Berufsbild Chief Digital Officer

Ingenieure als Chef-Digitalisierer: Muss das sein?

„Oh no, ein CDO?!“ Ingenieure, die als Chief Digital Officer auftreten. Muss das wirklich sein? Das fragen sich besonders kleine und mittlere Unternehmen. Doch die Antwort auf die Frage überrascht.

Ingenieure als Chef-Digitalisierer: Eine gute Idee?
Foto: panthermedia.net/WavebreakmediaMicro

Ingenieure als Chef-Digitalisierer: Eine gute Idee?

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Vorausgesetzt, die Stelle wird nicht als reines Nice-to-Have betrachtet, sondern als Treiber für die digitale Transformation im Unternehmen. Doch schon bei der Personalauswahl scheitern viele Chefs. Zu diffus erscheint ihnen das Berufsbild. Dabei ist die Sache ganz klar: Gesucht sind kreative Zerstörer.

Eine ziemlich unfrohe Kunde macht die Runde: Erste Firmen schaffen ihren Chief Digital Officer (CDO) wieder ab. Aus vermeintlichem Mangel an sichtbaren Ergebnissen seines Tuns. Oder weil die Position einst vorrangig aus Imagegründen geschaffen worden ist. Was der neue Mann oder die neue Frau kann und soll? Unklar! Wer so an das Thema digitale Transformation rangeht, wird bald womöglich sein blaues Wunder erleben – technologisch den Anschluss verpassen und als Dinosaurier in einer digitalen Welt enden.

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„Unternehmen müssen digitale Lösungen für die digitalen Bedürfnisse ihrer Kunden entwickeln“, sagtJutta Menzenbach, Partner bei der Personalberatung Boyden. „Im Zuge dessen müssen sie ihre Organisationen völlig neu ausrichten und an neue Gegebenheiten wie etwa neue Wettbewerber aus anderen Branchen mit innovativen Technologien anpassen.“ Und genau das ist der Job eines CDOs. Umso besser, wenn er in technologiegetriebenen Unternehmen einen Ingenieur-Background hat. Dann kommt das tiefe Verständnis für die Richtung des digitalen Wandels praktisch frei Haus. Weiterer Vorteil: Wenn ein CDO, der sich in einem branchenfremden Start-up einen Namen gemacht hat, nun die Firma auf Linie bringen soll, überfordert das mitunter die Belegschaft. Was schon mit der Sprache losgeht und bei durchgeknallt anmutenden Visionen endet.

Chief Digital Officer ist ein kreativer Zerstörer und Kommunikator

Daher sind Soft-Skills gefragt, meint Andreas Diehl, Digital-Berater aus Köln: „Ein CDO muss Brücken schlagen und intern Netzwerke aufbauen können. Er muss erklären, vermitteln und überzeugen können, weil er mit seinen neuen Ideen oft zunächst auf Widerstand stoßen dürfte.“ Daher gilt es, sorgsam bei Personalauswahl zu sein, wobei der Blick nicht immer in die Ferne schweifen muss:

„Einen Ingenieur aus dem eigenen Unternehmen als CDO in die Spur zu schicken kann ein cleverer Schachzug sein – denn er verfügt bereits über ein internes Netzwerk und Akzeptanz“, sagt Diehl.

Natürlich sollte er IT-affin sein und nicht nur den eigenen Geschäftsbereich vor Augen haben. „Man sollte nicht den Fehler begehen, Mitarbeiter auszuwählen, die durch tolle Vorschläge auffallen. Die Gefahr ist zu groß, dass sie die Position nur dazu nutzen, eigene Ideen durchzusetzen“, rät Diehl.

