Bewerbertipps 02.07.2010, 00:00 Uhr

Mit Knigge ins Bewerbungsgespräch

Gute Manieren sind das A und O im Vorstellungsgespräch!

Gute Manieren sind das A und O im Vorstellungsgespräch!

Foto: panthermedia.net/Tsyhund

Ein Ingenieur des 21. Jahrhunderts und ein Freiherr des 18. Jahrhunderts gemeinsam im Bewerbungsgespräch? Da scheint zusammenzukommen, was nicht zusammengehört. Doch Freiherr Adolph Franz Friedrich Ludwig Knigge war eben nicht jener lächerliche Herr Manierlich mit Manschettenknöpfen, Siegelring und weißem Tüchlein im Jackett, der uns mit Benimmregeln in ein festes Korsett fürs feine Parkett pressen wollte. Adolph Knigge, der selbst seinen Adelstitel ablegte und sich nur „der freie Herr Knigge“ nannte, war im Grunde ein Menschenrechtler, ein Streiter für Menschlichkeit, Gerechtigkeit und vorbehaltlosen und respektvollen Umgang mit Menschen gleich welcher gesellschaftlicher Herkunft. Die zahlreichen Bücher zu Stil und Etikette geben nicht das wieder, wofür der Altmeister stand. Wo Knigge drauf steht, ist also meist nicht Knigge drin. Einzig und allein sein Nachfahre Moritz Freiherr Knigge hat in seinem Buch „Spielregeln wie wir miteinander umgehen sollten“ die Gedanken und Ideen Adolph Knigges aufgegriffen und in eine Sprache übersetzt, die unserer entspricht.

Schauen wir uns also einmal – in freier Interpretation Knigges – an, wie Sie im Vorstellungsgespräch Höflichkeit, Respekt und Wertschätzung Ihrem Gesprächspartner gegenüber mit eigener Offenheit, Ehrlichkeit und souveränem Auftreten in Einklang bringen.

Vor dem Gespräch

Sie haben mit Ihrer schriftlichen Bewerbung überzeugt und nun die Chance, diesen Eindruck durch Ihren persönlichen Auftritt zu vertiefen. Deshalb ist es selbstverständlich, dass Sie sich intensiv mit dem Unternehmen, das Sie besuchen werden, auseinandersetzen. Sie wissen, wie lange das Unternehmen besteht, wann neue Geschäftsbereiche hinzugenommen wurden, wie viele Mitarbeiter das Unternehmen hat. Sie haben Presseinformationen und den Newsletter des Unternehmens gelesen, und Sie haben sich Fragen zum einen oder anderen Bereich notiert. Sie haben sich einen Eindruck von der „Philosophie“ des Unternehmens gemacht und haben anhand der Bilder auf der Homepage eine Idee davon, welcher Dresscode dort angesagt ist. Danach richten Sie sich bei der Auswahl Ihrer Kleidung. Sie wissen, dass die gängigen Farben für ein Vorstellungsgespräch Dunkelblau, Grau oder Anthrazit sind, dass Schlammfarben Sie immer verwaschen wirken lassen, dass Sie als Mann immer einen Gürtel auf der Hose tragen, der in der Farbe zu Ihren gepflegten, nicht klobigen Schuhen und den Socken passt, dass Ihre Krawatte keine großen Muster hat und so gebunden ist, dass sie beim oberen Ansatz des Gürtels endet. Sie tragen eine Uhr und – falls vorhanden – einen Ehering, verzichten ansonsten aber auf jeglichen Schmuck. Selbstverständlich haben Sie ein Deo benutzt, das auch bei erhöhten Anforderungen wie dem Bewerbungsgespräch lästige Gerüche verhindert.

