Tipps fürs Vorstellungsgespräch 22.12.2014, 12:01 Uhr

Stressfragen im Vorstellungsgespräch richtig beantworten

Wer kennt nicht die Stressfragen im Vorstellungsgespräch. Unangenehm sind die Fragen deshalb, weil der Kandidat eigentlich nicht weiß, warum die Gegenseite diese „dummen“ Fragen stellt. Möglicherweise reagiert der Kandidat zudem aggressiv oder ablehnend auf die Fragen des Einstellers und verspielt somit die Chance, Pluspunkte zu sammeln. Unvorbereitet sollten den Bewerber daher die Fragen nicht treffen. Die folgenden kleinen Beispiele sollen zeigen, wie Bewerber grundsätzlich mit Stressfragen umgehen sollten oder aber auch nicht.

Stressfragen sind ein guter Reaktionstest, verlieren Sie nicht die Nerven.

Stressfragen sind ein guter Reaktionstest, verlieren Sie nicht die Nerven.

Foto: panthermedia.net/alphaspirit

Stressfragen können dieser Art sein: Was ist Ihre größte Schwäche?
„Das ist eine gute Frage. Ich kann bislang keinerlei internationale Berufserfahrung nachweisen.“ Die Antwort ist sehr elegant. Der Bewerber sagt dem Interviewer eigentlich nur, was bereits im Lebenslauf steht, nämlich dass er bislang noch nicht im Ausland arbeitete. Auf eine schwierige Frage erfährt der Personaler nicht mehr, als er ohnehin schon weiß.

Was gefällt Ihnen an Ihrer jetzigen Stelle nicht? „Ich muss zu viele Aufgaben erledigen, die nicht meinen Qualifikationen entsprechen. Ich fühle mich schlichtweg unterfordert und falsch eingesetzt.“ Gefragt ist heue Glanz und Gloria, die in dieser Antwort nicht vermittelt werden. Negative Seiten des aktuellen Arbeitgebers gehören nicht ins Vorstellungsgespräch und mit eigenen Misserfolgen lässt sich genauso wenig glänzen. Wenn sich jemand unterfordert fühlt, ist es seine Pflicht, sich um anspruchsvollere Aufgabe zu kümmern, wird der Personaler messerscharf schließen. Die Antwort auf solche Stressfragen fördert so bestimmt keine positiven Persönlichkeitsmerkmale des Bewerbers an den Tag.

Weitere Beispiele für Stressfragen

Was war Ihre größte Niederlage im Leben? „Als Mitarbeiter in einem wichtigen Projekt wies ich den Projektleiter und Abteilungsleiter intensiv auf den miserablen Ruf des Ingenieurbüros hin, das sich um die Übernahme von konstruktiven Teilleistungen bewarb. Ich konnte mich leider nicht durchsetzen. Der Dienstleister wurde beauftragt. Wegen schwerer Fehler in den statischen Berechnungen musste die ganze Arbeit später komplett neu gemacht werden.“ Gute Antwort auf diese Art von Stressfragen. Der Bewerber gesteht zwar, dass er sich nicht durchsetzen konnte. Aber wer kann das schon gegen den Projekt- und Abteilungsleiter? Letztlich sagt er daher nichts anderes, als dass er die Sachlage sehr viel realistischer beurteilte als seine Vorgesetzten und das spricht eben für Fachkompetenz.

Warum möchten Sie gerade bei uns arbeiten? „Seit Kindesbeinen an interessiere ich mich für Autos. Das ist es für mich eine besondere Ehre, bei einem der erfolgreichsten Automobilhersteller zu arbeiten.“ Aus solchen Stressfragen können Kandidaten mehr machen können. Die Frage schreit förmlich nach einer Antwort, in der der Bewerber seinen guten Informationsstand über das Unternehmen los werden kann. Zahlen, die in Geschäftsberichten stehen, Aussagen, die der Vorstand zur Neuausrichtung des Unternehmens gemacht hat usw. Das sollten genauso Gründe für einen Stellenantritt sein, wie die interessanten Aufgaben, die die Stelle mit sich bringt.

Stressfragen müssen keine Fragen sein

Beschreiben Sie, wie Sie ein schwieriges Problem gelöst haben. „Ich sollte ein neues Controllinginstrument für die Produktion entwickeln. Ich machte mich zuerst schlau, welche Instrumente bereits heute im Betrieb eingesetzt sind und informierte mich zusätzlich in der Literatur. Ich entwickelte Vorschläge, präsentierte diese bei der Produktionsleitung, modifizierte die Vorschläge …“ Der Personaler fragt mit solchen Stressfragen ab, welche Vorgehensweise der Bewerber bei der Erarbeitung von Problemlösungen verfolgt. Oft ist es gut, wenn der Bewerber, wie hier, eher theoretische Weisheiten von sich gibt, als die wirklichen Fakten der Praxis, auf den Tisch zu legen. Geht es ins fachlich Eingemachte, sind die meisten Mitarbeiter der Personalabteilungen ohnehin restlos überfordert. Theorie bringt oft mehr Pluspunkte!