 

Bei aller Zukunftsgewandtheit, die von einem kreativen Zerstörer erwartet werden, sollten Basics im Blick behalten werden: Dazu zählen Fähigkeiten im Bereich Projektmanagement, weil sich oft genug der gesamte Entwicklungsprozess durch die digitale Transformation verändert hat oder er im Begriff ist, es zu tun. Wenn ein Ingenieur in die Rolle des CDO schlüpft, muss er eben nicht nur in Sachen Bits und Bytes fit sein, er muss auch enger und direkter denn je mit Kunden, Zulieferern und Kollegen zusammenarbeiten. Stichwort: Kommunikationsstärke. Laut einer Kienbaum-Studie gehören Innovationskraft, die Fähigkeit zur Kollaboration und Veränderungswillen zu den Top-Skills, die gefordert sind. „CDOs sind Visionäre, Brückenbauer und Change Manager mit Begeisterungsfähigkeit und hoher Frustrationstoleranz“, sagt Yvonne Balzer, die bei Kienbaum die digitale Division leitet.

„Ihre Rolle muss auch in der Organisation akzeptiert und als hochrelevant erachtet werden, um zu funktionieren. Denn das Thema digitale Transformation ist Chefsache.“

Trendscouts vom Dienst

Trendscouting, das Formulieren einer Digitalstrategie und die Digitalisierung interner Prozesse zählten zu den Kernaufgaben eines CDOs. Nicht zuletzt, darauf verweisen die Personalberater von Kienbaum, muss ein Chef-Transformator je nach Anforderungen im Unternehmen seine Rolle selbst definieren. Es wird niemanden geben, der sagt, was, wann und wie zu tun ist. CDOs entscheiden häufig selbst, was ihre Aufgaben sind und passen sich dem entsprechend an, etwa was Strategie-, Technologie-, Governance-, aber auch Kultur-Themen anbelangt.

Übrigens: Was ihren akademischen Hintergrund angeht, hat die Mehrheit der CDOs ein Informatik- oder Ingenieur-Studium absolviert, haben die Kienbaum-Berater herausgefunden. Wirtschaftswissenschaftler sind hingegen kaum vertreten. Im Grunde benötigt ein CDO aber keinen bestimmten Ausbildungsgang, sondern eine bestimmte Denke, gepaart mit Managementqualitäten auf Vorstands- oder Geschäftsführungsebene. Der CDO müsse klar ausstrahlen, dass es mit ihm „ein Gesicht und eine klare Verantwortlichkeit im Unternehmen gibt, um die digitale Strategie zu entwickeln und umzusetzen“, betont Diehl. „Eine solche Kraft aus dem etablierten Vorstand zu rekrutieren dürfte in der Regel nicht erfolgreich sein“, meint Diehl. Denn es mangele schlicht an Skills, was die Gefahr des „Weiter so“ wachsen lässt.

Erfolgreiche CDOs schaffen sich selbst ab

Idealerweise sollten alle Mitarbeiter und Führungskräfte befähigt werden, „Träger und Treiber der Digitalisierung“ zu werden, so Balzer. Der CDO wiederum benötige Befugnisse, um auch unliebsame Entscheidungen umsetzen zu können: „Daher ist die Verortung des CDOs auf C-Level ausschlaggebend für sein erfolgreiches Handeln.“

Doch das sollte der geneigte Ingenieur bedenken: Idealerweise macht er sich als CDO selbst überflüssig. Nämlich dann, wenn er erfolgreich gearbeitet, er sein Unternehmen in die Zukunft geführt hat, weil die Mitarbeiter digital denken und arbeiten. Diehl ist sich sicher, dass es in ein oder zwei Dekaden keiner CDOs mehr bedarf, weil der Wandel dann längst geglückt sei.


Der CDO ist als Mitglied des Top Managements für die digitale Entwicklung eines Unternehmens zuständig. Er treibt die digitale Unternehmensentwicklung und den Aufbau neuer digitaler Services und Geschäftsmodelle voran. Dabei ist der CDO nicht immer ein Mitglied des Vorstandes oder der Geschäftsführung. Allerdings führt die Berichtslinie des CDO immer direkt an einen Vorstand oder an einen Geschäftsführer.

 

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