Von der besten Seite zeigen 05.03.2004, 01:00 Uhr

Gutes Verhalten beim Vorstellungsgespräch

Selbst der fachlich beste Kandidat kann im Bewerbungsprozess ausgemustert werden, wenn er sich im Vorstellungsgespräch falsch präsentiert. Unpersönliche Erzählungen, zu viele Fachbegriffe und allgemeine Erklärungen möchte kein Personaler von seinem Bewerber hören. Stattdessen punktet der Ingenieur im Vorstellungsgespräch mit Offenheit und spannenden Schilderungen.

Vorstellungsgespräch: Offenheit der Weg zum Erfolg.

Vorstellungsgespräch: Offenheit der Weg zum Erfolg.

Foto: panthermedia.net/julief514

Bekanntermaßen sind Ingenieure Fachleute, die durch Können überzeugen. Dennoch darf sich selbst der fachlich beste Kandidat nicht wundern, dass der Erfolg ausbleibt, wenn er sich ungeschickt und „knochentrocken“ im Vorstellungsgespräch präsentiert. Was trennt die Spreu vom Weizen? Da beantwortet der Ingenieur der Verfahrenstechnik mit unbewegter Miene, in statisch unbewegter Sitzhaltung und stets gleicher Gestik eine Frage nach der anderen.

Er erläutert, warum er Verfahrenstechnik studierte, weshalb er ausgerechnet die Hochschule am Wohnort seiner Eltern wählte und wie es zum Praxissemester im Ausland und seinem ersten Job bei einem innovativen Kleinunternehmen kam. Die Begründungen wirken unpersönlich: Breit angelegtes Studienfach, gutes Image der Hochschule, sich einmal mit anderen Kulturen auseinandersetzen usw. Bei diesen allgemeinen Erklärungen lehnt sich der Interviewer im Vorstellungsgespräch zurück. Langeweile macht sich breit. „Na ja, Ingenieure sind halt keine Rhetorikkünstler – aber Fachleute“, mag er sich denken. Also geht er zum fachlichen Teil über.

Den Interviewer im Vorstellungsgespräch nicht langweilen

Beim Thema der Diplomarbeit wird es noch krasser. Der Ingenieur reiht Fachbegriff an Fachbegriff und schleudert diese dem Interviewer beim Vorstellungsgespräch mit monotoner Stimme um die Ohren: Gemische mit Kohlendioxid – Lösungsmittel – Druckentlastung – Grenzflächenspannung – Hochdruckautoklaven – flüchtige Prozesse …. „Oh Mann, hätte ich doch bloß nicht diese Frage gestellt“, denkt sich der Interviewer und kommt schnell zu den üblichen Abschlussfragen. Als die Tür hinter dem Kandidaten ins Schloss fällt, atmet der Interviewer tief durch. Er kann sich diesen unterkühlten, distanzierten und unpersönlichen Kandidaten nur schlecht im Dialog mit Auftraggebern, Lieferanten und Kollegen vorstellen. Und seine Eignung für die offene Position kann er nur schwer beurteilen.

Ganz anders verhält sich der eingeladene promovierte Bau-Physiker in seinem Vorstellungsgespräch. Bei der Schilderung, warum er sich für sein Studienfach entschied, entspannt sich seine Miene, ein Schmunzeln zieht über sein Gesicht und er erläutert, wie er eines Abends mit seinem Vater die Studienwahl besprach. Auch im fachlichen Teil überzeugt der Kandidat. Er liefert dem Interviewer des Chemieunternehmens faszinierende Erläuterungen über seine Doktorarbeit. Der erstaunte Zuhörer erfährt eine wissenschaftliche aber sehr verständliche Herleitung, warum Laubfrösche ausgerechnet grün sind.

Die Ausführungen sind interessant und lassen den Interviewer auftauen und mitgehen. Beiläufig erklärt der Ingenieur im Vorstellungsgespräch, dass er sich mit Hochdruckbehältern auskennt und erzählt anhand der Röstung der Kaffeebohne die Entstehung von Hochdruck und was man mit diesem bei verfahrenstechnischen Prozessen alles anfangen kann. Der Interviewer ist von diesem Kandidaten persönlich beeindruckt und fachlich überzeugt. Was macht der Bau-Physiker anders und wie lauten seine Erfolgsrezepte?

Das Vorstellungsgespräch ist kein Fachvortrag

1. Bringen Sie authentische Schilderungen und vermeiden Sie im Vorstellungsgespräch Allgemeinheiten, die sich jeder denken kann! Allgemeinheiten sind langweilig, der Interviewer schaltet ab, es entsteht keine persönliche Bande zwischen Interviewer und Kandidat.

2. Erkundigen Sie sich vor den fachlichen Ausführungen über den Informationsstand der Gegenseite. Gehen Sie dabei geschickt vor, d.h. fragen Sie nicht: „Sie sind Fachmann?“, sondern beispielsweise „Wie tief stecken Sie im Thema Verfahrenstechnik drin?“ Personalentscheider (auch aus den Fachabteilungen) sind meistens vom fachlichen Geschehen ganz weit weg.

3. Halten Sie in Ihrem Vorstellungsgespräch keine Fachvorträge vor Laien! Erzählen Sie nur Dinge, die die Gegenseite versteht. Nur, wenn der Interviewer die Ausführungen versteht, kann er Fantasien entwickeln, ob Sie für das Unternehmen wertvoll sind!

4. Arbeiten Sie mit Beispielen aus dem normalen Leben. Am besten ist es, wenn die Beispiele auf das Unternehmen und die Position übertragbar sind.

5. Authentische Schilderungen und plastische Beispiele führen automatisch zur Belebung von Mimik und Gestik. Sie bewegen den Zuhörer und mit viel Glück springt der Funke auf den Gesprächspartner über!

Fazit: Der Ingenieur muss nicht gleich zum Rhetorikkünstler werden, dennoch – ein bisschen unterhaltsam dürfen die Wortbeiträge im Vorstellungsgespräch schon sein. Sinnvoll sind Beiträge, die aus dem wirklichen Leben stammen und interessante Beispiele, die den Gesprächspartner zum weiteren Zuhören und Mitdenken animieren.

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