Arbeitsrecht

Von wegen 67 – so geht“s früher in den Ruhestand

VDI nachrichten, Frankfurt, 5. 4. 07, mav – In Großunternehmen gibt es schon viele Angebote, mittelständische Firmen tun sich noch eher schwer mit Lebensarbeitszeitkonten. Dabei ermöglichen sie vor allem für den Vorruhestand flexible Lösungen. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) bietet ein Branchenmodell für seine Mitgliedsbetriebe an, das erste in Deutschland.

Die Idee dazu ist entstanden, als vor etwa zehn Jahren im Maschinenbau sehr viele Überstunden geleistet wurden“, erzählt Jürgen Debusmann, Versicherungsspezialist des Verbandes. Dieses Geld auszuzahlen habe meist bedeutet, dass wegen höherer Steuern und Sozialversicherungsabgaben netto nicht viel übrig geblieben sei.

Dieses Geld den Arbeitnehmern zu erhalten war ein Ziel. Daraus dann ein Modell zu entwickeln, mit dem es sinnvoll für Auszeiten oder den Vorruhestand flexibel genutzt werden könne, war ein anderes. Denn alle gesetzlichen Modelle zur Vorruhestandsregelung laufen aus, von 2009 an sind Neuzugänge zur Altersteilzeit nicht mehr möglich. Am Markt aber habe es damals keine konkrete Lösung gegeben, wie man ein Lebensarbeitszeitmodell über Versicherungsprodukte abbilden könne, sagt Debusmann.

Die Rente mit 67 Jahren, die jetzt sukzessive eingeführt wird, gab einen weiteren Schub: Denn zurzeit gehen die Deutschen im statistischen Durchschnitt mit 63,2 Jahren in Rente. Und gerade im Maschinenbau ist kaum zu erwarten, dass die Arbeitnehmer künftig bis zum Alter von 65 Jahren oder 67 Jahren durchhalten – die körperliche Anstrengung sei zu groß, sagt Debusmann. Doch für den Arbeitgeber allein ist die Finanzierung einer Vorruhestandslösung viel zu teuer.

Das Modell, für das sich der VDMA dann entschied, hat das Beratungsunternehmen The Pension Consultancy (TPC) nach einer Ausschreibung entwickelt. Es bietet zwei Lösungen: Das VDMA-Vorruhestandskonto richtet sich an die breite Belegschaft, während das VDMA-Vorsorgedepot Fach- und Führungskräfte ansprechen soll.

Was die Lösung der TPC für den VDMA interessant gemacht habe, sei die Standardisierung, erläutert Debusmann. Denn die bisher auf dem Markt angebotenen Lösungen seien zu verwaltungsintensiv, weil nicht Dienstleistungen aus einer Hand angeboten werden. Doch für 30 € pro Jahr und Mitarbeiter können die Arbeitgeber die standardisierte Plattform zur Kontenverwaltung nutzen.

Bei beiden Konten zahlt der Arbeitnehmer auf ein insolvenzgeschütztes Sicherungskonto des Arbeitgebers ein. Lohnend sei das Lebensarbeitszeitkonto auf jeden Fall für jüngere Arbeitnehmer, meint Debusmann. Denn bei denen werde durch den Zins- und Zinseszinseffekt ein ansehnliches Vermögen im Lauf der Zeit zusammengetragen.

Das muss nicht unbedingt bis zum Vorruhestand angespart werden. Auch Weiterbildungsphasen oder die Meisterprüfung können so finanziert werden. „Mit dem Lebensarbeitszeitkonto können erkleckliche Beträge zusammen kommen“, sagt Jens Kujawa, Leiter Lebensarbeitszeitkonten bei TPC.

Doch auch für ältere Arbeitnehmer kann das Vorruhestandskonto lohnend sein: Sie schaffen es zwar nicht mehr, sich darüber die Vorruhestandsphase zu finanzieren: Aber sie können Überstunden einbringen oder Entgeltumwandlung nutzen, damit sie erst zu Rentenzeiten die dafür fällige Steuer zahlen müssen – die fällt wegen niedrigerer Progression dann meist geringer aus.

Für Fach- und Führungskräfte wiederum ist das Vorsorgedepot vor allem deshalb interessant, weil sie nicht in Anspruch genommene Urlaubstage oder Bonuszahlungen einbringen können. „Während das Vorruhestandskonto garantierte Renditen über eine Versicherungslösung erbringt, wird beim Vorsorgedepot etwas spekulativer angelegt“, erklärt Debusmann vom VDMA. In der ersten Phase würden die Gelder stärker in Aktien investiert, aber nach und nach in risikoärmere Rentenpapiere umgeschichtet.

Bisher haben sich nur wenige Unternehmen für das Modell entschieden, das TPC den Arbeitnehmern in Workshops und bei Bedarf in Einzelgesprächen erläutert. Viele Unternehmensleitungen sähen den Reiz vor allem als Steuersparmodell für die leitenden Manager, sagt Kujawa. Dabei sollten sich die Unternehmen aber darüber klar werden, dass mit Auslaufen der gesetzlichen geförderten Vorruhestandsregelungen der vorzeitige Renteneintritt von Arbeitnehmern kaum noch zu finanzieren ist. Mit den Lebensarbeitszeitkonten aber sei dies möglich, meint Kujawa.

Außerdem sollten sich die Arbeitgeber auch klar machen, dass sie im anderen Fall auch diejenigen Arbeitnehmer bis zum Ende beschäftigen müssten, die sie eigentlich lieber ersetzen würden. Denn häufig seien das diejenigen, die aus sich selbst heraus nicht genügend Motivation aufbrächten, um privat für einen Vorruhestand vorzusorgen. Umgekehrt könne man motivierte Arbeitnehmer darüber an sich binden, die man sonst vielleicht an andere Firmen verlieren würde.

Die Konditionen, die TPC den VDMA-Mitgliedern bietet, seien sehr viel günstiger als die marktüblichen, so Debusmann. Derzeit arbeitet TPC mit der Allianz, der Investmentfondsgesellschaft DWS und der Liechtenstein Global Trust (LGT) Bank zusammen.

Andere Branchenverbände, wie der VDA für die Autoindustrie oder der ZVEI für die Elektrotechnik- und Elektronikindustrie, greifen auf das Modell von Gesamtmetall zurück: Dabei kooperiert der Arbeitgeberverband wie schon bei der Metallrente mit der Allianz-Gruppe. Anders als TPC hat sich Gesamtmetall damit auf einen Anbieter festgelegt. Für TPC-Spezialist Kujawa liegt der Vorteil verschiedener Anbieter aber darin, dass man die einzelnen Module seines Modells wechseln kann. Dadurch erziele man einen anderen Leistungsdruck bei den Anbietern – und dadurch höhere Renditen für die Arbeitnehmer und ein besseres Preis-/Leistungsverhältnis für den Arbeitgeber. BRIGITTE SCHOLTES

Von Brigitte Scholtes

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