Sie haben für Ihre Fahrzeit einen Puffer vorgesehen, um auch im Falle widriger Umstände noch pünktlich zu kommen. Pünktlich heißt, dass Sie sich zwischen fünf und drei Minuten vor dem vereinbarten Termin am Empfang anmelden, da auch ein Zu-früh-Kommen als unpünktlich gilt. Auch unter dieser emotionalen Anspannung lächeln Sie die Dame oder den Herrn am Empfang freundlich an und grüßen während einer möglichen Wartezeit alle an Ihnen vorbeigehenden Mitarbeiter des Hauses, auch das Reinigungspersonal oder den Mitarbeiter im „Blaumann“. Die Zeit, bis Ihr Gesprächspartner Sie in Empfang nimmt, nutzen Sie am besten, wenn Sie die Atmosphäre auf sich wirken lassen. Hängen außergewöhnliche Bilder an den Wänden? Ist der Empfang besonders geschmackvoll möbliert? Stellen Sie fest, dass der Umgangston unter den Kollegen besonders freundlich ist? Was immer Ihnen positiv auffällt, es bietet Ihnen einen wunderbaren Einstieg in das anschließende Gespräch. Jeder Chef freut sich über ein dezentes Kompliment, das auf das Unternehmen bezogen ist.

Während des Gesprächs

Ihr Gesprächspartner kommt auf Sie zu und Sie lächeln ihm freundlich entgegen. Sie wissen aber ganz genau, dass der „Gastgeber“ Ihnen zuerst die Hand reicht. Nehmen mehrere Personen des Unternehmens an dem Gespräch teil, wird er sie Ihnen vorstellen und in genau der Reihenfolge begrüßen Sie die Anwesenden, wobei Sie darauf achten, dass Ihr Händedruck fest, aber nicht in Schraubstockmanier ist und Sie beim Handschlag jedem in die Augen sehen. Sie stellen sich mit Vor- und Nachnamen, aber keinesfalls mit Ihrem Doktortitel vor. Sie wissen nicht nur, wie der Einladende heißt, sondern merken sich möglichst die Namen aller Gesprächspartner, damit Sie den einen oder anderen im Gespräch – oder spätestens bei der Verabschiedung – namentlich ansprechen können. Wenn Ihnen ein Platz angeboten wird, sorgen Sie dafür, dass Sie nicht lange vor Ihrem Gesprächspartner sitzen. Sie öffnen Ihr Jackett (oder Ihren Blazer) und setzen sich entspannt hin, wobei Sie nicht nur die Stuhlkante nutzen. Ihre Hände sind sichtbar (haben aber während des gesamten Gespräches im Gesicht nichts verloren), liegen locker auf den Stuhllehnen oder bis zum Unterarm auf dem Tisch. Wird Ihnen ein Kaffee oder ein Wasser angeboten, nehmen Sie dieses Angebot dankend an, äußern aber keine Sonderwünsche. Werden Ihnen Fragen hauptsächlich von einer Person gestellt, achten Sie darauf, dass Sie bei den Antworten dennoch alle am Tisch Sitzenden ansehen. In die Offensive zu gehen, ist meist besser als zu versuchen etwas zu verbergen. Wenn Sie also merken, dass Ihre Hände zittern, sprechen Sie es ruhig an. Es ist kein Makel, in einer solchen Situation nervös zu sein, im Gegenteil, es zeigt, wie engagiert und emotional betroffen Sie an das Gespräch herangehen. Eine zu große Abgeklärtheit lässt Sie nicht sympathischer wirken.

