Anschreiben von Ingenieuren oft zu sachlich

Bei all der Sachlichkeit, den Gegenüber nicht aus den Augen verlieren.

Bei all der Sachlichkeit, den Gegenüber nicht aus den Augen verlieren.

Foto: panthermedia.net/alphaspirit

Ingenieure gelten als nüchtern, rational und analytisch. Die persönliche und emotionale Komponente kommt bei ihnen manchmal etwas kurz, was im Bewerbungsprozedere nicht unbedingt zu Pluspunkten führt. Dies zeigt sich häufig auch in Anschreiben, die oft sehr sachlich und distanziert ausfallen. Schon die Berücksichtigung weniger Regeln hilft dabei, Anschreiben verbindlicher zu formulieren, ohne über das Ziel hinauszuschießen und aufdringlich zu wirken.

So sollten Gemeinsamkeiten betont werden: „Sie suchen für das Basic- und Detailengineering einen Ingenieur mit internationalen Erfahrungen. Diese bringe ich aus Projekten der Petrochemie im Nahen Osten mit.“ Zudem hört man im Zeitalter der Teamorientierung gerne Worte, die ein gutes gegenseitiges Verhältnis betonen. Es sollte im Geschäftsleben ein partnerschaftlicher Gesprächs- und Umgangsstil gepflegt werden. Worte die in diese Richtung abzielen, kommen daher immer gut am: „Harmonie“, „Konsens“, „Übereinstimmung“, „Gemeinsamkeiten“ usw. Und wie steht es in dem Zusammenhang mit Komplimenten? In der Bewerbung machen sie sich immer dann gut, wenn sie mehr als Höflichkeitsfloskeln vermuten lassen. Wer sich z.B. auf einer Messe die Rede eines Personalleiters anhört und die entscheidenden Schwerpunkte im Anschreiben aufgreifen kann, zeigt mit Sicherheit überdurchschnittliches Interesse: „Begeistert verfolgte ich Ihre Rede auf der XYZ-Messe. Sie sprachen über die bevorstehenden Großanlagenprojekte Ihres Unternehmen in den Vereinigten arabischen Emiraten, für die Sie weitere Ingenieure suchen.“ Platte Komplimente stoßen dagegen eher ab: „Ich war schon seit Kindesbeinen an von den Sportwagen, die Sie entwickeln, begeistert.“

Um persönlicher zu wirken, sollte die „Sie-Technik“ im Anschreiben eingesetzt werden. Weniger Betroffenheit löst für den Leser der „Ich-Stil“ aus. Zudem führt der „Ich-Stil“ leicht zur Überbetonung der eigenen Person: „Auf der Recruiting-Veranstaltung nahm ich mir Zeit, mich mit Ihrem Personalleiter, Herrn Frost, länger zu unterhalten.“ Nach der „Sie-Technik“ würde der Satz lauten: „Auf der Recruiting-Veranstaltung nahm sich Herr Frost, Ihr Personalleiter, Zeit, sich mit mir länger zu unterhalten.“ Doch Vorsicht, die „Sie-Technik“ sollte dezent und nicht in jedem Satz verwendet werden! Auch Dankesfloskeln können mehr oder weniger gut ankommen. Der Satz: „Für die ausführlichen Informationen möchte ich mich an dieser Stelle nochmals ausdrücklich bedanken“, mutet stereotyp an. Er zeigt lediglich, dass der Bewerber das Wort „Danke“ beherrscht, was ja heute auch nicht mehr so selbstverständlich ist. Dennoch sollte der Dank über ein Gespräch, ein Telefonat oder die Zusendung von Informationen nicht ganz so lasch ausfallen. Besser ist es, konkret zu danken und dem Leser kurz aufzuzeigen, welcher Inhalt besonders wichtig oder hilfreich war.

Auf die indirekte Rede sollte übrigens im Anschreiben verzichtet werden. Sie verwendet oft farblose Hilfsverben. Zudem kommen die Fakten erst zum Schluss des Satzes. Zu Beginn stehen umfangreiche, überflüssige Ankündigungen der Fakten. Direkte Rede vermittelt dagegen unmittelbare Eindrücke, wirkt authentischer und damit persönlicher. Vorsicht ist auch bei abgedroschenen Floskeln oder modischen Redewendungen geboten. Sie distanzieren. Trotz der persönlichen Nähe, die im Anschreiben zum Empfänger gesucht werden sollte, darf das ganze nicht in Gefühlsduselei ausarten. Die Anrede „Lieber Herr Dr. Müller“ gehört wohl eher in den Privatbereich und ist als Anrede zwischen gut bekannten Kollegen zulässig, hat aber im Bewerbungsgeschehen nicht viel zu suchen. In Mode gekommene, modifizierte Abschlussformen können verwendet werden, wenn die Form gewahrt bleibt. Große Bedeutung darf ihnen allerdings nicht beigemessen werden. So wäre etwa ein Abschluss zulässig: „Mit freundlichen Grüßen nach Köln“, während der Abschluss: „Gruss und Kuss an Ihre Frau“ wohl das Maß der Dinge überschreitet.

Abschließend noch die bekannten Regeln zu Briefen aus dem Direktmarketing, die auf Anschreiben übertragen werden können. So wird persönliche Nähe durch den Einsatz von Personalpronomen im Text geschaffen und aktive Formulierungen verbinden Schreiber und Leser. Zudem sollte das Anschreiben personalisiert sein, d.h. den kompletten Vor- und Zunamen, möglichst auch den akademischen Titel und die Position des Empfängers der Bewerbung enthalten. Damit zeigt der Kandidat, dass er sich mit dem Unternehmen und dem Empfänger bereits intensiver beschäftigt hat. Es handelt sich hier um ein Signal besonderen Interesses an der angeschriebenen Person und dem Arbeitgeber, das nicht unterschätzt werden sollte. Unterschrieben werden sollte das Anschreiben übrigens mit Vor- und Zunamen, weil dies persönlicher wirkt.

 

Von Bernd Andersch

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