Arbeitsrecht

Zwischen Buhmann und Co-Manager  

Eine vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit mit der Mitarbeitervertretung erleichtert die Umsetzung von Konzepten.

Die Diskussion rund um das Thema Mitbestimmung in Deutschland zentriert sich vor allem um drei „negative“ Aspekte: die Kostenfrage, die mögliche Abschreckung von Investoren aus dem Ausland durch das deutsche Modell und die starre Gesetzgebung, die eine Entwicklung wie bei SAP möglich macht und angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung – Stichwort Globalisierung – von Kritikern als nicht haltbar eingestuft wird. Die Mitbestimmung auf betrieblicher Ebene und im Aufsichtsrat stehen beide in der Kritik.

Bis Ende Mai finden in ganz Deutschland Betriebsratwahlen statt. Nach einer Berechnung des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft muss ein Unternehmen im Schnitt jährlich etwa 650 € pro Mitarbeiter für die betriebliche Mitbestimmung ausgeben. Dasselbe Institut hat auch errechnet, dass in einem Unternehmen, in dem Geschäftsleitung und Betriebsrat vertrauensvoll zusammenarbeiten, diese Kosten um etwa 72 € pro Kopf gesenkt werden.

Das Institut für empirische Wirtschaftsforschung der Uni Hannover hat in einer Studie für die Hans-Böckler-Stiftung herausgefunden, dass sich die Existenz von Betriebsräten positiv auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von Betrieben auswirkt. Ein Produktivitätseffekt sei besonders festzustellen, wenn die Unternehmen der Tarifbindung unterliegen.

Auch weniger gewerkschaftsnahe Institutionen und Organisationen kommen nicht selten zu einem entweder neutralen oder sogar positiven Ergebnis. In einem Beitrag für die Zeitschrift „Betriebs-Berater“, einem arbeitgeber-orientierten Magazin, erklären die Rechtsanwälte Anke Freckmann und Martin Koller van Delden aus Heidelberg: „Ein gut funktionierendes Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat kann also in direkten Wettbewerbsvorteilen resultieren, wie etwa flexibleren Arbeitszeiten, maßgeschneiderten Vergütungsregelungen, schnellerer Umstellung von Fertigungstechniken und Durchführung von notwendigen Restrukturierungsmaßnahmen.“ Dies vor dem Hintergrund, dass in den 90er Jahren Standortsicherungsvereinbarungen und Öffnungsklauseln vereinbart wurden

Martin Höpner vom Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln kommt zu dem Schluss, dass weder unternehmensvergleichende Studien noch ländervergleichende Daten die These belegen, dass die Mitbestimmung die Profitabilität oder den Aktienkurs von Unternehmen negativ beeinflusst. Unternehmer wie EnBW-Chef Utz Claasen bekennen sich zur Mitbestimmung, ebenso Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. In einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft Ende der 90er Jahre gaben 23 % der Führungskräfte der im Dax gelisteten Firmen an, die Unternehmensmitbestimmung abschaffen zu wollen. Der Berufsverband „die Führungskräfte“ in Essen und Köln befragte 4000 Mitglieder, lediglich 10 % sprachen sich gegen die Mitbestimmung aus.

Eine Studie vom Münchner Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung (ISF) sagt aus, dass auch IT-Mitarbeiter umdenken. Zwar würden diese Wert auf Selbstbestimmung in der Arbeit legen, dem Thema Betriebsrat aber offener als früher gegenüberstehen. „Vor allem die hoch qualifizierten Beschäftigten verändern ihre Einstellung zum Unternehmen. Sie suchen nach neuen Möglichkeiten, ihre Interessen zu artikulieren und zu wahren“ , erklärt Autor Andreas Boes. C. HANTROP

Martin Höpner: Unternehmensmitbestimmung unter Beschuss. Die Mitbestimmungsdebatte im Licht der sozialwissenschaftlichen Forschung, Discussion Paper 04/08, Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung, Köln 2004.

Anke Freckmann/Martin Koller-van Delden: Vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat – hehres Ziel oder zu praktizierende Wirklichkeit? In: Betriebs-Berater, 61. Jg., Heft 9, S. 490-496. , Frankfurt a. M. 2006.

Von C. Hantrop

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