Tipps für die Bewerbung 12.03.2014, 01:00 Uhr

Die dritte Seite der Bewerbung mit Vorsicht genießen!

Auf eine sogenannte „dritte Seite“ im Lebenslauf zurückzugreifen, kann sicherlich nicht verkehrt sein, um dem Arbeitgeber detailliert aufzuzeigen, wer man ist, was man will, warum man sich für ihn interessiert usw. Doch Vorsicht! Reden ist Silber –  Schweigen ist Gold!

Die dritte Seite sollte gut überlegt sein und zum Unternehmen passen.

Die dritte Seite sollte gut überlegt sein und zum Unternehmen passen.

Foto: panthermedia.net/ChristianChan

Was gut gemeint ist, liefert Personalentscheidern wichtige K.O.-Kriterien. Lediglich Topbewerber können auf diese Weise Einladungen zu Gesprächen bei unpassenden Unternehmen verhindern. Aber auch sie liefern durch die dritte Seite ungewollt Informationen, die Personaler verleiten, im Vorstellungsgespräch das Unternehmen in phantasievollen, aber leider nicht wirklichen Farben auszumalen.
Eine dritte Seite sollte nur im Anschluss an den eigentlichen Lebenslauf gebracht werden, wenn der Einsteller ausdrücklich Informationen verlangt, die das Anschreiben oder den Lebenslauf sprengen. Wird etwa vom Kandidaten die ausführliche Darstellung der Motivation seiner Bewerbung verlangt oder ein Fünfzeiler zu seiner Persönlichkeit, ist die Eröffnung einer dritten Seite sicherlich sinnvoll. In knapper Form könnte eine solche Darstellung mit wenigen Vokabeln oder vier Zeilen sicherlich auch im Lebenslauf neben das Lichtbild oder zu den persönlichen Daten gestellt werden.

Die dritte Seite nur bei Bedarf

Aus freien Stücken die Dritte Seite zu verwenden, empfiehlt sich jedoch nicht. Mancher schreibt sich dabei um Kopf und Kragen! Wer schon nicht auf eine Darstellung von Persönlichkeitsmerkmalen verzichten will, sollte darauf achten, dass die genannten Merkmale zu seinem Berufszweig und der Position passen. Zudem sollte auf marktschreierische Übertreibungen verzichtet werden.
Stellt sich die Frage, welche Informationen die dritte Seite zu den eigenen Charaktereigenschaften wirklich beinhaltet. Beispiel:

  • Entscheidungsstarker Teammanager mit höchster Überzeugungskraft
  • Unternehmertyp mit dem unbedingten Willen, Ziele weit über Plan zu erfüllen
  • Durchsetzungsstarker Pragmatiker mit strategischem Weitblick

Dritte Seite: Keine Selbstverständlichkeiten!

Schon aus der Psychologie wissen wir, dass Eigen- und Fremdansicht völlig verschieden sind. Welche blasse Führungskraft würde nicht behaupten, sozialkompetent, dynamisch und durchsetzungsstark zu sein? Welcher erfolglose Produktentwickler stellt sich auf dem Papier nicht gerne als Jungbrunnen neuer Ideen dar? Und beim Blick in den Spiegel sieht so mancher durchschnittlicher IT-Spezialist Bill Gates persönlich vor sich. Die dritte Seite  für eine  Listung von Selbstverständlichkeiten zur Person zu nutzen, wirkt häufig lächerlich.
Beispiel:

  • Absolute Loyalität gegenüber der Geschäftsführung zeichnen mich aus
  • Rasche Auffassungsgabe, dynamische Persönlichkeit, kommunikationsstark
  • Analytiker und kreativer Kopf, der schnell Innovationspotenzial erkennt

Natürlich muss eine Führungskraft gegenüber der Geschäftsführung loyal sein und ein Produktmanager über eine gute Auffassungsgabe, Kommunikationsstärke und Dynamik verfügen! Also, wenn man die dritte Seite mit der Dokumentation beginnt, sollte dies schon über Basics hinausgehen. Besonderheiten machen den Bewerber interessant, Normalität langweilt!

Die dritte Seite ist kein Wunschzettel

Die Dritte Seite verleitet, aus dem Nähkästchen zu plaudern und Idealvorstellungen zu äußern, ohne die Gegenseite zu kennen. Wenn der Bewerber detailliert aufschreibt, was er will, liefert er jede Menge Ausschlusskriterien. Die Gefahr steigt, Wünsche darzustellen, die Arbeitgeber selten erfüllen.
Beispiel:

  • Ich glaube, dass es gerade auf meinem Fachgebiet wichtig ist, ständig auf dem aktuellen Stand der Technologie zu sein. Ich erhoffe mir von meinem neuen Arbeitgeber, dass er meiner Weiterbildungsbereitschaft nachkommt und mir eine regelmäßige Weiterbildung ermöglicht.

