: panthermedia.net/garagestock

Was wissen Sie zum Unternehmen und der offenen Position? Hoffentlich mehr als Ihre Mitbewerber, die nur den Text der Stellenanzeige gelesen haben! Je genauer der Bewerber abschätzen kann, welche Qualifikationen und Erfahrungen beim Einsteller gefragt sind, desto maßgeschneiderter kann er seine Wortbeiträge im Vorstellungsgespräch gestalten. Die Kenntnisse zum Unternehmen sollte er in Fragen und Antworten einfließen lassen. Der Interviewer interpretiert dies als besonderes Interessenssignal.

Kennen Sie sich im Pool Ihrer eigenen Qualifikationen und Erfahrungen aus? Viele Bewerber zeigen im Stress des Vorstellungsgespräches große Gedächtnislücken. Abhilfe schafft ein schriftlich fixiertes Inventar, das vor jedem Vorstellungsgespräch studiert werden sollte. Der Bewerber notiert zu jeder Lebenslaufstation Aufgaben und Projekte, an denen er mitgearbeitet hat. Zur gleichen Station listet er konkrete fachliche Qualifikationen und persönliche Eigenschaften, die er sich hierbei angeeignet hat und/oder anwenden musste.

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Erster Eindruck im Vorstellungsgespräch

Der erste Eindruck ist bekanntlich wichtig. Er wird nur langsam im Verlaufe des Gespräches durch weitere Erkenntnisse zum Bewerber überlagert. Der Bewerber muss daher beim Vorstellungsgespräch einen sympathischen Eindruck machen. Spontan sympathisch wirkt ein natürliches Lächeln. Danach folgen Shake Hands und die Begrüßung. Der Händedruck sollte fest, aber nicht schmerzhaft ausfallen. Um persönlich zu wirken, sollte bei der Begrüßung der Name des Interviewpartners genannt werden.

Tragen Sie zu einem guten Interviewstart bei? Die Startphase im Vorstellungsgespräch wird von beiden Seiten oft als unangenehm empfunden. Vor dem ersten Dialog liegen meist Sekunden gespannter Stille. Das muss nicht sein. Nach dem Händeschütteln kann der Bewerber etwa ein Kompliment oder eine positiv formulierte Frage zum Kunstobjekt im Büro des Interviewers anbringen. Phantasielose „Aufhänger“ wie etwa der Hinweis auf die schwierige Parkplatzsuche, die umständliche Anfahrt erreichen das genaue Gegenteil.

Taktik im Vorstellungsgespräch

Signalisieren Sie durch Ihre Sitzhaltung im Vorstellungsgespräch Aktivität und Interesse? Nach dem Platznehmen verbittet sich die passive Fernsehhaltung. Es wird ein aktiver Gesprächspartner in „Arbeitsposition“ erwartet. Eine leicht nach vorne gebeugte Haltung, wobei die Hände und Arme auf dem Tisch liegen, erklärt schon eher die aktive Gesprächsbereitschaft. Legt der Bewerber noch einen Block für Gesprächsnotizen bereit, setzt er ein zusätzliches positives „Leistungssignal“.

Bevor Sie eine Frage beantworten, finden Sie die Absicht des Interviewers heraus. Taktische Fragen sind die nach Stärken und Schwächen, Karriereplänen in 5 und 10 Jahren usw. Diese Fragen müssen im Vorstellungsgespräch taktisch beantwortet werden. Wer z.B. offen seine Schwächen mitteilt, hat verloren. Mit viel Engagement wird der Personaler nachhaken und den Fallstrick drehen! Die Lektüre einschlägiger Literatur zu diesem Fragentyp ist unabdingbar. Merkt der Personaler, dass Sie etwa eine Stärke als Schwäche darstellen und pfiffig antworten, wird er schon bald diese Fragenkategorie verlassen.

