Arbeitsrecht

Zeitarbeits-Verband fordert Mindestlohn für die Beschäftigten  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 5. 4. 07, has – Leiharbeit boomt – dank der Konjunktur und der Lockerung der Arbeitnehmerüberlassung. Von einem Randthema habe sich Zeitarbeit zu einem Kernthema in den Unternehmen entwickelt, so IG-Metall-Chef Jürgen Peters.

Hauptsache Arbeit, dachte Helge R. Nach Monaten der Arbeitslosigkeit heuerte er bei einer Zeitarbeitsfirma an. Der gelernte Logistiker mit Zusatzqualifikationen wurde als Helfer eingestellt für 765,95 € netto. Als stellvertretender Lagerleiter bei einem Automobilhersteller hatte er vor zwei Jahren noch 1498,76 € netto in der Lohntüte.

Zeitarbeit ist in deutschen Unternehmen längst kein Randphänomen mehr. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit gab es im vergangenen Jahr rund 600 000 Zeitarbeiter. Von den 624 000 sozialversicherungspflichtigen Stellen, die seit Januar 2006 geschaffen wurden, fällt ein Viertel auf Leiharbeit.

Für dieses Jahr rechnet Claudia Weinkopf vom Institut für Arbeit und Qualifikation (IAQ) an der Universität Duisburg-Essen in der Leiharbeit mit einem Beschäftigungswachstum von 20 %. Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) erwartet, dass in zehn Jahren 4 Mio. bis 5 Mio. Leiharbeiter in den verschiedensten Bereichen tätig sein werden. Gemessen an der Beschäftigtenzahl wäre die Zeitarbeit eine der größten Branchen überhaupt.

Drei Viertel der Zeitarbeiter sind Männer, rund 70 % aller Zeitarbeiter sind Hilfs- und Facharbeiter. Gesucht werden derzeit vor allem Ingenieure, besonders im Maschinenbau, in der Luftfahrt, in der Automobilbranchen, so Dieter Scheiff, Vorstandschef von Adecco. Der Akademikeranteil liegt bei etwa 3 % – Tendenz steigend.

Vor allem in Zeiten konjunkturellen Aufschwungs boomt die Zeitarbeit. Auch in der Metall-und Elektroindustrie, die traditionell auf Stammbelegschaften setzt, steigt ihr Anteil. „Sie ist keine „Schmuddelbranche mehr“, so Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser. 3 % Zeitarbeiter gebe es aktuell in der Branche. Zwischen 15 % und 20 % Zeitarbeiter sollte jedes Unternehmen in Deutschland beschäftigen, um „wettbewerbsfähig“ zu sein, offenbarte Eckard Gatzke Geschäftsführer des Branchenriesen Randstad, gegenüber der FAZ.

Die Konjunktur erklärt den Boom der Zeitarbeit nicht allein. Durch die Lockerung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes vor drei Jahren wurden die „Schleusen geöffnet“, erklärt IAQ-Forscherin Claudia Weinkopf. Damit wurde die Ausweitung des Niedriglohnsektor begünstigt, das Lohnniveau insgesamt kam unter Druck.

Die Löhne für Leiharbeiter sind deutlich niedriger als für Stammbelegschaften. In Westdeutschland liegen nach Angaben des IAQ die tariflichen Einstiegslöhne in der Zeitarbeit bei 7 € brutto in der Stunde. In den ersten Monaten sind tarifliche Abschläge um bis zu 9,5 % erlaubt.

Ursprünglich sollten Leiharbeiter genauso viel verdienen wie vergleichbare Stammarbeitskräfte. Nur als Ausnahme, nämlich dann, wenn ein Tarifvertrag für Leiharbeit angewendet wird, sollte vom Prinzip der gleichen Entlohnung abgewichen werden dürfen.

Das war möglich mit dem Anfang 2003 geschlossenen Tarifvertrag zwischen dem Christlichen Gewerkschaftsbund (CGB) und bayerischen Zeitarbeitsunternehmen. Kurz danach hat auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) einen Tarifvertrag unter Dach und Fach gebracht – mit dem Bundesverband Zeitarbeit (BZA)-, doch seither gibt es Tarifkonkurrenz in der Branche. Die Bezahlung liegt im CGB-Tarif unter der des DGB-Vertragswerkes.

Für Arbeitgeber bietet Zeitarbeit ein hohes Maß an Flexibilität. Leiharbeiter können ohne jede Befristung eingesetzt werden, sie sind kündbar und werden im Krankheitsfall rasch ersetzt. Knapp ein Drittel der Leiharbeiter wird von dem entleihenden Unternehmen übernommen, so die Interessengemeinschaft Zeitarbeit (IGZ).

Neben den zehn großen Zeitarbeitsfirmen, zu denen Randstad, Adecco, und Manpower gehören und die 35 % des gesamten Marktes abdecken, tummeln sich mittlerweile mehr als 4000 weitere Unternehmen auf dem Markt.

Zeitarbeit verdränge zunehmend reguläre Beschäftigung in den Betrieben, kritisiert der Vorsitzende der IG Metall, Jürgen Peters. Sei es zunächst um die Abfederung von Produktionsspitzen und personellen Engpässen gegangen, ist Leiharbeit nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel geworden, heißt es in einem Report der IG Metall zur Zeitarbeit in Ostdeutschland.

Im BMW-Werk Leipzig liege der Zeitarbeiteranteil mittlerweile bei 30 %. Auch werde Leiharbeit immer häufiger genutzt, um Tarifstandards zu unterlaufen und Stammbelegschaften zu ersetzen, so die Autoren des Reports. Betriebsräte hätten oft keine Handlungsspielräume und Mitsprache beim Einsatz von Zeitarbeitern, die häufig als „Sachkosten“ in der Mischkalkulation geführt würden.

„Für die IG Metall wird ein Randthema immer mehr zum Kernthema“, meint Peters. Die IG Metall fordert, dass der Tarifvertrag der DGB-Gewerkschaften mit dem Bundesverband Zeitarbeit (BZA) und der Interessengemeinschaft Zeitarbeit (IGZ) für allgemeinverbindlich erklärt wird.

Und der BZA fordert von Bundesarbeitsminister Franz Müntefering einen Mindestlohn in der Zeitarbeit – „im Interesse eines fairen Wettbewerbs in Europa und zum Erhalt der erreichten Standards“, so BZA-Präsident Volker Enkerts. S. EBEL-SCHMIDT/HAS

Von S. Ebel-Schmidt/Hartmut Steiger

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