Was, wenn der Arbeitgeber eine andere Meinung zum Thema Weiterbildung vertritt? Topbewerber liefern durch die dritte Seite zudem so Vorabinformationen für das Vorstellungsgespräch. In salbungsvollen Reden wird es dem begnadeten Personaler schon gelingen, den Bewerber einzufangen. Nicht selten lädt die Äußerung von Wünschen an potenziellen Arbeitgeber kreative Personalentscheider zum spekulativen Rückschluss ein.
Beispiel:

  • Mein neuer Arbeitgeber sollte es mir ermöglichen, mit einer guten Mannschaft weit über dem Durchschnitt liegende Ergebnisse erwirtschaften zu können.
  • Der Arbeitgeber sollte mir die Möglichkeit bieten, innerhalb von überschaubarer Zeit in die Position eines Abteilungsleiters aufsteigen zu können.
  • Da ich zurzeit nur die fachliche Führungsverantwortung als Projektleiter besitze, strebe ich an, auch disziplinarische Personalverantwortung übernehmen zu dürfen.

Dritte Seite: Die Bewerbung begründen

Welcher erfolgreiche Projektleiter wird etwa im eigenen Unternehmen nicht befördert? Und warum wird ihm dort keine disziplinarische Personalverantwortung übertragen? Warum sucht hier jemand ausdrücklich eine gute Mannschaft? Etwa, weil er bei seinem Arbeitgeber eine weniger gute hat? Und welche gute Führungskraft schafft es nicht, aus einer schlechten Mannschaft eine gute zu formen? Die dritte Seite liefert Fragen über Fragen … und sicherlich nicht zum Vorteil des Bewerbers!
Diese Passage wird gut, wenn der Bewerber tatsächlich das Interesse am Unternehmen untermauern kann. Wer sich vorab ausführlich informiert hat, kann jetzt die dritte Seite zum Glänzen nutzen.
Beispiel:

  • Wachstum von weit über 100% in 2000, jährlicher Gewinnzuwachs von 80%, Aufkauf der Unternehmen X, Y, Z …, Lieferantenverträge mit …

Wer möchte nicht für ein solches Unternehmen den technischen Einkauf machen? Statt viel heißer Luft, machen sich harte Fakten auf der dritten Seite gut. Besonders beeindrucken Informationen, die einen gewissen Rechercheaufwand vermuten lassen. Dem informierten Bewerber wird ein besonderes Interesse unterstellt. Es gilt: Wer sich für mich interessiert, für den interessiere ich mich auch! Selbstbeweihräucherungen beeindrucken dagegen nur die wenigsten Arbeitgeber. Beispiel:

  • Da sich laut den Worten Ihres Vorstandsvorsitzenden Trinker das Gewinnwachstum verlangsamt, rücken Themen wie Prozessoptimierung in der Fertigung immer mehr in den Vordergrund. Es ist daher wichtig, hervorragende Produktionsoptimierer in den eigenen Reihen zu haben, zu denen ich mich zähle.

Dritte Seite: Nicht zuviel verraten

Wer die dritte Seite nutzt, um sich selbst über den grünen Klee zu loben, sollte darauf achten, die andere Seite nicht unter die Gürtellinie zu treffen. Hier sagt der Bewerber im Grunde nichts anderes, als dass es offensichtlich in dem Unternehmen keine hervorragenden Produktionsoptimierer gibt. Es gibt zwar Fachkräfte, aber eben keine guten! Hier wird möglicherweise die halbe Mannschaft des Arbeitgebers durch den Kakao gezogen. Persönliche Problemsituationen machen sich als Motivation für eine Bewerbung immer schlecht. Beispiel:

  • Bei meinem jetzigen Arbeitgeber sind meine Gestaltungsspielräume sehr eingeschränkt, eigene Ideen und Lösungsvorschläge im Grunde wenig gefragt. Interne Abstimmungsprozesse gehen dem Kundeninteresse vor, Tätigkeiten werden unnötig formalisiert. Eine berufliche Weiterentwicklung mit mittel- und langfristiger Perspektive scheint mir dadurch nicht realisierbar.

Dieser Bewerber verrät durch die dritte Seite hier auch ungewollt einiges zu seiner Person. Ein guter Mitarbeiter nimmt sich Gestaltungsspielräume, wenn er diese nicht hat! Er verkauft Ideen und Lösungen! Er sorgt dafür, das Arbeitsprozesse nicht übertrieben formalisiert werden! usw. Alles Fähigkeiten, die diesem Bewerber offensichtlich nicht in die Wiege gelegt wurden!

 

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