Jeder Lebenslauf hat eine oder mehrere Schwachstellen. Sie kennen Ihre und sind auf eine Frage danach gut vorbereitet. Sie können also – möglichst ehrlich – erklären, warum Sie in den letzten fünf Jahren so häufig den Arbeitgeber gewechselt haben oder warum Sie sich nach 20 Jahren beim gleichen Arbeitgeber nun verändern wollen. Sie wissen, dass jede Lüge sich über die Körpersprache durch sogenannte Manipulatoren identifizieren lässt und die Wahrheit – auch wenn Sie Ihnen unangenehm ist – durch sogenannte Illustratoren unterstrichen wird. Bleiben Sie also immer so nah wie möglich an der Wahrheit. Ist es allerdings Ihre Wahrheit (in Wirklichkeit ohnehin nur Ihre Wahrnehmung), dass Ihr Chef oder Exchef ein Idiot ist, das Unternehmen ein Trümmerhaufen und die Kollegen eine Ansammlung hirnloser Jasager, dann tun Sie gut daran, genau das nicht zu sagen. Sie sprechen überhaupt nicht negativ über Ihre Vergangenheit und auch was die Zukunft anbelangt, geben Sie sich nicht als Bedenkenträger, sondern als Mensch, der realistisch und lösungsorientiert Möglichkeiten für sich und das Unternehmen auslotet. Ein übertrieben positives Gehabe à la „Alles wird gut“, lässt Sie möglicherweise oberflächlich oder wie der Epigone eines Motivationsgurus wirken. Sie betrachten das Gespräch nicht als Verhör, sondern als Dialog, in dem zwei oder mehr Menschen sich beschnuppern und näher kennenlernen. Beide möchten nach dem Gespräch in Ihrer Entscheidungsfindung ein Stück vorangekommen sein, und beide zahlen einen hohen Preis, wenn Sie eine falsche Entscheidung treffen. Stellen Sie also Fragen, aber bitte nur nicht die nach dem Gehalt, Sozialleistungen oder Urlaub, sonst demonstrieren Sie eine Nehmermentalität. Sprechen Sie selbstverständlich – ohne zu dick aufzutragen – von Ihren Stärken und stehen Sie zu kleineren Schwächen.

Niemand von uns ist perfekt und wir sollten deshalb auch nicht so tun als ob. Sagt man Ihnen zum Gesprächsende, dass man sich bei Ihnen melden wird, sobald die Entscheidung gefallen ist, fragen Sie nach, bis wann Sie mit einer Antwort rechnen dürfen. Sagen Sie zu diesem Zeitpunkt allerdings nie, dass Sie noch andere Gespräche führen, sondern geben Sie Ihrem Gesprächspartner – wenn es tatsächlich so ist – das Gefühl, dass Sie sehr gerne genau für dieses Unternehmen arbeiten würden. Sie dürfen es sogar sagen.

Ihr Gesprächspartner wird Sie, wenn er gutes Benehmen hat, bis zum Ausgang bringen. Nutzen Sie diese Zeit für einen abschließenden Small Talk und danken Sie ihm für das Gespräch. Erleichterung über das, was hinter uns liegt, führt manchmal dazu, dass wir überschäumen mit Worten. Das wäre hier fehl am Platz. Bleiben Sie genauso freundlich, höflich, kontrolliert emotional und im ruhigen Selbstverständnis wie Sie es während des Gespräches waren.

Nach dem Gespräch

Ein kurzes Dankesschreiben nach einem Bewerbungsgespräch ist in Deutschland eher selten, umso mehr heben Sie sich durch einen solchen Brief oder eine E-Mail von Ihren Mitbewerbern ab. Betonen Sie darin, dass Sie das Gespräch positiv fanden und sich Ihr Wunsch, für das Unternehmen zu arbeiten, verstärkt hat. Ist im Gespräch etwas offen geblieben, können Sie jetzt darauf eingehen und ansonsten maximal zwei Erkenntnisse des Interviews wiederholen. Danken Sie noch einmal für die Zeit und die Aufmerksamkeit.

Lädt man Sie nach dieser ersten Runde zu einem Zweitgespräch ein, das bei einem gemeinsamen Essen stattfinden soll, ist das zwar schon ein Schritt in die richtige Richtung, aber Vorsicht: Schon manch einer hat sich durch schlechtes Benehmen bei Tisch (teuerstes Essen bestellen, mittags schon Bier trinken, nachlässigen Umgang mit dem Servicepersonal) um seine Chance gebracht. Nehmen Sie also auf jeden Fall den Freiherrn Knigge mit zu diesem Essen.

www.schmidt-partner-solingen.de

 

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