Arbeitsrecht

Wie muss sich die Altersversorgung von Ingenieuren verändern?

Der demografische Wandel drängt mit Macht auf die Agenda europäischer Unternehmen. In Deutschland erwarten 58 % der Unternehmen, dass der Anteil der über 60-jährigen Arbeitnehmer steigen wird. Daher rechnen sie mit wachsenden Ansprüchen und Bedürfnissen ihrer Mitarbeiter, insbesondere in den Bereichen Gesundheits- und Altersversorgung. Der Wille, sich darauf einzustellen, ist hoch. Steigende Kosten für die betriebliche Altersversorgung und für die Implementierung neuer Altersversorgungspläne werden als größte Herausforderung gesehen. Das ergab eine Umfrage der Economist Intelligence Unit (EIU) im Auftrag des Beratungsunternehmens Towers Watson. Für die Studie „Is 75 the new 65? Rising to the challenge of an ageing workforce“ wurden Führungskräfte aus 480 großen mittelständischen Unternehmen und weltweit agierenden Konzernen in ganz Europa, darunter 56 aus Deutschland, zu ihren Erwartungen hinsichtlich des demografischen Wandels und dessen Konsequenzen für die eigenen Benefit-Programme befragt. 88 Prozent der befragten Unternehmen haben mindestens 2.000 Mitarbeiter.

Altersvorsorge: Unternehmen müssen sich den neuen Bedürfnissen der Arbeitnehmer anpassen.

Altersvorsorge: Unternehmen müssen sich den neuen Bedürfnissen der Arbeitnehmer anpassen.

Foto: panthermedia.net/Rangizzz

Die Unternehmen haben verstanden, dass sich die Bedürfnisse und Ansprüche ihrer Mitarbeiter im Zuge des demografischen Wandels verändern und stellen sich darauf ein. Insbesondere Leistungen in den Bereichen Healthcare und Altersversorgung kommt eine wachsende Bedeutung für die Mitarbeiterbindung zu. Besonders stark in den Fokus rücken der Befragung zufolge die Bereiche Gesundheit und betriebliche Altersversorgung (bAV). Fast die Hälfte der deutschen Unternehmen (46 %) erwartet bis 2020 eine höhere Nachfrage nach Arbeitgeberangeboten in diesen Segmenten. 65 % der deutschen Unternehmen sehen insbesondere Healthcare-Benefits als zunehmend wichtig für ihre Arbeitnehmer – auch vor dem Hintergrund der verbreiteten Erwartung, dass sich der Staat zunehmend aus dem Gesundheitsbereich zurückziehen wird. Damit rechnen 40 % der Unternehmen. Mit Blick auf die Alterung der Belegschaften wird auch im Jahr 2020 die Mitarbeiterbindung (32 %) die größte Bedeutung für die Schaffung von Angeboten der betrieblichen Altersversorgung haben. Zweitwichtigster Grund ist das Gewinnen neuer Talente (24 %). Die größte Dynamik zeigt sich bei der Rolle der bAV für angemessene Rentenbezüge. Für 2020 sehen 17 % der deutschen Unternehmen diese Zielsetzung als wichtigstes Motiv für Leistungen der betrieblichen Altersversorgung – dreimal so viele wie heute (6 %).

Gerade in den Bereichen Alters- und Gesundheitsversorgung gibt es eine starke Erwartungshaltung der Arbeitnehmer. Viele fühlen sich unwohl dabei, diese komplexen Themen allein zu verantworten und wünschen sich Unterstützung durch ihren Arbeitgeber. Die Unternehmen nehmen diese Verunsicherung wahr und zeigen eine große Bereitschaft, sich in diesen Bereichen stärker zu engagieren. Kollektive Lösungen treffen die Interessen beider Seiten und bieten Effizienzen, die dem Einzelnen nicht offen stehen.

Hoher Anpassungsbedarf, Herausforderung durch steigende Kosten

Die Mehrheit der befragten deutschen Unternehmen sieht sich bei der Alters- (64 %) und Gesundheitsversorgung (60 %) in der Pflicht. Das sind deutlich mehr als im Rest von Europa, wo die Verantwortung für diese Bereiche häufiger beim Einzelnen oder beim Staat gesehen wird. Zugleich besteht großer Anpassungsbedarf: Nur jedes dritte deutsche Unternehmen (32 %) sieht sein Angebot an Mitarbeiterbenefits für 2020 bereits gut aufgestellt. Fast genauso viele (34 %) sehen es als unwahrscheinlich an, dass ihre bestehenden Angebote auf mittlere Sicht noch geeignet sein werden. Im Rest von Europa wird diese Einschätzung sogar von 41 % der Unternehmen geteilt.

Die größte Herausforderung bei der betrieblichen Altersversorgung sehen die Unternehmen in den Kosten für die Implementierung neuer Angebote und höheren Kosten für bestehende Benefits (je 43 %). Jedes dritte Unternehmen sieht zudem eine zu starke Regulierung als Hürde. In Deutschland rechnet fast jedes zweite Unternehmen (46 Prozent) mit steigenden Kosten für die angebotenen Benefits. Im Rest von Europa gehen sogar 61 % der Unternehmen von höheren Kosten aus.

Veränderungen bei der betrieblichen Altersversorgung nehmen in der Regel einige Jahre in Anspruch und entfalten ihre Wirkung im Laufe von Jahrzehnten. Eine langfristige Perspektive ist für die Ausrichtung der Maßnahmen unerlässlich. Einen Änderungsbedarf zu erkennen, ist ein wichtiger Schritt, doch diese Erkenntnis muss zu konkreten Maßnahmen führen. Die zunehmende Alterung unserer Gesellschaft ist ein drängendes Thema, und die Unternehmen müssen jetzt reagieren.

Work-Life-Balance und Flexibilität stehen im Fokus

46 % der befragten Manager gehen davon aus, dass mittelfristig die Work-Life-Balance zum wichtigsten Thema für ihre Mitarbeiter wird, gefolgt von finanzieller Sicherheit, mehr Flexibilität und Rücklagen für den Ruhestand. Dagegen tritt das aktuell bedeutendste Thema – die Arbeitsplatzsicherheit – zunehmend in den Hintergrund. Als konkrete Maßnahme plant mit 77 % ein Großteil der deutschen Unternehmen die Einführung von flexibleren Arbeitszeiten und Home Office. An zweiter Stelle stehen mit 55 % allgemeine Änderungen der angebotenen Benefits. 45 % der befragten deutschen Unternehmen planen zudem Umgestaltungen der Arbeitsplätze und wollen ihren Mitarbeitern größere Wahlfreiheit bei den angebotenen Nebenleistungen bieten.

Mitarbeiterbenefits so zu gestalten, dass sie den Herausforderungen des demografischen Wandels entsprechen, ist eine der wichtigsten Aufgaben für europäische Unternehmen in den kommenden Jahren. Wer als Arbeitgeber attraktiv bleiben will, muss Angebote machen, die den veränderten Anforderungen der Arbeitnehmer gerecht werden – und wer mit guten Leistungen eine Vorreiterrolle einnimmt, hat einen klaren Vorsprung im Wettbewerb um Talente auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft.

 

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