Vorstellungsgespräch: Antworten zur ausgeschriebenen Position

Der Interviewer möchte im Vorstellungsgespräch herausfinden, ob Sie zur Position, dem Unternehmen, der Branche passen. Je umfangreicher der Bewerber adäquate Erfahrungen und Qualifikationen aus der Biographie auftischt, desto besser! So hat der Bewerber etwa bei der Recherche im Vorfeld erfahren, dass der Vorstandsvorsitzende verstärkt wert auf professionelles Projektmanagement legt. Im Vorstellungsgespräch mit dem Konstruktions- und Entwicklungsleiter kann er jetzt systematisch seine einschlägigen Kenntnisse und Erfahrungen im Projektmangement einfließen lassen.

Welche Fragen im Vorstellungsgespräch beim Einsteller zum Lebenslauf aufkommen, kann man sich fast denken. Jeder Lebenslauf wirft einige Fragen auf, z.B. nach der Länge des Studiums, dem Wechsel des Studienfaches, der kurzen Verweilzeit bei einem Arbeitgeber, dem Auslandsaufenthalt usw. Entwickeln Sie zu jedem fragwürdigen Sachverhalt eine logische Argumentationskette. Verlassen Sie diese Argumentationskette auch bei intensiven Nachfragen des Einstellers nicht! Die Argumente dürfen natürlich nicht aus der Luft gegriffen sein und sollten einen hohen Wahrheitsgehalt aufweisen.

Im Vorstellungsgespräch auch selbst Fragen stellen

In jedem Vorstellungsgespräch eröffnet sich Spielraum für Fragen des Bewerbers. Nutzen Sie jede Möglichkeit für intelligente Fragen. Gut kommen Fragen an, die den Informationsstand des Bewerbers aufzeigen: „Kürzlich las ich in einer Zeitschrift über die Investitionsaktivitäten Ihres Unternehmens in Indonesien. Experten meinten, dass Sie Ihre deutschen Arbeitsplätze nach erfolgter Investition drastisch abbauen wollen. Wie sieht es wirklich aus?“

Stellen Sie im Vorstellungsgespräch in erster Linie Fragen nach Aufgaben der offenen Position. Die Antworten des Einstellers können dann genutzt werden, um die eigenen Qualifikationen zu „verkaufen“. Bewerber: „Ihrem Angebot ist zu entnehmen, dass der neue Vertriebs-Ingenieur auch CAD-Kenntnisse mitbringen soll. Welche CAD-Programme setzen Sie ein? Einsteller: „Wir setzen die XYZ-Software ein.“ Jetzt „verkauft“ der Bewerber seine Qualfikation: „Ich arbeite mit einem ähnlichen Programmpaket und dürfte daher bei der Einarbeitung kaum Probleme haben.“

Im Vorstellungsgespräch großes Interesse zeigen

Gehen Sie im Vorstellungsgespräch auf Ausführungen des Einstellers ein und schieben Sie vertiefende Fragen nach! Damit wird aktives Zuhören signalisiert. Welcher spätere Vorgesetzte hat es nicht gern, wenn zukünftige Mitarbeiter zuhören und auf ihn eingehen können? Bewerber: „Sie sprachen gerade von den hervorragenden Absatzmöglichkeiten Ihrer neuen Maschinen im amerikanischen Markt. Mit welcher Marketingstrategie wollen Sie dieses Potential erschließen?“

Die hohe Kunst der Fragetechnik im Vorstellungsgespräch besteht darin, eine Antwort auf eine Frage des Einstellers mit einer eigenen Frage abzuschließen: Einsteller: „Was interessiert Sie an unseren Maschinen besonders?“ Bewerber: „Sie setzen das Fertigungsverfahren XYZ ein. Ich halte dieses Verfahren im Anlagenbau für sehr zukunftsträchtig. Seit wann wird in Ihrem Unternehmen mit diesem Verfahren gearbeitet?“

Gehen Sie souverän aus dem Vorstellungsgespräch. Unsicher wirkt es, wenn der Bewerber bei seinem Gesprächspartner eine Art Vorentscheidung abfragt. Sinnvoller ist die Frage nach der weiteren Vorgehensweise und zu welchem Zeitpunkt mit einer Benachrichtigung seitens des Arbeitgebers zu rechnen ist.

 

Ein Beitrag von:

  • ingenieur.de

    Technik, Karriere, News, das sind die drei Dinge, die Ingenieure brauchen.

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