Bewerbungsprozess 13.01.2006, 01:00 Uhr

Das müssen Bewerber beachten!

Der zurückliegende Jahreswechsel lädt zu „philosophischen Überlegungen“ ein, was Bewerber, Personaler und Bewerbungsprozess betrifft. Während des vergangenen Jahres gab es nämlich einige Klagen über den Umgang untereinander, die an dieser Stelle einmal aufgegriffen und reflektiert werden sollen.

Bewerber: Respekt und Verständnis ist wichtig.

Bewerber: Respekt und Verständnis ist wichtig.

Foto: panthermedia.net/luminastock

Vorausschicken möchte ich allerdings, dass die Interaktion zwischen Bewerber und Unternehmen in der Regel ohne Zwischenfälle abläuft. Nur in Einzelfällen kommt es zu Beschwerden auf der einen oder anderen Seite. Diese haben dann häufig mit der Verfassung des Arbeitsmarktes zu tun, es kommt vereinzelt zu „unanständigem“ Benehmen: Ist der Markt durch Knappheit an Ingenieuren gekennzeichnet, so werden diese von der Wirtschaftswelt hofiert. Allerdings bekommt nicht jedem Bewerber die Position der Stärke und nicht selten ist daher ein gewisser Anflug von Arroganz festzustellen.

Wer als Bewerber gefragt ist, bemüht sich wenig

Das beginnt im Grunde schon mit der Darstellung im Lebenslauf. Wer als Bewerber gefragt ist, müht sich wenig. Die Präsentation auf dem Papier zeigt sich blass und lustlos. „Bloß keinen Handschlag zu viel“, scheint das Prinzip einiger Bewerber zu sein, „schließlich will mich das Unternehmen haben und da dürften doch keine Mühen zu groß sein, um durch weiteres Nachfragen den zähen Informationsfluss zu beschleunigen.“

Diese Bewerber zeigen sich auch in Vorstellungsgesprächen arrogant. Häufig bringen sie überzogene Gehalts- und Karrierevorstellungen ins Gespräch, die einfach nicht machbar und vermessen sind. Zudem werden Arbeitgeber gegeneinander ausgespielt. Gut kommt das Verhalten bei den Arbeitgebern nicht an und sicher geglaubte Berufsalternativen kommen in letzter Konsequenz dann doch nicht zustande.

Bewerber sollten Bewerbungsprozess eingehend prüfen

Die gut gefragten Ingenieure der Elektrotechnik und des Maschinenbaus sowie Informatiker in der Altersklasse 30 bis 40 sollten hier den Versuchungen widerstehen und ihr Verhalten im Bewerbungsprozess gut prüfen, um sich nicht um die entscheidenden Karrierechancen zu bringen. Selbst, wenn die einstellenden Arbeitgeber bei einem Bewerber beide Augen zudrücken, kann sich das anfängliche Fehlverhalten später im Unternehmen rächen.

Ist der Arbeitsmarkt durch einen Überschuss an Ingenieuren gekennzeichnet, z.B. im Baubereich oder in der Alterklasse 50plus, sehen die Dinge plötzlich anders aus. Die Arbeitgeber sitzen am längeren Hebel und einige Bewerber beklagen sich, dass sie in Gesprächen förmlich „vorgeführt“ werden und man sie ihre schwache Position klar spüren lässt. Wo die Glocken für Bewerber hängen, deutete ein Produzent langlebiger Gebrauchsgüter öffentlich an. Für eine fünfstellige Eurosumme platzierte er in einem führenden Printmedium eine halbseitige Stellenanzeige. Gesucht wurde die Führungskraft für eine Position von nicht geringer Bedeutung.

Bewerber: Wie mit Fauxpas eines Unternehmens umgehen?

So weit so gut, doch der letzte Satz mutete wie ein Aprilscherz zu Weihnachten an. Das Unternehmen fordert die Bewerber auf, einen Freiumschlag beizulegen, falls sie im Falle einer Absage ihre Unterlagen zurückhaben wollen. Der Satz ist im Grunde so „unanständig“, dass es fast schon wieder interessant sein könnte, sich bei dem Unternehmen zu bewerben – könnte das Resultat eines positiv denkenden Bewerbers sein.

Wo im Management derartige Erbsenzähler sitzen, muss es dem Unternehmen richtig gut gehen, und das kann heute schließlich nicht mehr jeder Arbeitgeber von sich behaupten. Vielleicht hat sich das Unternehmen die ganze Sache so vorgestellt, um besonders viele Bewerber mit der Anzeige anzusprechen.

Eine Ausnahme: Bewerber, die für Fahrtkosten zu Kreuze kriechen

In einem anderen Falle muss ein Bewerber bei einem Unternehmen zu Kreuze kriechen, um Monate später die zugesagte Erstattung der Fahrtkosten zu erhalten. Und im Vorstellungsgespräch scheinen manche Personaler förmlich darin aufzugehen, arbeitslose Kandidaten oder solche mit dem Abzeichen 50+ bis in die tiefsten Abgründe ihrer Persönlichkeit auszufragen. Und wenn die Kandidaten diese Psychorunden überstanden haben, dann könnte doch noch einmal im Kaffeesatz gelesen werden, bevor man sich für sie entscheidet.

Hoffentlich widerfährt dem so charakterisierten Personaler nicht einmal das gleiche Schicksal, dass er sich aus einer misslichen Lage bewerben muss. Aber auch Lebenszeichen zur eingereichten Bewerbung lassen manchmal lange auf sich warten und einige Unterlagen scheinen vorher im wahrsten Sinne des Wortes durch den Kakao gezogen zu werden, bevor sie an den Bewerber zurückgesendet werden.

Erfreulicherweise handelt es sich hier um wenige Ausnahmen und nur wenige Bewerber beziehungsweise Unternehmen verhalten sich in der oben beschriebenen Form. Und das ist gut so!

Respekt und Verständnis für den Umgang zwischen Bewerber und Personaler wichtig

Beide Seiten sollten sich respektieren und Verständnis für die Situation der anderen Seite aufbringen. Zu einer gewissen Fairness sollten sich alle Unternehmen und Bewerber verpflichtet fühlen und gewisse Anstandsgrenzen nicht überschreiten. Dass nicht jeder Bewerber einer Zusage des Unternehmens folgt und vielen Kandidaten eine Absage erhalten, muss allerdings auch klar sein.

 

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