Was spricht gegen Sie als Kandidat? „Um ehrlich zu sein, ich bin ein sehr pedantischer Mensch.“ Es ist ratsam, bei derartigen Stressfragen Eigenschaften zu nennen, die gerade für den Job wichtig sind. Also wenn ein Produktionscontroller, ein Konstrukteur oder Berechnungsingenieur pedantisch ist, dann zeichnet ihn eher eine Stärke als eine Schwäche aus. Für einen Vertriebs- oder Produktionsprofi wäre diese Antwort wohl eher schlecht. Die Regel: Schwächen als Stärken verkaufen!

Auch Profis reagieren nicht immer richtig auf Stressfragen

Wovor fürchten Sie sich?  „Meine größten Befürchtungen sind eigentlich immer, Aufgaben nicht termingerecht beenden zu können. Ich habe daher mein eigenes Zeitplanungssystem entwickelt. Seitdem gelingt es mir gut, meine Aufgaben zeitlich zu steuern.“ Der Bewerber antwortet geschickt auf Stressfragen. Wer hat im Berufsleben keine Angst, Termine nicht einhalten zu können? Der Kandidat fand mit seinem Zeitplanungssystem offensichtlich ein adäquates Rezept. Er wirft also ein Allerweltsproblem auf und sagt, mit welchen Mitteln er gegensteuert. Wirkliche persönliche Ängste gehören nicht ins taktische Geplänkel des Vorstellungsgespräches und gehen den Interviewer ohnehin nichts an. Er ist ja auch kein Therapeut.

Glauben Sie nicht, dass Sie für die Stelle zu jung sind?  „Ich denke, das Alter spielt nicht die große Rolle. Ich bringe für die Stelle die entscheidenden Erfahrungen und Qualifikationen mit und traue es mir daher zu, die Stelle gut auszufüllen.“ Es ist nicht verkehrt, auf Stressfragen in den spontanen Widerspruch zu gehen. Wenn aber sehr pauschal die Behauptung des Bewerbers folgt, dass er die passen Qualifikationen und Erfahrungen besitzt, ist das doch etwas schwach. Hier sollten Ross und Reiter genannt werden. Der Bewerber lässt sich im Grunde die Chance entgehen, seine passenden Erfahrungen und Qualifikationen detailliert ins Gespräch zu bringen – schade!

Auch bei Stressfragen nicht zu viel verraten

Was machen Sie, wenn wir Sie nicht nehmen? „Ich bin mit meiner jetzigen Position sehr zufrieden. Für mich wäre es zwar eine große Herausforderung, zum Weltmarktführer zu wechseln. Sollte das nicht realisierbar sein, würde ich bei meinem jetzigen Arbeitgeber verbleiben.“ Der Stellenwechsler muss bei Stressfragen nicht unbedingt zugeben, dass er noch weitere Eisen im Feuer hat. Seine Antwort schmeichelt zum einen dem potenziellen Arbeitgeber, zum anderen schiebt sie dem Interviewer indirekt sehr viel Positives unter: Der Kandidat steht nicht unter Druck, eine Stelle zu suchen, und er kommt offensichtlich bei seinem Arbeitgeber gut zu recht.

Was würden Sie tun, wenn Sie nicht mehr arbeiten müssten? „Zunächst würde ich einfach nur ausspannen wollen. Danach würde ich endlich wieder regelmäßig meinen Hobbys nachgehen und gute Literatur lesen. Ich würde mich zudem mehr meiner Familie widmen.“ Die ehrliche Antwort des Bewerbers auf solche Stressfragen lässt jede Menge aktuelle persönliche Defizite erkennen. So gibt er zu, dass er z.B. keine ausreichende Zeit für die körperliche Ertüchtigung hat. Wie wird es da mit seiner Fitness und Ausgeglichenheit bestellt sein? Besser ist es, solche Fragen in nachvollziehbarer Logik zu beantworten: „Nach einer kurzen Pause würde ich eine kleine Bestandsaufnahme machen, was ich in meinem Privatleben noch erreichen möchte. Danach würde ich einen Zeitplan entwerfen …“

Niemand sollte vergessen, dass er im Vorstellungsgespräch Profis und keinen Anfängern gegenüber sitzt. Stressfragen dienen den Profis weniger dazu, Inhalte von den Bewerbern zu erfragen. Wichtiger ist die Reaktion und den Umgang des Bewerbers mit der Frage herauszufinden. Gerade im Gespräch mit Mitarbeitern der Personalabteilung sollten alle roten Lämpchen aufleuchten, wenn die typischen Fangfragen gestellt werden. Zu taktischen Fragen passen nur taktische Antworten und keine wirklichen Offenbarungen, die Privatsache sind. Merkt der Personaler, dass der Bewerber weiß, wo der Hase lang läuft, wird er wahrscheinlich von weiteren Fragen dieser Art absehen.

 

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